Ganz Deutschland hofft für die EM im eigenen Land auf ein zweites Sommermärchen. Österreich zeigt dem großen Nachbarn, wie es geht - auch wenn sich Marcel Sabitzer noch sträubt.
Ralf Rangnick konnte kaum fassen, welche Wendung der Vorrundenabschluss in Gruppe D parat hatte. "Am Ende Gruppensieger zu werden, ist schon auch unglaublich. Wer darauf getippt hätte, wäre jetzt wahrscheinlich ein reicher Mann oder eine reiche Frau", sagte der deutsche Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft nach dem 3:2 (1:0)-Spektakel gegen die Niederlande.
Die erste kleine EM-Sensation ist perfekt. Das ÖFB-Team, das als Tabellendritter in den letzten Spieltag gegangen war, zog mit dem Erfolg im direkten Duell nicht nur an der Elftal vorbei.
Weil Top-Favorit Frankreich gegen Schlusslicht Polen patzte (1:1), durften die Alpenkicker vor 59.728 Zuschauern im Berliner Olympiastadion Platz eins bejubeln.
ÖFB-Kicker dreimal in Führung
Möglich machte das ein "mutiger und sehr energiegeladener Auftritt", wie der Trainer befand. Es war ein Auftritt, bei dem schon der Blick auf die Startelf Österreichs Entwicklung seit Rangnicks Jobantritt vor zwei Jahren unterstrich.
Der Ex-Bundesliga-Coach leistete sich den Luxus, gelbvorbelastete Leistungsträger wie Christoph Baumgartner oder Konrad Laimer von der Bank zu bringen. Das Weiterkommen als einer der vier besten Dritten hatte Österreich vorab sicher.
"Für mich war klar, dass wir keine Rücksicht auf eventuelle zweite Gelbe Karten nehmen dürfen, wenn wir das Spiel gewinnen wollen", erklärte Rangnick. Und stellte erfreut fest:
Das Spiel heute hat uns die Erkenntnis gebracht, dass die Breite unseres Kaders doch ein bisschen größer ist als alle vielleicht dachten - wir inklusive.
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Ralf Rangnick, Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft
Ein Eigentor des Dortmunders Donyell Malen (6.), ein Flugkopfballtreffer des Bremers Romano Schmid (59.) und ein selbstbewusster Abschluss von BVB-Star Marcel Sabitzer mit dem schwächeren linken Fuß (80.) brachten die ÖFB-Kicker dreimal in Führung. Cody Gakpo (47.) und Memphis Depay (75.) konnten zweimal für eine defensiv wacklige und wenig überzeugende Oranje-Elf ausgleichen.
Während Bondscoach Ronald Koeman bedient war ("Wir haben noch eine Chance, aber jetzt muss es besser werden"), taten die Österreicher, was sie schon nach dem 3:1 gegen Polen am Freitag an gleicher Stelle getan hatten: Feiern. Arm in Arm und textsicher zum Rainhard-Fendrich-Hit "I am from Austria". Vor und mit den eigenen Fans.
Bereits während der Partie hatte die in rot-weiß-rot gehüllte Westkurve "Oh, wie ist das schön"-Chöre angestimmt. Fast so, als würde nicht Deutschland, sondern der nicht mehr ganz so kleine Nachbar nach einem Sommermärchen lechzen.
"Man of the Match" Sabitzer machte jedoch keine Anstalten, die Träume des EM-Gastgebers zu durchkreuzen. Zumindest noch nicht:
Von einem Sommermärchen zu sprechen, wäre viel zu früh. Aber wer uns Österreicher gut kennt, der weiß: Wir arbeiten sehr hart, aber wir feiern auch sehr gut. Deshalb genießen wir auch die Momente mit den Leuten.
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Marcel Sabitzer, Österreichischer Fußballspieler
Österreichs Gruppensieg rüttelt den Turnierbaum
Den Status als Geheimfavorit stritt Rangnick erneut ab: "Egal, wer jetzt kommt: Das sind alles gute Gegner." Österreichs Gruppensieg rüttelt den Turnierbaum indes heftig durch.
Das ÖFB-Team steht auf jener Seite, auf der zurzeit England und Italien die klangvollsten Namen sind. Auf der anderen Hälfte winken Viertelfinalduelle wie Deutschland gegen Spanien oder Frankreich gegen Portugal.
Einen Vorteil hat die Rangnick-Elf: Sie ist sieben Tage spielfrei. Erst am 2. Juli geht es in Leipzig gegen den Zweiten der Gruppe F - mutmaßlich die Türkei oder Tschechien.
Die Zahl der freien Tage bestimmt derweil nicht nur der Teamchef, sondern auch der etatmäßige Kapitän David Alaba, der seine Kollegen trotz Verletzungsausfalls begleitet. "Mein Non-playing Captain hat vorher schon der Mannschaft gesagt, morgen ist kein Training", verriet Rangnick: "Wenn David das so sagt, kann ich schlecht was anderes sagen."
Soll die deutsche Nationalelf mit Niclas Füllkrug oder Kai Havertz beginnen? Mal wieder hat die Öffentlichkeit eine andere Meinung als der Bundestrainer - das ist gar nicht neu.
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