Ali Karimi im Exil: Irans Sportler und ihre Rolle im Protest

    Ex-Fußballprofi Karimi im Exil:Irans Sportler und ihre Rolle im Protest

    von Frank Hellmann
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    Sportlerinnen und Sportler spielen für die Opposition im Iran eine Schlüsselrolle. Der Preis ist auch für sie hoch. Ein Fußball-Idol sieht ihr Engagement dennoch als Pflicht.

    Der ehemalige Bayern-Profi Ali Karimi
    Ali Karimi spielte in der Bundesliga für die Bayern und Schalke.
    Quelle: imago

    Ali Karimi war die Bedrückung anzusehen. Im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund war es am Montagabend mucksmäuschenstill, als sich der ehemalige iranische Fußballstar und Ex-Bundesligaspieler von einem unbekannten Aufenthaltsort mit einer Videobotschaft meldete.
    "Natürlich ist es ein schreckliches Gefühl, im Exil zu sein. Aber es war noch schlimmer zu fühlen, dass die Menschen in ihrem eigenen Land wie im Exil unter ähnlichen Umständen leben müssen", sagte Karimi am Montagabend bei einer Veranstaltung, die die Rolle von iranischen Sportlerinnen und Sportler bei der Protestbewegung "Frauen. Leben. Freiheit" im Iran thematisierte.
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    Karimi: Kampf für Menschenrechte lohnt sich

    Auch der ehemalige Spieler des FC Bayern und FC Schalke 04 sprach vor einer iranischen Flagge, auf der in Großbuchstaben stand: "Women. Life. Freedom." Karimi ist davon überzeugt, dass sich die eigenen Opfer lohnen, um für fundamentale Menschenrechte zu kämpfen: "Manchmal passieren uns Dinge im Leben, über die wir keine eigene Kontrolle mehr haben. Trotzdem müssen wir irgendwie mit ihnen klarkommen."

    Meine Hoffnung ist, dass die Revolution das erreichen wird, was die Mehrheit der Menschen im Iran hofft.

    Ali Karimi

    Nach Morddrohungen erneuter Umzug im Exil

    Aufgrund "verschiedener Zwänge" hatte das iranische Fußball-Idol bereits vor dem Tod von Mahsa Amini und dem daraufhin folgenden Ausbruch der Proteste auf Irans Straßen in Dubai gelebt. Allein auf Instagram folgen ihm fast 15 Millionen Menschen - und wenn er jetzt erneut betont, "Mahsa Aminis Tragödie hat die Herzen aller Menschen im Iran gebrochen", findet das Gehör.
    Nachdem das Regime nach kritischen Twitter-Beiträgen ("Hab keine Angst vor starken Frauen. Vielleicht kommt der Tag, an dem sie deine einzige Armee sind") seinen Besitz beschlagnahmte und ihn "von verschiedenen Stellen Morddrohungen" erreichten, zog der 44-Jährige vor einigen Monaten in noch größere räumliche Distanz um.

    Irans Nationalteam bei WM im Fokus

    Insbesondere der Fußball spiegelt die Zerrissenheit des Landes in all ihren Facetten wider. Bei der WM in Katar erhielt jede Geste der iranischen Nationalspieler beim Abspielen der Hymne eine politische Bedeutung.
    Nach Karimis Dafürhalten ist es die Pflicht, dass insbesondere Fußballprofis ihre Plattform und Popularität in einem sportbegeisterten Land nutzen, "sich für gesellschaftliche Belange einzusetzen". Es sei sein Wunsch, "dass jeder Athlet seinen Platz auf der richtigen Seite der Geschichte findet".
    Explizit forderte Karimi die Athletenorganisationen und Sportverbände dazu auf, "jegliche Aktivitäten von politischen und militärischen Kräften im iranischen Sport zu unterbinden". Das sei jetzt sehr wichtig, "das müssen wir unbedingt umsetzen".
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    Amnesty warnt vor Hinrichtungen, Hausarrest, Folter

    Der Spielerberater Reza Fazeli würdigte Karimi als "Spiegelbild des Protestes: Er war immer auf der Seite des Volkes". Auch für ihn sei es inzwischen schwierig, als Iraner ein normales Leben zu führen. "Es ist keine einfache Zeit für uns alle", erzählte der in Berlin lebende Agent, der unter anderem den deutschen Nationalspieler Emre Can vertritt:

    Einmal in Ruhe zu atmen: Dieses Gefühl gibt es weder im Iran noch außerhalb

    Spielerberater Reza Fazeli

    Für Katja Müller-Fahlbusch von Amnesty International bleibt "der Hebel der Öffentlichkeit zentral". Das islamische Regime wolle, dass Unrecht verschwiegen werde und unerkannt bleibe - umso wichtiger sei das Aufbegehren unter weltweiter Anteilnahme, wie es die iranische Kletterin Elnaz Rekabi vorgemacht hat, die bei der Asienmeisterschaft ohne Kopftuch angetreten war. Danach war die Sportlerin mit massiven Einschüchterungsversuchen konfrontiert.
    Fahlbusch erinnerte an den Ringer Navid Afkari, der unter widersprüchlichen Umständen vor zwei Jahren hingerichtet wurde. Ihre Menschenrechtsorganisation zählte kürzlich weitere 17.000 politische Gefangene in wenigen Wochen. Gegnern des Mullah-Regimes drohten "Hinrichtungen, Hausarrest, Folter und willkürliche Verhaftungen".
    Eines müsse man wissen: "Iranische Sportlerinnen und Sportler erleiden dasselbe wie Millionen Menschen im Iran", so Fahlbusch.
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