Nordische Ski-WM: Generationswechsel bei den Kombinierern

    Medaillenhoffnung des DSV:Kombinierer Schmid bei WM im Angriffsmodus

    von Lars Becker
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    Die Stars der deutschen Nordischen Kombinierer sind in die Jahre gekommen. Größte Goldhoffnung bei der Nordischen Ski-WM von Planica ist Youngster Julian Schmid.

    Julian Schmid, aufgenommen am 05.02.2023
    Julian Schmid will in Planica durchstarten
    Quelle: dpa

    Julian Schmid kann sich noch gut an seine ersten vorsichtigen Schritte im Kombinierer-Nationalteam erinnern. "Ich habe immer Frenzel und Rydzek im Fernsehen zugeschaut. Und plötzlich war ich mit denen im Lehrgang", erinnert sich der 23-Jährige: "Das war irgendwie unwirklich."
    Schließlich sind Eric Frenzel (sieben WM-Titel, drei Olympiasiege) und Johannes Rydzek (sechs WM-Titel, zwei Olympiasiege) wahre Legenden im Winterzweikampf.
    Dreimal stand Kombinierer Julian Schmid in diesem Winter schon ganz oben auf dem Podest. Das gibt dem Überflieger der Saison viel Selbstvertrauen für die nun anstehende WM.21.02.2023 | 1:30 min

    Generationswechsel bei den Kombinierern vollzogen

    Auch bei dieser Nordischen Ski-WM in Planica (21. Februar – 5. März) sind die beiden Ex-Überflieger mit von der Partie. Doch Frenzel (34/9. WM) und Rydzek (31/8. WM) sind in die Jahre gekommen, schon die Qualifikation für das starke deutsche WM-Team war ein hartes Stück Arbeit. "Der Generationswechsel in unserem Team ist vollzogen. Jetzt sind zwei Jüngere unsere heißesten Eisen im Medaillen-Feuer: Julian Schmid und Vinzenz Geiger", sagt Bundestrainer Hermann Weinbuch. Der 25 Jahre alte Geiger hat seine Extraklasse schon mit seinem spektakulären Sturmlauf zum Olympiasieg in Peking unter Beweis gestellt.
    In diesem Winter fiel der überragende Skilangläufer wegen einer Grippe und einer weiteren Erkältung jedoch länger aus. Mit Zimmerkollege Julian Schmid sprang einer seiner besten Kumpels aus Oberstdorf in die Bresche. Er ist mit 23 noch zwei Jahre jünger als Geiger und stieg in diesem Winter kometenartig in die Weltspitze auf. Im Gesamtweltcup ist Schmid als Dritter bester Deutscher und hat seine ersten drei Weltcup-Siege gefeiert. Einen davon spektakulär in seinem Heimatort.

    Leistungsschub durch Olympia in Peking

    Es hat gleich am Anfang der Saison gut geklappt und dann bin ich in den Flow reingekommen.

    Julian Schmid

    Auslöser für den Leistungssprung vor allem in der Loipe war eine Enttäuschung: "Ich war durch Olympia extrem motiviert." Damals vor einem Jahr in China lag der sprungstarke Youngster lange auf Medaillenkurs, landete jedoch beim Triumph seines Freundes Geiger am Ende "nur" auf Platz acht. "Bei Großereignissen geht es halt nur um Gold, Silber und Bronze. Klar möchte ich bei der WM eine Einzelmedaille, aber sowas muss einfach passieren", sagt er.
    Der erfahrene Chefcoach Weinbuch traut Schmid so einen Erfolg durchaus zu:

    Er hat einen riesigen Ehrgeiz und unglaublichen Willen. Julian will am liebsten immer seinen Kopf durchsetzen.

    Hermann Weinbuch, Bundestrainer Nordische Kombination

    Das führt dann auch mal dazu, dass sich Trainer und Sportler über die richtige Taktik für ein Rennen uneinig sind. Schmid findet diese "Reibung" perfekt, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Genau wie er aus den Fights mit Vinzenz Geiger im Training und Wettkampf ganz viel Kraft schöpft. Ob bei den Schlachten im Sommer auf dem Tenniscourt oder den Zielsprints gegeneinander wie beim Weltcup in Seefeld.

    Konkurrenz im Team wirkt belebend

    "Da wird die Freundschaft auf der Zielgeraden mal ganz kurz auf Eis gelegt, aber danach ist es alles wieder gut", erzählt Schmid. Auch der für die WM wieder top-fitte Geiger berichtet, dass ihn die Konkurrenz mit der derzeitigen Nummer 1 im deutschen Kombinierer-Team pusht.

    Julis größte Stärke ist, dass er im Springen mit den Besten der Welt mithalten kann. So haben wir wieder eine echte Benchmark im Team, an der wir uns messen können. Das hat in den letzten Jahren gefehlt.

    Vinzenz Geiger, Nordischer Kombinierer

    Wenn die beiden wie bei der WM von Planica gemeinsam auf dem Zimmer sind, ist all das jedoch meist kein Thema mehr.
    Dann wird über Hobbys – beide lieben die Allgäuer Natur und fast jede Art von Sport – und über Privates geredet. "Wir sind daheim auch in der gleichen Clique. Es ist cool, wenn man einen seiner besten Freunde dabei hat", sagt Geiger. Noch cooler wäre, so findet Julian Schmid, wenn sich die beiden zusammen den größten Traum erfüllen könnten: Weltmeister im Teamwettbewerb zu werden. Vielleicht ja gemeinsam mit den Legenden Frenzel und Rydzek.

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