Kryptowährung:Bitcoin-Absturz: Was das BKA damit zu tun hat
von Mischa Ehrhardt
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Der Kurs von digitalen Coins, vor allem Bitcoins, ist zuletzt stark eingebrochen. Das liegt offenbar auch daran, dass Sachsen und das BKA Bitcoins in großem Umfang verkaufen.
Wirbel um Bitcoins (Symbolfoto)
Quelle: Reuters
Die jüngste Talfahrt des Bitcoins beginnt bereits im Juni. Und die Spuren dieser Kriminalgeschichte führen in den Freistaat Sachsen.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden versucht derzeit offenbar, Bitcoins auf den Markt zu bringen. "Und das führt dazu, dass Anleger erst einmal in Panik geraten und in größerem Stil Reißaus nehmen", sagt Krypto-Analyst Timo Emden gegenüber ZDFheute.
Wie kommt Sachsen an 50.000 Bitcoins?
Was genau ist geschehen? Um das zu verstehen, muss man gedanklich über ein Jahrzehnt in die Vergangenheit reisen. 2013 wurde 'movie2k' geschlossen, eine illegale Download-Plattform für alle möglichen Kinofilme. Die maßgeblichen Betreiber wurden später per Haftbefehl gesucht. Im vergangenen Jahr ist einer dieser untergetauchten Protagonisten im Ausland festgenommen worden.
Das BKA und sächsische Ermittler hatten im Januar 2024 Bitcoins in großem Umfang.30.01.2024 | 1:44 min
Nun hat dieser im Januar den Behörden freiwillig 50.000 Bitcoins übergeben, in die er und die Mitbetreiber der Webseite ihre Einnahmen investiert hatten. Dadurch wollte er Strafminderung erreichen. So ist die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden beziehungsweise das Bundeskriminalamt an diesen digitalen Schatz gekommen - denn 50.000 Bitcoins sind nach aktuellem Kurs rund drei Milliarden Euro wert. Diese Bitcoins finden nun offenbar teilweise ihren Weg auf den Markt, werden also in Schüben verkauft.
Sachsens Behörden: Schweigen zu Krypto-Verkäufen
"Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum man da so eine große Heimlichtuerei betreibt", sagt der Landtagsabgeordnete Marco Böhme von der Die Linkspartei. "Auf der einen Seite wird gesagt, dass man diese Bitcoins nicht verkaufen kann, weil das Strafverfahren noch läuft. Auf der anderen Seite gibt es Berichte, dass Bitcoins im Umlauf sind, die eine Signatur des BKA haben."
Um Licht in das Dunkel dieser Affäre zu bringen, hat Marco Böhme eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, die allerdings noch nicht beantwortet ist.
In Dresden hüllt man sich in Schweigen. Das Justizministerium hat auf Anfrage von ZDFheute keinerlei Neuigkeiten zu dem Thema parat. Die Generalstaatsanwaltschaft schweigt - ebenfalls mit dem Verweis, dass man sich zu laufenden Verfahren nicht äußere.
Plattform Arkham machte auf Bitcoin-Verkäufe aufmerksam
Auf die mysteriösen Bitcoin-Verkäufe aufmerksam gemacht hat die Krypto-Analyseplattform Arkham. Sie will für mehr Transparenz sorgen, listet Bitcoin-Transaktionen auf und ordnet sie realen Personen oder Institutionen zu.
Nach Angaben von Arkham verkaufte die deutschen Behörden allein am Montag Bitcoins im Wert von knapp 143 Millionen Euro. Noch auffälliger waren Verkäufe am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Denn an solchen US-Feiertagen herrscht Flaute an den Kryptomärkten, weil US-Anleger weniger aktiv sind. Größere Verkäufe können an solchen Tagen für besonders starke Verluste sorgen - was prompt auch geschah.
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Bitcoins in Staatsbesitz: Strategische Reservewährung?
Unterdessen schlägt die Geschichte weitere Wellen. Nicht nur am Kryptomarkt, wo sich der Bitcoin inzwischen in den vergangenen Tagen wieder von seinem Fall unter den Wert von 54.000 Dollar erholt hat und aktuell bei knapp 58.000 Dollar notiert. Auch politisch.
So hat die fraktionslose Bundestagsabgeordnete Joana Cotar die Bundesregierung aufgefordert, ihre "überstürzten" Bitcoin-Verkäufe zu stoppen. Stattdessen solle sie Bitcoin als "strategische Reservewährung" einführen, um sich gegen Risiken im traditionellen Finanzsystem abzusichern.
Um mit Online-Trading viel zu verdienen, investiert ein Mann erst 100.000 Euro, dann mehr. Es meldet sich ein Fake-Finanzamt. Zu spät realisiert er den Betrug.31.05.2024 | 4:02 min
Auch Krypto-Analyst Timo Emden findet es nicht abwegig, dass die Regierung Bitcoin-Bestände hält.
Wenn man den Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel ansieht, ist das durchaus eine gute Möglichkeit.
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Timo Emden. Krypto-Analyst
Bitcoin-"Wale" produzieren große Wellen
Allerdings rät Emden auch zur Vorsicht. "Es handelt sich immer noch um eine hochriskante und sehr schwankungsintensive Anlage". Zum anderen könne man daher auch nachvollziehen, wenn staatliche Behörden bei hohem Kurs des Bitcoins auch Kasse machen.
Dass die Verkäufe selbst solche Wellen schlagen, erklärt sich dadurch, dass die Behörden mit einem Bestand von mehreren oder sogar zigtausend Bitcoins zur Kategorie der "Wale" zählen. Wie der Meeressäuger verursachen derartige Großinvestoren Wellen, wenn sie Entscheidungen treffen.
Und oft reicht auch schon eine Ankündigung solcher "Wale" aus, dass Anleger reagieren. Genau das dürfte auch am Kryptomarkt in den vergangenen Wochen geschehen sein.
Quelle: dpa
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