Stahl, Chemie, Autos: Wie geht es der deutschen Industrie?
Stahl, Chemie, Automobile:Wie weiter mit Deutschlands Industrie?
von Anne Sophie Feil
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Umsatzeinbrüche, Stellenkürzungen, Investitionsrückgänge. Für die deutsche Industrie war 2024 kein einfaches Jahr. Betriebe kämpfen um Wettbewerbsfähigkeit und fordern Reformen.
Die deutsche Industrie kämpft mit einer anhaltenden Autokrise, die auch Stahl- und Chemieunternehmen belastet. Wie sieht die Zukunft 2025 aus?18.12.2024 | 2:37 min
2024 war für die deutsche Industrie ein Jahr der Verluste. Die Branche rechnet mit einem Produktionsminus von drei Prozent. Hohe Energiekosten hierzulande und günstigere Konkurrenz aus dem Ausland belasten zentrale Industriezweige wie die Automobil-, Stahl- und Chemiebranche.
"Gewinn-Lokomotive" China fährt ab
Der Autoindustrie fehlen Aufträge, Umsätze gehen zurück, die Produktion ist nicht ausgelastet. Die hohen Energiepreise erschweren die Wettbewerbsfähigkeit - besonders in China sind die Kosten deutlich niedriger. Auf dem größten Automarkt der Welt werden nun heimische Hersteller immer erfolgreicher, die deutschen Autobauer verlieren dagegen Marktanteile.
Die Automobil-Industrie ist im Umbruch. Künftig werden viele Arbeitsplätze wegfallen - dennoch steigt der Bedarf an Fachkräften.10.12.2024 | 2:36 min
"Für die sehr global aufgestellten deutschen Automobilhersteller und Zulieferer war China in den letzten 20 Jahren die Wachstums- und Gewinn-Lokomotive", sagt Autoexperte Christoph Stürmer. Nun kämen die Umsätze nicht wie geplant und das erzeuge wirtschaftliche Probleme, so Stürmer. Verantwortlich dafür sei vor allem die Elektrostrategie. Hier könne Deutschland nicht mithalten. Stürmer erklärt:
Man hat sich die Umstellung auf elektrische Antriebe zu einfach vorgestellt. Man hat versäumt, die tiefen Wertschöpfungsketten in Deutschland und Europa aufzubauen.
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Christoph Stürmer, Autoexperte
Autobauer und Zulieferer ziehen Konsequenzen und bauen Stellen ab. Auf Jahressicht gingen dort gut 12.000 Jobs verloren, ermittelt die Kapitalprüfungsgesellschaft EY zum Ende des dritten Quartals. Betroffen sind zum Beispiel die großen Zulieferbetriebe Bosch, Schaeffler und ZF. Auch der Autobauer Ford will Stellen streichen.
Wegen der Krise in der Automobilbranche ist auch der Zulieferer ZF in Schieflage geraten. An den deutschen Standorten droht ein massiver Stellenabbau.11.11.2024 | 1:32 min
"Wir töten die Stahlindustrie durch hohe Kosten"
Werden weniger Autos produziert, schlägt das auch auf die Stahlbranche durch. Die Autoindustrie - eigentlich ein treuer Kunde - kauft weniger ein. Käufer aus dem Ausland halten sich zurück. Teils weil auch dort die Konjunktur eingebrochen ist, und teils, weil sie es anderswo günstiger bekommen. Denn Stahlerzeugung benötigt besonders viel Energie, die in den vergangenen Jahren teurer geworden ist.
Auch beim Stahl kommt die billigere Konkurrenz aus China. "Man merkt, dass China ganz massiv mit der Produktion auf den Weltmarkt drängt. Die Binnennachfrage in China schwächelt und China geht massiv in den Export", analysiert Jürgen Kerner, Aufsichtsratsmitglied bei Thyssenkrupp.
Thyssenkrupp Steel kündigte im November einen massiven Stellenabbau an - eine Katastrophe für den Industriestandort Nordrhein-Westfalen.26.11.2024 | 2:39 min
Ein weiteres Hindernis: die grüne Transformation. "Wir investieren sehr viel in den Umbau, um grünen Stahl zu produzieren", sagt Kerner, der auch zweiter Vorsitzender der IG Metall ist.
Und ich sage es mal ganz hart: Wir töten die Stahlindustrie durch hohe Industriekosten.
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Jürgen Kerner, Aufsichtsratsmitglied bei Thyssenkrupp.
Was dem Industriezweig helfen könne: Investitionen in die Infrastruktur, niedrigere Energiekosten und Schutzmechanismen gegen Billigimporte aus Asien.
Chemiebranche flexibler
Die Chemiebranche beliefert zahlreiche Industrien und leidet auch unter dem schwierigen Marktumfeld. Wegen der anhaltenden Rezession in der deutschen und europäischen Industrie fehlen Aufträge. Zudem beklagt der Verband der chemischen Industrie (VCI) hohe Steuern, hohe Energie- und Arbeitskosten und zu viel Bürokratie. Das koste Wettbewerbsfähigkeit.
Allerdings hat die Chemie gegenüber der Stahl- und Elektrobranche einen großen Vorteil: "Sie ist bei Weitem die flexibelste Branche, weil sie einfach in alles mit hineingeht", sagt Christiane von Berg, Chefvolkswirtin der Coface. Demnach haben chemische Betriebe Abnehmer aus verschiedenen Bereichen und können sich daher stärker daran orientieren, wo es gerade gut laufe. "Andere Branchen haben da deutlich weniger Auswahlmöglichkeiten", so von Berg.
Es brauche laut von Berg mehr wirtschaftspolitische Planungssicherheit. Dann würde auch wieder mehr investiert in der Industrie. Laut ifo-Institut blicken die wenigsten Industriebetriebe optimistisch in die Zukunft. "Auf die neue Bundesregierung wartet viel Arbeit", sagt Studienautor Klaus Wohlrabe. Vieles bleibt also offen, bis eine neue Regierung feststeht.
Seit fast zehn Jahren verlieren die Anteile des Leverkusener Chemie- und Pharmariesen Bayer AG an Wert.26.04.2024 | 1:13 min
Quelle: dpa
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