Firma von DIHK-Chef kauft Flughafen Hahn

    Insolventer Airport :Firma von DIHK-Chef kauft Flughafen Hahn

    Christel Haas, Leiterin ZDF-Landesstudio Rheinland-Pfalz
    von Christel Haas
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    Die Hängepartie um den insolventen Flughafen Hahn im Hunsrück ist vorbei. Neuer Besitzer ist die Trierer Triwo AG des Unternehmers Peter Adrian. Er ist kein Unbekannter.

    Die Trierer Triwo AG übernimmt den Flughafen Hahn mitsamt Beschäftigten. 04.04.2023 | 1:44 min
    Es ist ein ganz normaler Tag am Flughafen Hahn: Passagiere geben ihre Gepäckstücke auf, Flugzeuge starten und landen. Und dennoch ist irgendetwas anders, beschwingter. Es ist wohl die Erleichterung, die in der Luft liegt: Erleichterung darüber, dass jetzt endlich Schluss ist mit der Ungewissheit, dass es endlich einen Käufer für den Flughafen gibt.
    "Wir sind sehr froh", sagt Ali Meta, der bei der Kofferabfertigung arbeitet. Am Flughafen seien sehr viele Menschen beschäftigt, viele hätten Kinder, manche ein Haus abzubezahlen.

    Wir sind sehr, sehr glücklich.

    Ali Meta

    Und auch Delia Stickel-Malik ist mit neuem Schwung bei ihrer Arbeit an der Sicherheitskontrolle: "Nach dieser langen Hängepartie sind wir sehr froh, dass es endlich so weit ist."

    Alle 400 Beschäftigten sollen übernommen werden

    Eineinhalb Jahre dauerte diese Hängepartie. Jetzt endlich ist ein neuer Besitzer gefunden: Peter Adrian, Chef des Unternehmens Triwo AG und gleichzeitig Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Die Firma kennt sich aus mit Flughäfen, zumindest mit kleinen. Sie betreibt mehrere Flugplätze, zum Beispiel in Egelsbach bei Frankfurt und in Oberpfaffenhofen bei München.
    "Ich freue mich, dass wir nach einem zum Teil steinigen Weg den Turnaround gemeinsam geschafft haben", teilt der Insolvenzverwalter Markus Plathner schriftlich mit. Über den Preis schweigen alle Beteiligten. Es dürften aber mehr als 20 Millionen Euro sein. Und: alle 400 Beschäftigten sollen übernommen werden.

    Eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen

    Die Geschichte des Hunsrück-Flughafens ist begleitet von Pleiten, Pech und Pannen. Der ehemalige US-Luftwaffenstützpunkt wird 1993 in einen zivilen Flughafen umgewandelt, verbunden mit großen Hoffnungen: Der Airport verfügt über eine Nachtfluggenehmigung und gilt aufgrund seiner Lage abseits der großen Ballungsgebiete als leicht erweiterbar. Die Zahl der Fluggäste steigt kontinuierlich, trotzdem macht der Flughafen Miese.
    2016 veräußert die rheinland-pfälzische Landesregierung ihren gut 80-prozentigen Anteil an unbekannte chinesische Investoren. Der Deal platzt, der chinesische Großkonzern HNA springt ein. In der Corona-Pandemie geht ihm das Geld aus, Hauptkunde Ryanair streicht zahlreiche Flüge, der Flughafen muss Konkurs anmelden.

    Hoffen auf die Triwo AG und schwarze Zahlen

    Dann neue Hoffnung während des Insolvenzverfahrens: Das neu gegründete Unternehmen Swift Conjoy wird als neuer Käufer vorgestellt. Doch die vereinbarte Kaufsumme wird nie gezahlt. Das Bieterverfahren wird neu eröffnet. Jetzt bringt sich der russische Betreiber des Nürburgrings ins Gespräch, er hinterlegt die Kaufsumme. Doch aus dem Geschäft wird nichts - die Gläubiger lehnen es ab.
    Jetzt richten sich also alle Hoffnungen auf die Triwo AG. Der Unternehmenschef lässt mitteilen, dass er gezielt in die Flughafeninfrastruktur investieren und das Passagier- und Frachtaufkommen steigern will.
    "Wir sehen den neuen Eigentümer positiv, Triwo ist in der Region ansässig und hat bereits gezeigt, dass es erfolgreich tätig sein kann," sagt der Anwalt des Betriebsrates am Flughafen Hahn, Georg Wohlleben. Wichtig sei aber auch, dass das Umfeld des Flughafens besser erschlossen werde.

    Es gibt riesige Flächen für mögliche Gewerbegebiete, das Potential ist nahezu unbegrenzt.

    Georg Wohlleben, Anwalt des Hahn-Betriebsrates

    Die Hängepartei um "den Hahn" ist zu Ende. Doch gewonnen ist damit noch nichts. Ob der Flughafen eine Zukunft hat und endlich in die schwarzen Zahlen fliegen kann, das liegt jetzt in den Händen des neuen Besitzers.

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