Frühjahrstagung: Weltbank und IWF vor Herausforderungen

    Tagung von Weltbank und IWF:Globale Akteure, multiple Herausforderungen

    SGS Berrett
    von Stephanie Barrett
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    Notenbanker, Finanzminister und -experten aus 180 Ländern kommen gerade in Washington zusammen, um Fragen der globalen Wirtschaft zu diskutieren. Die Themenliste wird immer länger.

    Der IWF warnt vor einer langen Krise der Weltwirtschaft. Das globale Wachstum werde sich verlangsamen, hierzulande dürfte die Wirtschaft sogar leicht schrumpfen. 12.04.2023 | 1:37 min
    Weniger als drei Prozent Wirtschaftswachstum in den nächsten fünf Jahren - so schwach fiel der Ausblick von IWF und Weltbank seit 30 Jahren nicht mehr aus. Neu ist, dass Indien und China für die Hälfte des gesamten für 2023 prognostizierten Wachstums stehen - in nahezu allen Industriestaaten verlangsamt sich das Wachstum dagegen.
    Kein Wunder, denn auf die Folgen von Corona-Pandemie und Energiekrise kommt seit einem Jahr die Zinswende on top. Steigende Zinsen sollen eigentlich die Wirtschaftstätigkeit bremsen, um die Inflation einzudämmen.

    Inflation eindämmen - aber um welchen Preis?

    Doch dies hat Nebenwirkungen: Nicht nur in der Architektur der westlichen Finanzmarktstabilität knirscht es, weil Anleihen an Wert verlieren und Vertrauen im Bankensektor beschädigt ist. Steigende Zinsen stellen auch Staatshaushalte in Industrie- und vor allem Schwellenländer vor Herausforderungen, weil Zinslasten für die Schulden steigen.
    In den USA ist die Inflation deutlich gesunken. Sind wir über dem Berg oder ist das zunächst nur ein Hoffnungsschimmer? ZDF-Börsenexpertin Sina Mainitz berichtet. 12.04.2023 | 1:08 min
    Darüber hinaus müssen Industrieländer künftig immense Kosten der Klimatransformation finanziell stemmen, während ärmere Staaten nach Corona-, Energie- und Nahrungsmittelkrise bereits in riesigen Schuldenbergen zu versinken drohen.
    Die erforderlichen Anpassungen an die Klimafolgen können sie ohne Unterstützung durch Weltbank und IWF nicht bewältigen. Für viele Staaten sind Rettungskredite des IWF schon jetzt der letzte Strohhalm.

    Lieber Hilfe vom IWF als von China

    Auch wenn man sich die strenge - und deshalb auch oft kritisierte Kontrolle des Internationalen Währungsfonds ins Land holt: mit zwei Prozent Zinsen ist die Hilfe deutlich günstiger zu haben als etwa chinesische Rettungskredite, die derzeit mit fünf Prozent Verzinsung zu Buche schlagen.
    Deshalb wird auch die drängende Schuldenproblematik in den Entwicklungs- und Schwellenländern ein inhaltlicher Schwerpunkt der Frühjahrstagung sein.
    60 Prozent der ärmsten Länder sind hoch verschuldet und haben Probleme, ihre Schulden zu bedienen.
    Wie etwa Argentinien, das ohne den Rettungsring des IWF zahlungsunfähig wäre. In dem südamerikanischen Land lag die Inflation in den letzten zwölf Monaten erstmals seit Jahrzehnten wieder bei mehr als 100 Prozent. Das heißt, der Preis für Güter hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Die Inflation dort ist damit höher als in fast allen Staaten der Welt. Nur in Venezuela und Simbabwe liegt die Teuerung noch höher.

    Schwaches Wirtschaftswachstum und hohe Staatsausgaben setzen Argentinien zu

    Gründe sind schwaches Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig stark wachsenden Staatsausgaben. In den letzten 15 Jahren seit der Finanzkrise ist die Argentinische Wirtschaft gerade mal um 12 Prozent gewachsen, die Staatsausgaben legten jedoch im gleichen Zeitraum um 40 Prozent zu.
    Dabei verfügt das Land über eine der weltweit größten Schiefergasreserven und große Mengen an Lithiumvorkommen.

    Forderung nach Reform der Weltbank

    Neben der Weltwirtschaft wird auch die Reform der Weltbank ein zentrales Thema sein, also der UN-Sonderorganisation, die mit ihren Entwicklungshilfekrediten Armuts- und Aufbauhilfe leistet.
    Sie soll ihr Geschäftsmodell ändern und künftig mit ihren Krediten auch Ziele von Klima- und Artenschutz unterstützen. Das fordern viele Geberländer, darunter auch Deutschland.

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