Reallöhne stärker gesunken als angenommen

    Statistisches Bundesamt:Reallöhne stärker gesunken als angenommen

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    Die Reallöhne sind noch spürbarer gesunken als bisher mitgeteilt. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte revidierte Werte. Auch die Inflation lässt die Kaufkraft schrumpfen.

    Illustration: Eine Person sitzt an ihrem Tisch und hält eine Geldbörse in den Händen
    Es handelt sich den Angaben zufolge um den stärksten Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008.
    Quelle: dpa

    Die Reallöhne der Arbeitnehmer in Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich stärker gesunken als bislang angenommen. Sie gaben um 4,0 Prozent im Vergleich zu 2021 nach, wie das Statistische Bundesamt am heutigen Donnerstag mitteilte.
    Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2008 und zugleich das dritte Minus in Folge. Bislang war nur von einem Minus von 3,1 Prozent ausgegangen worden. In den ersten beiden Jahren der Corona-Pandemie 2020 (-1,1 Prozent) und 2021 (-0,1 Prozent) hatte es weit geringere Einbußen gegeben.
    ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet in Frankfurt.
    Im Großhandel sinken der derzeit die Preise. Die Verbraucherpreise bleiben jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet in Frankfurt.17.04.2023 | 1:12 min

    Daten überarbeitet

    Grund für die deutliche Korrektur ist, dass die Berechnungsgrundlage auf das neue Basisjahr 2022 umgestellt wurde. Dadurch wurden zum Beispiel auch kleinere Betriebe erfasst und zusätzlich zu Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten auch alle weiteren Beschäftigungsarten wie Auszubildende und Altersteilzeitbeschäftigte abgebildet.
    Deshalb stiegen die Bruttomonatsverdienste von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einschließlich Sonderzahlungen im Schnitt nur um 2,6 Prozent. Nach dem alten Konzept hatte das Plus bei 3,5 Prozent gelegen.
    Inflation in Deutschland (inkl. Nahrung und Energie)
    ZDFheute Infografik
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    Die Statistiker erklärten:

    Während im Jahr 2020 insbesondere der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit zur negativen Nominal- und Reallohnentwicklung beigetragen hatte, zehrte 2021 und besonders 2022 die hohe Inflation das Nominallohnwachstum auf.

    Statistisches Bundesamt

    Die Verbraucherpreise stiegen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 6,9 Prozent und damit deutlich stärker als die Löhne.
    Mehr zum Wertverlust der Gehälter lesen Sie hier:

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    :Wie unser Gehalt 2022 an Wert verloren hat

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    von Kathrin Wolff
    Bayern, Neubiberg: Ein Kassierer scannt in einem Supermarkt an der Kasse die Produkte.
    Grafiken

    Hohe Inflation frisst Lohnplus auf

    Für das laufende Jahr rechnen viele Experten mit einem erneuten Rückgang der Reallöhne. Grund dafür ist die hartnäckig hohe Inflation, die das Lohnplus für viele Beschäftige erneut aufzehren dürfte.
    So geht die Bundesregierung für 2023 von einer Inflationsrate von 5,9 Prozent aus. Erst im kommenden Jahr dürften die Reallöhne wieder zulegen, da die Teuerungsrate dann auf 2,7 Prozent sinken soll. In vielen Branchen wurden bereits kräftige Lohnerhöhungen vereinbart, die über diesem Wert liegen.
    Quelle: Reuters, dpa

    Hintergründe zur Inflation