Wirtschaftsstandort: Deutschland ist unattraktiv geworden

    Interview

    Ökonom zu Viessmann-Deal:Deutschland "unattraktiver" für Unternehmen

    |

    Droht der deutschen Wirtschaft nach dem Wärmepumpen-Deal von Viessmann der Ausverkauf? Wirtschaftsprofessor Lars Feld sieht die Attraktivität des Standorts Deutschland in Gefahr.

    Lars Feld
    Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei unattraktiver geworden, sagt Ökonom Feld von der Uni Freiburg. 26.04.2023 | 14:24 min
    Nach dem Verkauf des hessischen Wärmepumpenherstellers Viessmann an den US-Konzern Carrier Global wächst die Sorge, wie es mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland weiter geht.
    Bei ZDFheute live erklärt Lars Feld, Professor für Wirtschaftspolitik und Ordnungsökonomik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Direktor des Walter-Eucken-Instituts, was sich ändern muss, um Deutschland wieder attraktiver für Unternehmen zu machen.
    Sehen Sie das ganze Interview oben im Video und lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Lars Feld ...

    ... zu den Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland

    "Ich sehe das Risiko, dass die energieintensive Wirtschaft abwandern könnte", sagt Feld. In ganz "unterschiedlichen Dimensionen" gebe es ein "Kostenproblem für die deutsche Wirtschaft." Insgesamt hätten sich die Rahmenbedingungen in Deutschland aufgrund einer intensiven Regulierung "klar verschlechtert".

    Diese Regulierungsdichte hemmt eben auch Innovation.

    Als Beispiel nennt Feld das Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech. Ihn habe es "schon sehr gewundert", dass es keinen Aufschrei gegeben hätte, als das Unternehmen verkündet hat, die "nächste Welle seiner Innovationstätigkeit in Großbritannien" zu realisieren.
    Den Ausschlag dazu habe die "hohe Regulierungsintensität" gegeben, sagt Feld. Dadurch sei der Wirtschaftsstandort Deutschland unattraktiver geworden.
    Valerie Haller
    Investoren aus Asien seien von den Wärmepumpen-Plänen von Wirtschaftsminister Habeck angelockt worden. Da könne nur mithalten, wer wirklich groß ist, erklärt Valerie Haller.26.04.2023 | 5:04 min

    ... zu den Gründen für die Abwanderung von Unternehmen aus Deutschland

    In Deutschland hätten Unternehmen nicht nur hohe Energiekosten, sondern auch relativ hohe Arbeits- und Lohnzusatzkosten. "Wir haben eine relativ hohe Steuerbelastung für Unternehmen, egal ob sie nun Kapitalgesellschaften oder Personengesellschaften sind", sagt Feld. Der Mangel an Fachkräften sei ein Thema, das sich angesichts der Demographie kaum lösen ließe.

    Wir haben weiterhin Schwierigkeiten mit diesem demographischen Übergang. Zuwanderung kann das nicht vollständig ersetzen, auch wenn wir jetzt eine liberalere Migrationspolitik haben sollten.

    Ein weiteres Thema sei die Infrastruktur, die in verschiedenen Dimensionen "deutlich schlechter" sei. Der Ausbau müsse vorangebracht werden. "Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, wie wir das seit einigen Jahren diskutieren - das ist vor allem eine Frage der Regulierung", so Feld.
    Dazu gehören laut Feld auch die "höheren Bürokratiekosten." Eine Ursache liege in "immer komplexeren Rechtssystemen." Unterschiedliche Rechtsbereiche "greifen häufig auch noch so ineinander, dass die Restriktionswirkung verstärkt wird".

    ... zu Lösungen, den Standort Deutschland attraktiver zu machen

    Feld findet: "Wir müssen dringend an diese unterschiedlichen Kostenblöcke ran und darüber nachdenken, wie wir hier bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen schaffen können." Bisherige Regulierung müssten auf den Prüfstand gestellt werden.
    Man müsse, so Feld, genauer fragen, was von den aktuellen Regulierungen nötig ist, wie Prioritäten gesetzt werden, um mehr Innovation und Investition stattfinden zu lassen.

    Verkauf an US-Konzern
    :Was Viessmanns Wärmepumpen-Deal bedeutet

    Wärmepumpen sind seit dem neuen Heizungsgesetz in aller Munde. Wieso verkauft Hersteller Viessmann die lukrative Sparte plötzlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Deal.
    von Stephanie Barrett
    Viessmann
    FAQ
    Quelle: ZDF

    Mehr zur Lage der deutschen Wirtschaft