China-Autobauer Xpeng launcht zwei E-Autos in Deutschland

    Chinesischer Autobauer:Xpeng launcht zwei Modelle in Deutschland

    von Frank Bethmann
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    Autoexperten sind skeptisch, halten das Start-up aber für höchst innovativ und führend bei einem neuen Produktionsverfahren. Volkswagen ist Kooperationspartner.

    Xpeng
    Der chinesischen Autobauer Xpeng strebt auf den deutschen Markt.
    Quelle: ZDF

    Immer mehr chinesische Autobauer kommen nach Deutschland. Während BYD, Chery oder Nio schon da sind, wagt nun auch die bisher kaum bekannte Marke Xpeng den Sprung auf den deutschen Markt.
    Unterschätzen aber sollte man das Start-up, das nach Einschätzung von Stefan Bratzel, Direktor des Centers of Automotive Management (CAM), technologisch stark ist und zu einem der interessantesten fünf Autoherstellern aus China zählt, nicht. "Und", so Ferdinand Dudenhöffer vom Bochumer Center Automotive Research (CAR), "Xpeng kommt nicht als Billigheimer nach Deutschland."
    Frank Bethmann
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    Xpeng startet hochpreisig in Deutschland

    Starten will man hierzulande mit einer Limousine, P7, und einem SUV, G9. Zwei E-Automodelle, groß, hochwertig verarbeitet, aber eben auch nicht für den kleinen Geldbeutel. Die Limousine wird geschätzt um die 50.000 Euro kosten.
    Der G9 dürfte eher darüber liegen, wird von Xpeng als die neue Generation von Elektroautos angepriesen. Der fast fünf Meter lange SUV soll vor allem zwei Dinge beherrschen: schnelles Laden und autonomes Fahren. So sollen die Fahrzeuge laut Xpeng in 15 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen können.
    Wichtiger aber noch: In China gilt der G9 als eines der Serienfahrzeuge mit der am weitesten entwickelten KI für autonomes Fahren.
    Elektroauto wird geladen
    Chinesische Elektroautos drängen auf europäischen Markt26.02.2024 | 3:40 min

    Xpeng mit innovativem Produktionsverfahren - Volkswagen beteiligt

    Besonderer Aufmerksamkeit kann sich Xpeng aber noch aus einem anderen Grund sicher sein: Erst kürzlich kaufte Volkswagen fünf Prozent des chinesischen Start-ups; will bis 2026 zwei gemeinsam entwickelte Elektroautos auf den Markt bringen. Doch nicht nur darum geht es. Viel wichtiger ist etwas Anderes.

    Xpeng ist stark beim Thema Infotainment im Auto, beim autonomen und teilautonomen Fahren und beim Aluminiumdruckguss.

    Ferdinand Dudenhöffer, Center Automative Research

    Dudenhöffer ist sich sicher, der Aluminiumdruckguss wird die Automobilwelt verändern. Dies ist ein Produktionsverfahren, durch das beispielsweise ermöglicht wird, ein Frontmodul für eine Rohkarosse in nur einem Arbeitsgang zu fertigen. "Stellen Sie es sich so vor wie Henry Ford, als er das Fließband eingeführt hat."
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    Künftig, sagt der Autofachmann, brauchen sie nicht mehr 40 bis 50 Roboter, die die Produktionsteile für eine Karosse zusammenbauen, das erledigt das neue Verfahren anders und schneller. "Dadurch können sie die Produktionskosten sehr stark senken."

    Volkswagen braucht Xpeng, Xpeng braucht Volkswagen

    "Für Volkswagen ist die Kooperation enorm wichtig", findet auch Bratzel. Der Konzern kämpfe in China gerade mit zahlreichen Problemen. Vor allem seine Entwicklungsgeschwindigkeit sei in der Vergangenheit zu langsam gewesen. Allerdings bleibt die Frage, so der Autoexperte kritisch, "wie viele der neuen Technologien von Xpeng VW nutzen kann und wie viel der chinesische Hersteller für sich behält".
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    Andererseits brauchen die Chinesen auch Volkswagen. Das junge und noch relativ kleine Unternehmen hat bisher die eigenen Wachstumsziele verfehlt und muss schneller wachsen. Dafür benötigt es Geld und das Knowhow eines Massenherstellers wie Volkswagen.
    Zudem ist der Konkurrenzkampf in China, dem größten und inzwischen wichtigsten Automarkt der Welt, hart, es gilt also neue Absatzregionen zu erschließen. Wie wichtig Deutschland dabei ist, machte der stellvertretende Vorsitzende von Xpeng, Brian Gu jüngst in München auf der IAA Mobilty deutlich:

    Unser Erfolg in Deutschland wird unseren Erfolg in Kontinentaleuropa bestimmen.

    Brian Gu, stellvertretender Vorsitzender von Xpeng

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    In China billige Marke für "junge Leute" angekündigt

    Doch glaubt man Dudenhöffer, wird das schwer. "Xpeng wird lange brauchen in Deutschland, denn sie machen Fehler." Autos verkaufen über den Aufbau eines traditionellen Händlernetzes sei "langweilig". Der Marke fehle die Emotion.
    "Und dann", so Dudenhöffer, "muss man gucken, ob der Zeitpunkt der richtige ist. Jetzt wo bei uns in Deutschland und Europa die Elektromobilität zusammenbricht, ein Elektroauto vorzustellen, ist schwierig. Nach meiner Einschätzung hat Xpeng keine vernünftige Marketingstrategie." Auch Bratzel ist skeptisch, dass man in Deutschland auf Anhieb erfolgreich sein wird.

    Die größte Chance hat Xpeng mit günstigen Fahrzeugen und guter Qualität.

    Stefan Bratzel, Center of Automotive Management

    Tatsächlich hat in China bereits ein Umdenken stattgefunden. Für kommenden Monat hat der ambitionierte Newcomer eine neue Marke für "junge Leute" angekündigt. Die Modelle sollen umgerechnet zwischen 13.000 Euro und 19.400 Euro kosten. Den deutschen Autofahrer aber will man erst einmal mit Premiummodellen überzeugen.

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