Anteilsverkauf an Schweizer MSC?:Hamburg-Deal - mit Folgen für deutsche Häfen
von Sven Rieken
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Schon lange wartet Hamburg mit dem drittgrößten Hafen Europas auf eine nationale Strategie. Die Hansestadt nimmt das nun selbst in die Hand - und anderen deutschen Häfen Chancen.
Die 49,9 Prozent-Beteiligung für die weltweit größte Reederei ist umstritten, die Hamburger Bürgerschaft gab heute aber ihr OK.10.07.2024 | 1:25 min
"Wir sind schon sehr enttäuscht!" Hamburgs SPD-Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard bringt es auf den Punkt: Hamburg fühlt sich im Stich gelassen. Schon seit Jahren wartet die Hansestadt auf eine nationale Hafenstrategie und auf einen spürbaren Rückenwind aus Berlin. Doch dort herrscht - um im Bilde zu bleiben - Flaute.
Die HHLA ist das Herz des Hamburger Hafens. Die Hamburger Hafen und Logistik AG ist für Dreiviertel des gesamten Warenumschlags in Deutschlands größtem Seehafen zuständig. Fast vier Millionen Standard-Container im Jahr.
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Hamburg verliert Fracht an Antwerpen und Rotterdam
Doch schon seit Jahren fällt der Hamburger Hafen im internationalen Wettbewerb deutlich zurück. "Zu wenig Geschwindigkeit, kaum Digitalisierung und hohe Arbeitskosten - die Reeder fordern hier schon lange deutliche Verbesserungen", erläutert Jan Linnemann. Er ist Experte für Seegüterfracht an der HSBA, der Hamburg School of Business Administration.
Der Hafen braucht dringend Investitionen in die Infrastruktur.
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Jan Linnemann, Hamburg School of Business Administration
"Die schon seit Jahren rückläufigen Umschlagzahlen zeigen, dass Hamburg immer mehr Fracht abgeben muss an Antwerpen und Rotterdam."
Hamburg fordert seit langem Hilfe vom Bund
Um gegen die beiden Hauptkonkurrenten in Belgien und den Niederlanden bestehen zu können, fordert Hamburg schon lange mehr Unterstützung vom Bund. Die nationale Hafenstrategie sollte die Kooperation aller deutschen Häfen stärken und damit auch den Wettbewerb.
"Wir erkennen an, dass der Bund vieles auf den Weg gebracht hat", erklärt Wirtschaftssenatorin Leonard gegenüber dem ZDF. "Aber wir mussten erkennen, dass wir selber handeln müssen."
Teilverkauf an Schweizer Reederei MSC
In langen und geheimen Verhandlungen hat die Stadt daher mit einigen Reedereien über einen Teilverkauf des städtischen Aktienpakets an der HHLA verhandelt. Wichtig war dem Senat, dass die Entscheidungsfreiheit bei der Stadt bleibt. Einzig die Schweizer Reederei MSC ist darauf eingegangen und übernimmt nun Aktien, die dem Unternehmen 49,9 Prozent an der Hafen-Holding bescheren.
Wir haben damit erstmals die Gelegenheit, direkt in die Infrastruktur des Hafens, vor allem in die Digitalisierung zu investieren.
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Melanie Leonard, Wirtschaftssenatorin
Dafür habe MSC zugesichert, mehr Fracht nach Hamburg zu holen und den Hafen stärker auszulasten.
Mehr Ladung für Hamburg, weniger für den Rest
Schifffahrtsexperte Jan Ninnemann sieht zwar auch den Vorteil für Hamburg, macht aber deutlich, dass MSC ein weltweit agierendes Wirtschaftsunternehmen ist. "Die beteiligen sich an vielen Häfen überall auf der Welt und schauen dann, wie die Entwicklung läuft. Zu befürchten ist, dass sie dann die Häfen auch gegeneinander ausspielen, um sich genügend günstige Umschlagplätze zu sichern."
Hamburg sichere sich also Umschlag, der in Bremerhaven oder Wilhelmshaven abgezogen wird, sagt der Experte. Es scheint, als hätten die Hanseaten ihre eigene nationale Strategie aufgemacht.
Die Mitarbeitenden der HHLA befürchten zudem, dass mit der Modernisierung auch die gut bezahlten Arbeitsplätze im Hafen weniger werden.
Das Deutsche Hafenmuseum soll am Beispiel des Hamburger Hafens die Bedeutung der deutschen Häfen in Geschichte und Gegenwart vermitteln.24.05.2024 | 6:59 min
Die Diskussion in Hamburg dreht sich dabei auch um die lange geheim gehaltenen Verhandlungen. Nicht mal die Vorstandsvorsitzende des Unternehmens war eingeweiht. Das bemängelt die Opposition im Hamburger Rathaus. Schließlich könne es nicht sein, so CDU-Fraktionschef Dennis Thering, dass "bei einer Aktiengesellschaft die Anteilseigner das Ruder übernehmen und der Vorstand nicht auf die Brücke kann".
Nationale Hafenstrategie mit Hamburgs Handschrift
Dass die Hamburger Bürgerschaft den Deal mit der Schweizer Reederei durchwinken wird, gilt als sicher. Spätestens in zweiter Lesung im September. Bis dahin hat vermutlich auch die EU-Kommission den Vorgang abschließend geprüft und Hamburg kann die Übernahme offiziell beantragen.
Diesen Kurs hat Hamburg ganz alleine eingeschlagen. Ohne Abstimmung mit Berlin. Die Hanseaten machen also keinen Hehl daraus, wer das Ruder in Sachen deutscher Hafenentwicklung in der Hand hat. Der ehemalige Steuermann aus Hamburg, Olaf Scholz oder einer seiner Minister, haben an Hamburgs MSC-Deal nichts auszusetzen. Deutschland nationale Hafenstrategie trägt mit der heutigen Entscheidung also deutlich eine hanseatische Handschrift.
Quelle: dpa
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