Strategien im Umgang mit Trump:Wie sich Europas Wirtschaft behaupten kann
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Zölle, Zölle, Zölle: Der Machtwechsel in Washington hat die EU-Wirtschaft tief verunsichert. Doch es gibt Strategien, wie Europa mit dem neuen US-Präsidenten umgehen kann.
US-Präsident Donald Trump hat schon an den ersten Tagen seiner Amtszeit mit zahlreichen Entscheidungen für Unruhe gesorgt - auch die EU blickt gebannt nach Washington.
Quelle: AP
Mit großem Unbehagen blickten die Europäer in den vergangenen Wochen in Richtung USA. Doch nun wird die Rhetorik kämpferischer, Europa erwacht aus der Agonie. Im Wesentlichen kristallisieren sich gerade für die Wirtschaft fünf Punkte heraus, die es für die EU im Umgang mit dem Protektionismus von US-Präsident Donald Trump zu beachten gilt.
1. Europäisches Selbstbewusstsein stärken
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) gab in ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum die Richtung vor: "Das Handelsvolumen zwischen uns beläuft sich auf 1,5 Billionen Euro, was 30 Prozent des Welthandels entspricht."
Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel.
Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin
Sie richtete damit ihr Augenmerk darauf, dass auch die USA etwas zu verlieren haben. Laut von der Leyen beschäftigen europäische Unternehmen 3,5 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner in den USA. Zusätzlich hingen weitere Millionen amerikanische Arbeitsplätze direkt vom Handel mit Europa ab. Zudem gebe es zahlreiche Kooperationen und Lieferketten.
Es ist ein klarer Hinweis an die Trump-Administration: In der globalen Wirtschaft geschieht nichts ohne Wechselwirkung. Dies gilt auch für Trumps Lieblingsthema Zölle. Dort ist die EU besser vorbereitet als angenommen. Sollte Trump ernst machen, werden Gegenzölle auf die wichtigen US-Agrargüter und Produkte von Firmen in republikanischen Wahlkreisen erwartet.
Ebenfalls vorgesehen: Aussetzen von US-Patenten, Ausschließen von US-Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen der EU, Digitalsteuern, die vor allem Google, Facebook und Co. treffen würden. Vielleicht hat der "Dealmaker" Trump auch deshalb bisher nicht wirklich konkret über Zölle für Europa gesprochen. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, glaubt:
Gegenzölle rufen in der US-Wirtschaft die gleichen Schmerzen hervor wie umgekehrt.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
2. Aufeinander zugehen
Gleichzeitig reicht Europa den USA die Hand. "Die EU sollte den USA Angebote zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit machen. Wir Europäer unterhalten mit den USA die größte bilaterale Handels- und Investitionsbeziehung der Welt, von der beide Seiten profitieren", sagt etwa Wolfgang Niedermark vom Bundesverband der Deutschen Industrie.
Heißt: Wir sind bereit, etwas gegen das große Handelsdefizit zu unternehmen, welches Trump am meisten stört. Doch ob ihn mehr Öl und Gas aus den USA wirklich besänftigen werden, ist völlig unklar.
3. Wirtschaftskraft verbessern
Trump wird wahrscheinlich versuchen, die EU weiter vor sich herzutreiben. Deshalb wird jetzt viel über Europas Stärken gesprochen. Der Präsident des Arbeitgeberverbands BDA, Rainer Dulger, drückt es so aus:
Wir müssen endlich unsere Hausaufgaben machen. Statt sich an Präsident Trump abzuarbeiten, müssen wir selbst besser werden.
Rainer Dulger, BDA
Trump akzeptiert nur Stärke, deshalb muss Europa resilienter werden, also: endlich ernsthafter Abbau von Bürokratie, schnellere Entscheidungen, Binnenmarkt stärken und Investitionen.
Die Ideen des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, dazu liegen auf dem Tisch. Er fordert massive Investitionen. Seine Vorschläge sind zwar teuer, aber das Geld wäre da. Denn Europa ist nach wie vor stark, hat einen Markt mit 450 Millionen Einwohnern, sechs der zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften stammen von hier.
Ulrich Kater sieht Europa auf Augenhöhe mit den USA - mit einem kleinen Unterschied: "Europa sollte sich mehr mit sich selbst beschäftigen statt mit den USA. Europa als Ganzes braucht sich vor den USA ökonomisch nicht zu verstecken. Die EU ist genauso ein wirtschaftlicher Supertanker wie die US-Volkswirtschaft, allerdings leider mit einer langsameren Geschwindigkeit", so der Chefvolkswirt der DekaBank. Genau da gilt es anzusetzen.
4. Neue Partner
Der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bertram Kawlath, sagt mit Blick auf Trump: "Die 'America first'-Politik des neuen Präsidenten erfordert eine geeinte EU, die im globalen Wettbewerb auch mit weniger Unterstützung der USA bestehen kann."
Gleichzeitig weist er auf einen anderen wichtigen Punkt hin, nämlich darauf, mehrgleisig zu fahren und sich neue Handelspartner zu suchen. In Südamerika war die EU im Dezember gerade erfolgreich beim Abschluss des Mercosur-Freihandelsabkommens, nun sollen möglichst bald Malaysia und Indien folgen.
5. Einheit Europas
Das Wichtigste aber ist die bereits so häufig beschworene Einheit. Europa darf sich nicht auseinanderdividieren lassen. Denn genau das versucht Trump mit seinem Bilateralismus. Doch wenn jeder nur noch einzeln das Beste für sich herausholen will, wird Trump am Ende auch der Sieger sein.
Die Lösung, ähnlich wie bei den Zöllen: Mit einer Stimme sprechen. Europa hat lange Zeit viel aufgeschoben. Jetzt gilt es, die neue Situation als Chance zu begreifen, um die Dinge anzupacken und Europa zu erneuern.
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