Das Gute zum Wochenende: Kaufnüchternheit statt Kaufrausch

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    Das Gute zum Wochenende:Kaufnüchternheit statt Kaufrausch

    Christian Dezer
    von Christian Dezer
    |
    ZDFheute Good News

    Guten Morgen,

    große Herausforderungen bieten auch viele Chancen und Optionen, Altes zu lassen und etwas Neues zu wagen. Schauen wir auf die große Herausforderung dieser Woche: Wie bekommt man den Weltrettungsgipfel in Sharm el Sheikh, "Black Friday", "Cyber Monday" und noch etwas Besinnung zum ersten Advent eigentlich zusammen? Mehr Widersprüchlichkeit geht kaum. Aber es geht. Denn einige Unternehmen kehren den Tag einfach um, machen ihn zum "Kauf-Nix-Tag". Manche schließen ihre Geschäfte oder bieten die Reparatur ihrer Artikel an, verweisen auf Tausch- und Gebrauchtplattformen statt auf eigene Kaufangebote und spenden einen Teil der Gewinne für soziale Projekte. Also Kaufnüchternheit statt Kaufrausch.
    Genauer hinschauen hilft auch: Das raten zumindest die Verbraucherverbände, die errechnet haben, dass die meisten Rabatte und Sonderangebote am "schwarzen Freitag" viel geringer sind als die Werbung verspricht. Also lieber klug einkaufen als billig.
    Und wenn schon shoppen, warum dann nicht nach dem Motto: "shopping for a better world"? Also: regional, nachhaltig, menschenwürdig und umweltfreundlich. Ein Gedanke, der prima zum ersten Advent passt - einem Tag der Besinnlichkeit. Wer gern beim flackernden Schein das Jahr reflektieren möchte, kann zur nachhaltigen, statt zur herkömmlich produzierten Kerze greifen. Denn leider werden die allermeisten Kerzen immer noch aus Erdöl, Palmöl oder aus tierischen Fetten hergestellt. Bei zwei bis drei Kilo Wachs, das jeder Haushalt im Jahr abbrennt, kommt da einiges an Umweltbelastung zusammen. Und das, obwohl Alternativen längst auf dem Markt sind. Kerzen aus nachhaltigem Soja- und Rapsöl, oder aus alten, wieder eingeschmolzenen Wachsresten und Teelichter ohne Alu-Schale. Denn für den Aluminiumrohstoff werden Regenwälder abgeholzt.
    Ein besonderes Kerzenprojekt namens "bright endeavors" kommt aus den USA. Hier ist die Kerzenherstellung eher ein Nebenaspekt, vielmehr stehen junge Mütter im Alter von 18-24 Jahren, meist mit schlechten Berufsaussichten, im Fokus. Die Frauen werden über zwei Jahre betreut, lernen Produktionsabläufe und Arbeitsstrukturen und erhöhen so ihre Chancen auf einen neuen Job. Die Kerze als Hoffnungsschimmer und Integrationssymbol.
    Manchmal klingen die Antworten auf große Herausforderungen klein und banal, und doch kann die Summe der Lösungen eine enorme Wirkung haben.
    Noch mehr nachhaltige Ideen zu Weihnachten zeigt "plan b" im Film:

    Gesellschaft | plan b
    :Es weihnachtet grün

    Knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume werden in Deutschland jedes Jahr verkauft, die meisten kommen von Plantagen und sind mit Pestiziden besprüht – "Bio-Bäume" sind die Ausnahme.
    von Alexa Schulz und Yves Schurzmann
    ZDF Logo
    30:12 min
    Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und viel Spaß beim Weiterlesen.  
    Ihr Christian Dezer, Redaktionsleiter plan b  

    Was noch gut war diese Woche

    Sensor warnt vor Flusshochwasser: Forschende der Universität Bonn haben ein Verfahren entwickelt, um den Wasserstand von Flüssen rund um die Uhr überwachen zu können. Der spezielle Sensor eignet sich für flächendeckende Hochwasserwarnsysteme, ist aber derzeit nur für Flussläufe mit einer Breite von 40 Metern geeignet. An einer Version auch für kleinere Flüsse, wie die Ahr, wird bereits gearbeitet. Das Projekt ist "Open Source", d.h., die Software kann jeder kostenlos nutzen und so das Messgerät problemlos nachbauen.
    Spracherkennung kann Schiffsunfälle verhindern: Neunzig Prozent aller Unfälle auf See sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie hat zusammen mit Partnern ein automatisches Sprachmonitoring für Befehle auf der Schiffsbrücke entwickelt. Dabei kann nun überwacht werden, ob erteilte Befehle eindeutig sind, bestätigt und korrekt ausgeführt werden. Eine der größten Herausforderungen war die Erkennung von vielfältigen Variationen und Akzenten der englischen Sprache, die Standard in der Seefahrt ist.
    Verlust von Mangrovenwäldern verlangsamt: Jahrzehntelang wurden Mangrovenwälder mit einer rasenden Geschwindigkeit zerstört und vernichtet. Neue Auswertungen geben jetzt Hoffnung, dass es diesen, für den Klimawandel und Küstenschutz so wichtige Baumarten, besser geht. 42 Prozent der Mangrovenwälder stehen mittlerweile unter Schutz und auch engagierte Wiederaufforstungsprogramme zeigen Erfolge. Die Küstenbäume sind wichtige CO2-Speicher.
    Mangrovenbaum, teils über, teils unter der Wasserlinie
    Quelle: ZDF/Oliver Roetz

    Ihre Portion Konstruktives am Wochenende

    Der Schmuckbranche werden trotz Inflation für dieses Jahr gute Umsätze prognostiziert. Sollten Sie zu Weihnachten an ein besonders Stück aus Gold und Glitzer denken, dann können Sie in unserer gleichnamigen plan b-Dokumentation einige Menschen kennenlernen, die ganz besonders Wert auf andere Werte legen.

    Gesellschaft | plan b
    :Gold und Glitzer

    Ein besonderes Schmuckstück lässt Augen funkeln. Doch die Herstellung ist ein meist umweltschädliches und menschenunwürdiges Geschäft.
    Ring mit synthetischem Diamant

    Was diese Woche die Nachrichten sonst bestimmte

    Das Blatt wendet sich im Ukraine-Krieg: Russlands ursprüngliche militärische Pläne sind fast vollständig gescheitert. Die unterschätzte Ukraine befreit immer mehr Gebiete, doch die Zivilbevölkerung leidet extrem.
    Diskussion um die "One Love"-Binde: Kapitän Manuel Neuer läuft bei der WM in Katar doch nicht mit der "One-Love"-Kapitänsbinde auf - das Einknicken des DFB wurde heftig kritisiert.
    Bürgergeld endgültig beschlossen: Im kommenden Jahr wird in Deutschland das Bürgergeld eingeführt. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat dem ausgehandelten Kompromiss zugestimmt. Das Hartz-IV-System wird damit ab 2023 abgelöst.
    Trumps Steuererklärungen kommen ans Licht: Jahrelang hat sich Donald Trump gegen die Herausgabe seiner Steuererklärungen gewehrt. Der Oberste Gerichtshof hat seinen Antrag abgelehnt.
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    Zusammengestellt von Christian Dezer und Jan Schneider.