Fußballmoderator: BBC-Kulturkampf auf dem Rücken Linekers

    Lineker-Tweet: Streit eskaliert:Wie die BBC sich mal wieder selbst zerlegt

    Yacin Hehrlein
    von Yacin Hehrlein
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    Weil er die britische Asylpolitik kritisierte, hat die BBC Fußball-Ikone Lineker als Moderator suspendiert. Sport-Kollegen erklären sich nun solidarisch. Was ist los bei der BBC?

    Der ehemalige Fußball-Star Gary Lineker wurde als Moderator bei der BBC suspendiert. Grund war ein sehr kritischer Tweet gegenüber der britischen Asylpolitik.11.03.2023 | 2:49 min
    Gary Lineker hat im Grunde alles, was man sich für einen Sportmoderatoren nur wünschen kann. Er ist eine echte Fußballlegende. Er kann gut reden, sieht gut aus, hat Charme und Witz und ein für seine 62 Jahre immer noch wunderbar bübisches Grinsen.
    Lineker hat aber auch etwas, von dem sich sein Arbeitgeber BBC wohl wünscht, er hätte es besser nicht: Einen eigenen Kopf.

    Fußball-Held sorgt in sozialen Medien für Aufsehen

    Bereits mehrfach hat der 80-fache Nationalspieler, der seit den späten 90er Jahren die ikonische Fußballsendung Match of the Day der BBC moderiert, mit Meinungsäußerungen in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Und zwar mit Meinungen, die eher dem linksliberalen Spektrum zuzuordnen sind, zum Beispiel gegen den Brexit und die Einwanderungspolitik der Regierung.
    So geschehen auch Anfang dieser Woche, als die britische Regierung ein neues Gesetz vorstellte zur Bekämpfung illegaler Einwanderung mittels kleiner Boote, die über den Ärmelkanal kommen. Zur Abschreckung sollen den Asylsuchenden bei Ankunft auf der Insel jegliche Rechte entzogen werden.
    Diese Worte der Innenministerin kritisierte Lineker
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    Lineker kommentierte dies unter anderem mit der Aussage, die Sprache, mit der die konservative Regierung für die Gesetzgebung werbe, sei der im "Deutschland der 1930er Jahre nicht unähnlich“. Er bezog sich dabei auf Begriffe wie "Invasion" und "Flüchtlingsschwärme", die angesichts von rund 45.000 Bootsflüchtlingen im letzten Jahr und den deutlich höheren Flüchtlingszahlen in einigen kontinentaleuropäischen Länder fehl am Platze erscheinen.
    Die britische Regierung plant ein Gesetz, das vorsieht, dass Migranten, die mit Booten illegal über den Ärmelkanal einreisen, keine Asylanträge stellen können.08.03.2023 | 2:34 min
    Nun sind Vergleiche mit Nazideutschland immer ein schwieriges Feld. Lineker hatte allerdings keineswegs die Politik der britischen Regierung mit der des Dritten Reiches verglichen, sondern lediglich den Sprachgebrauch. Eine Feinheit, die im allgemeinen Wett-Entrüstungsschreien im Netz jedoch auch mal leicht verloren geht.
    Linekers Vergleich mit der Nazi-Sprache
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    Am Freitagabend dann entschied die BBC, Lineker vorübergehend zu suspendieren, bis man sich über den Umgang mit seinen Aktivitäten im Netz geeinigt habe. Als Sportkommentator unterliegt dieser allerdings nicht der gleichen Neutralitätspflicht wie BBC-Angestellte aus dem Nachrichtenbereich. Zudem hatte sich Alan Sugar, der Moderator der ebenfalls sehr bekannten BBC-Sendung The Apprentice, jüngst ebenfalls politisch geäußert – und zwar gegen den Führer einer sich im Streik befindenden Gewerkschaft und damit implizit pro-Regierung.

    Ist die BBC zu linkslastig?

    Die BBC muss sich daher des Vorwurfs erwehren, dass hier mit zweierlei Maß gemessen werde und der öffentlich-rechtliche Sender sich dem Druck der konservativen Regierungspartei beuge. Tatsächlich hatte die 100 Jahre alte Institution zuletzt einen schweren Stand gegen die Tories, die ihr unterstellen, grundsätzlich politisch linkslastig zu sein und immer wieder mit der Abschaffung der Gebührenfinanzierung drohen.
    Pikant ist in diesem Zusammenhang auch die noch nicht abschließend geklärte Auseinandersetzung um den Vorsitzenden der BBC Richard Sharp. Ihm wird vorgeworfen, dem damaligen Premierminister Boris Johnson bei der Vermittlung eines 800.000 Pfund Darlehens geholfen zu haben. Und zwar bevor ihm der prestige- und einflussreiche Posten zuteil wurde.

    Moderatoren-Kollegen erklären sich solidarisch

    Gary Lineker hält sich unterdessen bedeckt, macht aber auch keinerlei Anzeichen einzulenken. Den Rest erledigen seine Sportsfreunde. Die überwiegende Mehrheit des englischen Fußball-Zirkus' erklärt sich mit Lineker solidarisch. Prominente Experten wie Alan Shearer und Ian Wright, die gewöhnlich mit Lineker im Studio sitzen, erklärten, dass sie dann auch nicht an der Sendung teilnehmen werden.
    Lineker-Kollege Wright erklärt sich solidarisch
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    Der Wunsch der BBC, sich mit ihrem Starkommentator über seine Twitter-Tätigkeit auseinanderzusetzen, erscheint durchaus verständlich und nachvollziehbar. Nicht abzusehen, welche Folgen eine Suspendierung ihres berühmten Mitarbeiters nach sich ziehen könnte, ist jedoch ein unverständlicher und nicht nachvollziehbarer Fehler.
    Die Folge ist ein weiterer Gesichtsverlust der Rundfunkanstalt und die Peinlichkeit an diesem Samstagabend Premier League-Fußball ohne Moderator und Experten zu senden. Wenigstens wird es wahrscheinlich gute Einschaltquoten geben. Denn wie das funktionieren soll, möchte man sich aus purer Neugierde dann doch gerne mal anschauen.

    Nach Tweet zu Migrationspolitik
    :Gary Lineker muss vorerst bei BBC aussetzen

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    Yacin Hehrlein ist Korrespondent im ZDF-Studio London.

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