Glücksfall für Forschung: Mehr Meteoriten in Elmshorn

    Forschung begeistert:Mehr Meteoriten in Elmshorn gefunden

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    Forscher sprechen von einem großen Glücksfall, dass der Meteorit von Elmshorn so schnell sichergestellt werden konnte. Und es wurden noch weitere Fundstücke in der Stadt entdeckt.

    Ein kleiner niedergegangener Meteorit
    Elmshorner Meteorit: Von dem schnellen Fund verspricht sich die Wissenschaft viele Daten
    Quelle: dpa

    Nach dem Einschlag eines etwa Tennisball großen Meteoriten in einem Wohnhaus im schleswig-holsteinischen Elmshorn sind weitere Meteoriten entdeckt worden. Insgesamt seien etwa vier Kilogramm Gestein gefunden worden, sagte Dieter Heinlein, Meteoriten-Experte beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR). Das größte Objekt wiege etwa 3,5 Kilogramm.

    Meteorit ein Glücksfall für die Forschung

    Es sei sensationell, dass der Meteorit, der in das Dach eines Hauses eingeschlagen sei, sofort gesichert und gemeldet worden sei, sagte Heinlein. Er könne zügig untersucht und es könnten auch die kurzlebigen Radioisotope noch gemessen werden, erklärte der DLR-Experte. Er sprach von einem sehr großen Glücksfall.
    Bei dem Einschlag wurde niemand verletzt. Der Fund sei nach Dresden geschickt worden, wo in einem Speziallabor die Restradioaktivität des Meteoriten gemessen werde. "Sie ist extrem schwach, mit einem Geigerzähler überhaupt nicht zu detektieren" sagte Heinlein.

    Aber sie ist so interessant, weil so festgestellt werden kann, welche verschiedenen Radioisotope im Weltraum entstanden sind.

    Dieter Henlein, Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum

    Es gebe einige, die innerhalb von Wochen beziehungsweise Tagen zerfallen, "so dass man das möglichst rasch machen wollte".

    Meteorit rast auf die Erde zu
    Quelle: ZDF

    Gesteinsbrocken aus dem All, die die Erdatmosphäre durchdrungen haben und auf der Erdoberfläche aufgeschlagen sind, nennt man Meteoriten. Als Asteroiden bezeichnet man die entsprechenden Himmelsobjekte, sofern sie eine gewisse Größe erreichen. Die meisten Asteroiden kreisen im sogenannten Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter um unser Zentralgestirn. Sie sind kosmischer Schutt – Überreste aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Durch Kollisionen, die einzelne Brocken aus der Bahn schleudern, kann sich die Bahn eines Asteroiden so verändern, dass er in Erdnähe gelangt. Durchschnittlich einmal pro Jahr stürzt ein Brocken von der Größe eines Kleinwagens auf die Erde und verglüht in der Atmosphäre. Etwa alle 1000 Jahre fällt ein Asteroid so groß wie die Freiheitsstatue auf die Erde. Er kann weite Regionen verwüsten oder einen Tsunami von globalem Ausmaß verursachen. Alle 100 Millionen Jahre kommt es – rein statistisch – zu einer Kollision mit einer kosmischen Bombe, die so groß wie das Matterhorn ist. Ein Einschlag dieser Dimension könnte das Ende der Menschheit bedeuten.

    Ergebnisse werden den Angaben zufolge voraussichtlich erst in einigen Wochen vorliegen. Er sei schon sehr gespannt auf das Ergebnis der Untersuchung, sagte Hausbesitzer Wilfried Labusch. Der Gesteinsbrocken aus dem All wird auf jeden Fall Eigentum seiner Familie bleiben.

    Bis wir ihn zurückbekommen, überlegen wir uns schon mal ein schönes Plätzchen, um ihn gebührend auszustellen.

    Wilfried Labusch, Hausbesitzer

    Noch weitere Grundstücke getroffen

    Der Meteorit, der bei Labuschs das Dach durchschlagen hat, ist nicht der Einzige, der in der vergangenen Woche über Elmshorn niederging. So sei ein weiteres Haus getroffen worden, sagte Heinlein. Dieser Meteorit ist allerdings in mehrere Fragmente zerplatzt, die ebenfalls sichergestellt wurden.

    Einschlag in Elmshorn
    :Wie oft treffen Meteoriten Häuser?

    So groß wie ein Tennisball: Ein Meteorit hat in Elmshorn das Dach eines Hauses durchschlagen. Ein Experte ordnet ein, wie häufig ein solches Ereignis ist.
    von Laura Roban und Anna Grösch
    Schleswig-Holstein, Elmshorn: Ein Hausbesitzer hält vor seinem Haus einen kleinen Meteoriten, der niedergegangen ist.
    FAQ
    Eines der Fragmente ist nach Angaben Heinleins an das Institut für Planetologie nach Münster geschickt worden. Dieses ist auf die Identifizierung von Steinmeteoriten spezialisiert. Erste Ergebnisse könnten schon kommende Woche vorliegen, sagte Heinlein. Darüber hinaus gebe es einen weiteren Treffer in einem Gartengrundstück. "Dieses Objekt ist einige Kilogramm schwer."
    Die Gartenbesitzer wollten möglichst wenig Öffentlichkeit, daher lasse man die Eigentümer den Fund dieses Steins in Ruhe genießen. Dieser Fund wiegt den Angaben zufolge rund 3,5 Kilogramm. Da er zu dem Meteoritenfall von vergangener Woche gehöre, werde er für die Untersuchungen nicht gebraucht.
    Meteoriten gehen öfter über Deutschland nieder, als man glaubt. Nur die wenigsten Himmelssteine werden gefunden. Dabei können die Feuerkugeln viel über die Erdgeschichte erzählen.12.12.2021 | 28:50 min

    Aus Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter

    Er gehe davon aus, dass die Gesteinsbrocken, die über Elmshorn niedergingen, aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stammen. Alle bekannten Meteoriten, deren Bahnen man berechnen konnte, konnten auf diesen Asteroidengürtel zurückverfolgt werden, wie Heinlein sagte.
    Trifft ein Asteroid auf die Lufthülle der Erde, zerfällt er oft in viele kleine Stücke. Manche davon verglühen, andere landen auf der Erde. Diese Brocken nennt man Meteoriten. Einschläge sind nach DLR-Angaben sehr selten.
    Quelle: dpa

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