Könnte sich das Magnetfeld der Erde bald umkehren?

    Polumkehr "längst überfällig":Könnte sich unser Magnetfeld bald umkehren?

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    Anders als die geographischen Pole der Erde können sich die magnetischen Pole bewegen - und auch umkehren. Forschern zufolge gibt es dafür erste Anzeichen. Doch mit welchen Folgen?

    Polarlichter am Himmel über Sachsen-Anhalt, aufgenommen am 27.02.2023
    Sonnenstürme sind nicht nur für faszinierende Polarlichter verantwortlich. Sie können in unserer hochtechnologisierten Welt auch erhebliche Schäden anrichten.
    Quelle: dpa

    Die Erde hat zwei Schutzschilde, die sie vor Gefahren aus dem All abschirmt - die Atmosphäre und ein Magnetfeld. Wären beide weg, würde es auf dem Blauen Planeten kein Leben mehr geben. Das Interessante ist: Bei dem teils gigantischen Magnetfeld ist gerade vieles in Bewegung.

    Könnten sich die magnetischen Pole der Erde bald umdrehen?

    Zuletzt wurde in der Forschung immer wieder spekuliert, ob sich die magnetischen Pole der Erde langfristig umkehren und das Feld schwächen könnten. Doch wie wahrscheinlich ist das, und was würde das bedeuten?
    Das Magnetfeld der Erde schützt unseren Planeten vor kosmischer Strahlung und geladenen Teilchen der Sonne. Die europäische Raumfahrtbehörde Esa beschreibt es als komplexe und dynamische Kraft. Dabei herrscht reichlich Chaos, schätzt Jürgen Matzka, Experte für Geomagnetismus vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.

    Wir gehen davon aus, dass das Erdmagnetfeld ein relativ chaotischer Prozess ist.

    Jürgen Matzka, GFZ

    Magnetfeld schützt vor Sonnenstürmen

    Besonders viele geladene Teilchen der Sonne kommen bei Sonnenstürmen Richtung Erde. Diese Sonnenstürme sind hier nicht nur für faszinierende Polarlichter verantwortlich, wie sie gerade erst über Deutschland auftraten:
    Sie können in unserer hochtechnologisierten Welt auch erhebliche Schäden anrichten und insbesondere Satelliten stören. Dabei rasen hochenergetische Teilchen und eine Plasmawolke vom Stern im Zentrum des Sonnensystems binnen kurzer Zeit die rund 150 Millionen Kilometer zu unserem Heimatplaneten.

    Experte: Polumkehr überfällig

    Anders als die geografischen sind die magnetischen Pole der Erde keineswegs starr. Sie können sich auch umkehren. Statistisch gesehen ist der immer wiederkehrende Prozess der Polumkehr Matzka zufolge längst überfällig. "Die letzte Polumkehr, die ist ziemlich lange her, 780.000 Jahre ungefähr."
    Das sei länger als der langfristige Durchschnitt von 300.000 bis 500.000 Jahren. Allerdings gebe es auch Phasen, bei denen es über Millionen Jahre keine Umkehr gegeben habe.
    Fakt ist laut Matzka:

    Wir wissen seit 1840, dass die Magnetfeldstärke insgesamt abnimmt.

    Jürgen Matzka, GFZ

    Warum wird das Magnetfeld der Erde derzeit schwächer?

    Das liege vor allem daran, dass das Feld auf der Südhalbkugel im Bereich Südafrika, Südatlantik und Südamerika besonders stark abnehme. Im Südatlantik sei es um rund 30 Prozent schwächer, als es zu erwarten wäre. In Europa dagegen nehme es wieder zu.
    "Wir haben zum Teil sehr gute Rekonstruktionen des Erdmagnetfeldes in die Vergangenheit hinein, und da sieht man immer wieder, dass sich die Stärke des Feldes sehr oft und sehr stark ändert, oder, dass es zu einer Polumkehr kommt", sagt Matzka. Aber: "Ich würde es jetzt aus der Sachlage heraus nicht so sehen, dass wir Hinweise auf eine Umkehr haben."

    Erste Polumkehr der modernen Menschheit

    Die Schwächen auf der Südhalbkugel aber könnten Anfangsfaktoren für eine Umkehr sein. Was würde das mit uns Menschen machen? Nun, bei der letzten Feldumkehr gab es noch keine modernen Menschen auf der Erde. Deshalb fehlen auch Aufzeichnungen davon.
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    Ohne das schützende Magnetfeld der Erde sind Körper im Weltall kosmischer Strahlung ausgesetzt:
    Einige mögliche Anhaltspunkte gibt es aber trotzdem: Matzka zufolge geben ozeanische Sedimentbohrkerne möglicherweise Aufschlüsse. Hinweise, dass eine Polumkehr Einfluss auf die Evolution oder ein Artensterben nehmen kann, gab es immer wieder. So enden genau an den Stellen der Bohrkerne, an denen eine Feldumkehr nachgewiesen wurde, Funde bestimmter Fossilien. Die meisten Ergebnisse zeigen aber einen eher geringen Einfluss, entwarnt Matzka.

    Esa: Sonnenaktivität nimmt zu

    Die Aktivität der Sonne nimmt in ihrem rund elf Jahre dauernden Zyklus derzeit wieder zu. Mit dem Maximum muss 2025 gerechnet werden, erlärt die Koordinatorin der Weltraumwettermission beim Esa-Standort in Darmstadt, Melanie Heil. Die Abschwächung des Magnetfeldes sei allerdings nicht so stark, dass ein merklicher Effekt auf die Auswirkungen von Sonnenstürmen zu erwarten sei.
    Quelle: dpa
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