75 Jahre Staatsgründung Israel: Ein Fest der Generationen

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    75 Jahre Staatsgründung Israels:Wo Familiengeschichte Landesgeschichte ist

    von Kathrin Eger
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    Im Jahr 1948 wurde der Staat Israel gegründet, am 26. April feiert das Land 75 Jahre Unabhängigkeit. Für viele Familien ein Grund für eine Reise in die eigene Geschichte.

    Am 75. Unabhängigkeitstag in Israel gehen die Menschen auf die Straße gegen die geplante Justizreform der Regierung, Tel Aviv, 25.04.2024.
    Israel feiert in diesen Tagen den 75. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Die Jubiläumsfeiern werden überschattet vom erbitterten Streit um eine Justizreform, die Gegner als Gefahr für die Demokratie ablehnen. 26.04.2023 | 2:38 min
    Es ist ein Treffen der Generationen an diesem 75. israelischen Unabhängigkeitstag. Die 21-jährige Offizierin Rina Barth ist bei der zentralen Militärparade in Jerusalem eine der Fahnenträgerinnen. Und ihr Opa kommt sie dafür extra aus der Schweiz besuchen.
    Jack Dimenstein hat den Holocaust überlebt. Dass er hier ist, macht sie Stolz. "Damals war niemand für meinen Opa und andere Juden da." Dass sei im heutigen Israel anders, erklärt Rina, die wie fast alle Israelinnen ein paar Jahre in der Armee dient.

    Familienbegegnung: Holocaust-Überlebender trifft Offizierin

    Als Rina neun Jahre alt war, wanderten ihre Eltern mit ihr nach Israel aus. Nun sorgt sie für die militärischen Schutz israelischer Bürger. "Jeder sollte sich selbst beschützen können und wir garantieren das."
    Offizierin Rina Barth als Fahnenträgerin bei den Proben für die Militärparade zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Israels.
    Rina Barth ist als Fahnenträgerin bei der Unabhängigkeitsfeier dabei.
    Quelle: IDF Spox

    In der israelischen Kleinstadt Herzlia tauschen sich die beiden über das Wunder aus, den 75. Unabhängigkeitstag Israels gemeinsam verbringen zu können. Während des Zweiten Weltkriegs gelingt dem damals siebenjährigen Jack die Flucht aus Frankreich über Marokko in die Vereinigten Staaten.
    Dort beginnt er ein neues und erfülltes Leben. Als Jugendlicher in New York verfolgt er 1948 die Verkündung der Unabhängigkeit Israels:

    Das war ein Moment, von dem ich nicht einmal hätte träumen können.

    Jack Dimenstein, Holocaust-Überlebender

    Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 gegründet - nach dem gregorianischen Kalender, der in den meisten Ländern der Erde gilt; auch in Deutschland.
    Die Israelis feiern Ihren Unabhängigkeitstag jedoch nach dem jüdischen Kalender. Nach diesem Kalender proklamierte der erste Premierminister Israels, David Ben Gurion, am 5. Tag des 8. Monats (Ijjar) die Unabhängigkeit des Landes. Somit fällt der 75. Jahrestag der Staatsgründung auf den 26. April 2023 der westlichen Zeitrechnung.

    "Nie geglaubt, dass Israel so alt werden könnte"

    Am Abend des 25. April beginnt das Fest der Unabhängigkeit. "Ich bin viel jünger als 75 und kann mir diese Zahl deshalb nicht richtig vorstellen," sagt Rina.

    Doch es ist eine enorme Zahl und wir haben nie geglaubt, dass Israel so alt werden könnte.

    Rina Barth, Offizierin israelische Armee

    Im ganzen Land feiern die Menschen bis in die Nacht mit traditionellem israelischem Essen, Konzerten und Feuerwerk.

    Erinnerung an die Shoa in allen Generationen lebendig

    Aber auch das innere Gedenken an die Geschichte Israels ist mit diesem Tag verbunden. Die Erfahrung der Shoa, des Massenmords an den Juden Europas, ist in Israel in jeder Generation lebendig.
    Offizierin Rina Barth mit Großvater Jack Dimenstein, Holocaust-Überlebender, bei den Proben für die Militärparade zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Israels.
    Großvater Jack Dimenstein mit Enkelin Rina bei den Proben für Israels Unabhängigkeitsfeier.
    Quelle: IDF Spox

    Die Geschichten des Holocausts dürfen wir nie vergessen.

    Rina Barth, Enkelin von Jack Dimenstein

    "Denn sie zeigen uns, dass so etwas niemals wieder passieren darf", findet die Enkelin.
    Dass sie das besondere Jubiläum zusammen mit ihrem Großvater in Israel feiern kann, empfindet sie als seltenes Glück. Und Opa Jack kann es kaum erwarten, seine Enkelin bei der Parade im Fernsehen zu sehen.

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