Klon-Technologie: Tasmanischer Tiger vor Comeback?

    Ausgestorbene Spezies:DNA-Technik: Tasmanischer Tiger vor Comeback?

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    Eigentlich ist der Tasmanische Tiger schon lange ausgestorben. Nun wollen Forscher in Australien die Spezies mitilfe einer Maus wiederbeleben.

    Archivfoto eines Tasmanischen Tigers in Gefangenschaft von 1930
    Archivfoto eines Tasmanischen Tigers in Gefangenschaft von 1930
    Quelle: dpa

    Das hundeartige Wesen läuft in seinem kleinen Käfig nervös auf und ab. Den hinteren Teil des Rückens zieren lange, dunkle Streifen. Die lange Schnauze beschnüffelt einen Mann, der vor dem engmaschigen Zaun steht. Das Schwarz-Weiß-Video von 1935 zeigt "Benjamin", den letzten bekannten Tasmanischen Tiger.
    "Durch den Vormarsch der Zivilisation wurde er aus seinem natürlichen Lebensraum vertrieben", erzählt ein Sprecher. Nur ein Jahr später stirbt das ungewöhnliche Tier im Beaumaris Zoo in Tasmaniens Hauptstadt Hobart. Seit Jahrzehnten gilt die auch als "Beutelwolf" bekannte und nur in Australien heimisch gewesene Art offiziell als ausgestorben. Doch Forscher halten es nun für möglich, den Tasmanischen Tiger (Thylacinus cynocephalus) wieder zum Leben zu erwecken.

    Tiger-Erbgut soll für Wiederbelebung sorgen

    "Vor 15 Jahren war die Idee, das Tier tatsächlich zurückzubringen, noch Science-Fiction", sagte Andrew Pask von der Universität Melbourne der Deutschen Presse-Agentur. Die Technologie, mit der das Projekt arbeite, sei damals noch nicht verfügbar gewesen. Pask leitet das neu ins Leben gerufene "TIGRR Lab" (Thylacine Integrated Genetic Restoration Research).
    Es ist ein aufwendiges Unterfangen: Die Forscher mussten zunächst das Erbgut eines Tasmanischen Tigers entziffern, der 100 Jahre lang in Alkohol konserviert worden war. 2018 veröffentlichte Professor Pasks Team die erste vollständige Genomsequenz des Tieres.
    Mit der entzifferten Genomsequenz steht das TIGRR Lab nun aber erst am Anfang seines Mammutvorhabens. "Aus einem toten Exemplar können wir noch kein Leben erschaffen. Wir müssen immer mit etwas Lebendigem beginnen", erklärt Pask. Deshalb werde bei derartigen Projekten, die im Englischen als De-Extinction bezeichnet werden, nach dem nächsten lebenden Verwandten des ausgestorbenen Tieres gesucht.

    Tasmanische Tiger gab es einst auch auf dem australischen Festland und in Neuguinea. Vor etwa 2000 bis 3000 Jahren verschwand dort das Tier, das mit dem Dingo konkurrierte und vom Menschen gejagt wurde.

    Doch im isolierten Tasmanien konnten die Beutelwölfe überleben - bis die Europäer die Insel im 18. Jahrhundert besiedelten. Das als Schafsmörder bezeichnete Raubtier wurde bis zur Ausrottung gejagt, von der Regierung gab es pro geschossenem Exemplar sogar eine Belohnung.

    Maus könnte Tiger zur Welt bringen

    Im Fall des Tasmanischen Tigers traf die Wahl - für Laien etwas überraschend - die Dickschwänzige Schmalfußbeutelmaus. Sie ist ebenfalls auf dem fünften Kontinent endemisch, also nur dort verbreitet. Die DNA der Maus wird so lange verändert oder "editiert", bis sie dem Erbcode des Tasmanischen Tigers entspricht.

    Wir bauen im Wesentlichen unser Maus-Genom in einer lebenden Zelle in einen Beutelwolf-Code um.

    Andrew Pask, Universität Melbourne

    Sollte das Team damit Erfolg haben, könnte mithilfe von Klon-Technologie ein ganzer Beutelwolf-Embryo geschaffen werden, der dann von der nur etwa elf Zentimeter großen Schmalfußbeutelmaus ausgetragen würde. "Eine der großartigen Eigenschaften von Beuteltieren ist, dass sie winzige Babys zur Welt bringen", sagt Pask.
    Die Babys des Tasmanischen Tigers seien bei der Geburt etwa so groß wie ein Reiskorn. Somit könne auch eine Maus das Baby eines Tasmanischen Tigers austragen. Aufgezogen würde das Junge dann im Labor, anschließend soll das Raubtier - falls alles glatt läuft - wieder in seinen natürlichen Lebensraum in Tasmanien ausgewildert werden.
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    Große Skepsis von Wissenschaftlern und Artenschützern

    Manche Wissenschaftler bezweifeln, dass das Projekt gelingen kann.

    Ich glaube immer noch nicht, dass wir auch nur annähernd über die Technologie verfügen, die ein ausgestorbenes Tier wirklich wiedererschaffen kann.

    Professor Jeremey Austin, Australian Centre for Ancient DNA

    De-Extinction sei eine "Märchen-Wissenschaft", fährt Professor Jeremy Austin in der Zeitung "Sydney Morning Herald" fort.
    "Für den WWF Deutschland stellen solche gentechnischen Projekte nicht den Ausweg aus der Biodiversitätskrise dar", sagt Artenschutzexpertin Anne Hanschke. So etwas koste viel Geld und es sei wichtiger, die Ursachen des Artensterbens zu beheben, wie etwa die Zerstörung der Lebensräume, die Übernutzung der Natur oder die Klimakrise.

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