In Finnland ist erneut ein Datenkabel beschädigt worden. Die schwedische Regierung vermutete "Sabotage", das Kabel wurde aber offenbar aus Versehen bei Bauarbeiten durchtrennt.
Die Nationalfahne von Finnland flattert im Wind (Archivfoto)
Quelle: Imago
In der Nacht zum Dienstag ist ein Datenkabel, das zwischen Finnland und Schweden verläuft, beschädigt worden. Das Kabel sei am Montag an zwei Stellen gebrochen, teilte das Telekommunikationsunternehmen GlobalConnect mit. Einer der Defekte sei bereits behoben.
Die finnische Verkehrs- und Kommunikationsministerin Lulu Ranne erklärte, der Vorfall werde in Zusammenarbeit mit GlobalConnect untersucht. Angesichts der Umstände werde "Sabotage vermutet", teilte der schwedische Zivilschutzminister Carl-Oskar Bohlin am Vormittag der Nachrichtenagentur AFP mit. Die finnische Polizei erklärte allerdings, sie habe keine "strafrechtlichen Ermittlungen" eingeleitet und wies damit vorhergegangene Medienberichte zurück. Mittlerweile hat die finnische Verkehrs- und Kommunikationsbehörde (Traficom) mitgeteilt, dass die Leitung offenbar aus Versehen bei Bauarbeiten durchtrennt wurde.
Im November waren innerhalb kurzer Zeit Schäden an zwei Glasfaserkabeln in der Ostsee aufgetreten. Dabei handelte es sich zum einen um ein Kabel, das zwischen Schweden und Litauen verläuft, sowie um eines zwischen Finnland und Deutschland. Die Ursache dafür ist in beiden Fällen noch unklar. Die schwedischen Behörden sprechen von möglicher Sabotage, auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte rasch von Sabotage gesprochen.
Bundesverteidigungsminister Pistorius geht bei der Beschädigung der Datenkabel in der Ostsee von "Sabotage" aus. Unklar sei aber, von wem diese verübt worden ist.19.11.2024 | 0:56 min
Der Fokus der Ermittler liegt auf einem chinesischen Schiff mit dem Namen "Yi Peng 3", das zum fraglichen Zeitpunkt die betroffenen Stellen der Kabel passiert haben soll. China wies jegliche Verantwortung in dem Fall zurück und zeigte sich am Freitag "bereit zur Zusammenarbeit" mit den Ermittlern.
Schäden an Ostsee-Pipeline Balticconnector 2023
Gestern Abend wurde bekannt, dass offenbar das Tiefsee-Glasfaserkabel zwischen Finnland und Deutschland getrennt wurde. Henner Hebestreit zu den neusten Erkenntnissen.19.11.2024 | 2:24 min
Im Oktober 2023 hatte ein chinesisches Schiff bereits die Ostsee-Gaspipeline Balticconnector zwischen Finnland und Estland mit einem Anker beschädigt. Es ist allerdings noch unklar, ob es sich dabei um einen Unfall oder bewusste Sabotage handelte. Auch bei diesem Fall war ein Datenkabel zwischen den beiden Ländern beschädigt worden.
Weltweit liegen mehrere Hundert Datenkabel mit einer Gesamtlänge von über einer Million Kilometern auf dem Meeresgrund. Über sie läuft 99 Prozent des weltweiten Internet-Verkehrs. Allein 17 dieser Verbindungen gibt es zwischen Europa und Nordamerika. Weder Überland- noch Satellitenverbindungen könnten einen Ausfall sämtlicher Unterseekabel abfangen. Europa ist über etwa 250 land- und seegestützte Leitungen mit dem Rest der Welt verbunden.
Unterseekabel sind dick ummantelt, um sie gegen physische Schäden zu schützen. Dennoch müssen dem Datenanbieter TeleGeography zufolge jede Woche zwei- bis viermal Teams ausrücken, um Defekte zu beheben. Je nach Meerestiefe und Schwere der Schäden kann eine Reparatur mehrere Wochen dauern. Das Europaparlament stellte in einer Analyse von 2022 fest, dass mehr als die Hälfte der Ausfälle auf menschliche Fehler zurückzuführen sind. Mit 40 Prozent seien Schleppnetze von Fischern der größte Risikofaktor, Schiffsanker ein weiterer. Natürliche Ursachen wie Seebeben, Stürme oder Korrosion seien für etwa ein Fünftel der Defekte verantwortlich.
Die Störung einer einzelnen oder einiger weniger Unterseekabel führt nicht unbedingt zu einem Komplettausfall der Verbindungen. Das Internet ist dezentral aufgebaut und darauf ausgelegt, dass sich Daten eine Ausweichroute suchen. Durch diese Umwege können sich allerdings die Zugriffszeiten verlängern. Allein in der Ostsee verbinden mehrere Dutzend Unterseekabel Kontinentaleuropa mit Skandinavien und dem Baltikum.
Wegen der zunehmenden Bedeutung des Internets für die Wirtschaft und das öffentliche Leben gelten Datenkabel inzwischen als kritische Infrastruktur, die besonders geschützt werden muss. Dennoch sind die Unterseekabel in küstennahen Gebieten in vielen Navigationskarten verzeichnet, um Beschädigungen durch Schiffsverkehr oder Bohrarbeiten zu verhindern. Auf hoher See werden die Positionen dagegen nur ungefähr angegeben, um Attacken zu erschweren. Russland steht seit Jahren im Verdacht, Angriffe auf die europäische Dateninfrastruktur vorzubereiten. Die Nato hat wiederholt russische U-Boote in der Nähe der Unterseekabel beobachtet. Vertreter westlicher Staaten werfen Russland schon länger vor, hinter Sabotageakten zu stecken. Der Kreml weist dies stets zurück.
Quelle: Reuters
Nato prüft besseren Schutz von Datenkabeln
Die Nato hat mittlerweile angekündigt, einen besseren Schutz von Datenkabeln gegen mögliche Sabotage zu prüfen. Der Generalsekretär der Nato, Mark Rutte, sagte, das Thema habe für die 32 Mitgliedsländer "Dringlichkeit". Rutte betonte, im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine hätten sich Fälle von Sabotage, Energie-Erpressung und Cyberangriffen gehäuft. Die Nato-Außenminister wollen nach seinen Worten am Mittwoch über das Thema beraten.
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