Grenze zwischen USA und Mexiko:Migranten blicken in ungewisse Zukunft
von Steffanie Riess, Tijuana
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An der Grenze zwischen Mexiko und den USA sind Tausende Migranten gestrandet. Sie wollten in den USA Asyl beantragen. Doch US-Präsident Trump hat alle Träume erstmal zerstört.
Sie haben alles auf eine Karte gesetzt: eine Zukunft in den USA. Donald Trump hat diesen Weg versperrt. Tausende Menschen aus Süd- und Lateinamerika sind in Mexiko gestrandet.23.01.2025 | 2:42 min
Elkin steht dort, wo eigentlich sein neues Leben beginnen sollte. Nur wenige Schritte trennen den Kolumbianer am Grenzposten der mexikanischen Stadt Tijuana vom Übergang in die USA. Zehn Monate war er unterwegs, immer nur das eine Ziel im Auge: ein neues Leben in Amerika beginnen. Beinahe hätte er es geschafft.
Über die von Ex-US-Präsident Joe Biden eingeführte App "CBPOne" hatte er einen Termin ergattert, um bei den US-Behörden vorstellig zu werden und einen Asylantrag zu stellen. Am 22. Januar um 5 Uhr morgens sollte es so weit sein. Doch dann übernahm der neue Präsident Donald Trump das Amt und kurz darauf erreichte Elkin die E-Mail, die alle seine Träume zerstörte: Sein Termin war storniert.
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Tausende Migranten an der Grenze gestrandet
Tausende von Migranten in Grenzstädten entlang der mehr als 3.000 Kilometer langen Grenze erhielten dieselbe Nachricht. Auf einen Schlag waren alle gestrandet, kurz vor dem Ziel. So wie Elkin sind viele trotzdem zum Grenzposten gekommen.
"Wir haben noch Hoffnung, dass diejenigen von uns, die bereits einen Termin hatten, doch noch über die Grenze gelassen werden", sagt Gilberto, der aus Venezuela kommt. "Es macht doch keinen Sinn. Warum sollten die US- Behörden uns einen Termin geben, wenn sie nicht vorhaben, ihn auch zu würdigen."
Der Traum vieler Menschen aus ganz Süd- und Lateinamerika hat sich komplett zerschlagen, so Claudia Bates in Tijuana. Einige werden versuchen, illegal über die US-Grenze zu gehen.
23.01.2025 | 1:35 min
Rückkehr in Heimatländer für viele Menschen ausgeschlossen
Es gibt dafür keine Anzeichen, aber es ist alles, woran sie sich momentan klammern können. "Wir hatten buchstäblich alles auf unseren Termin bei den US-Behörden hin geplant, also kommen wir hier an mit dem Letzten, was wir hatten", sagt der Venezolaner.
Jetzt sind wir hier ohne Geld, ohne Dach über dem Kopf und ohne Essen.
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Gilberto aus Venezuela, an der US-Grenze gestrandet
Die Migranten können weder vor noch zurück. Denn wie Elkin, dessen Leben in Kolumbien von gewalttätigen Gangs bedroht wurde, weil er sich weigerte, sich ihnen anzuschließen, sind viele von ihnen auf der Flucht vor autokratischen Regimes und dem organisierten Verbrechen. Eine Rückkehr in ihre Heimatländer ist für sie ausgeschlossen.
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Private Hilfsorganisationen nehmen Gestrandete auf
Hunderte haben zunächst in Notunterkünften privater Hilfsorganisationen Unterschlupf gefunden. Dort bekommen sie ein Dach über dem Kopf und eine Grundversorgung. Allein in einer der größten Einrichtungen, den "Embajadores de Jesus", sind etwa 1.300 Personen untergebracht, in Stockbetten, auf den Kirchenraum und etliche Nebengebäude verteilt. Die Hilfsorganisationen tun, was sie können, aber ihre Kapazitäten sind begrenzt.
Zumal damit zu rechnen ist, dass die Zahlen der Gestrandeten bald noch anschwellen, wenn Donald Trump auch mit den angekündigten Massendeportationen illegal eingereister Migranten aus den USA Ernst macht.
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Staatliche Hilfe läuft schleppend an
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum kündigte an, dass deportierte Mexikaner mit "offenen Armen" in ihrem Heimatland empfangen würden. "Ich möchte, dass unsere Landsleute wissen, dass sie nicht alleine sind."
Mexikaner sind sehr wichtig für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, das weiß die Trump-Regierung.
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Claudia Sheinbaum, Präsidentin von Mexiko
Sollte die US-Regierung dennoch Deportationsmaßnahmen ergreifen, habe Mexiko ein integrales Programm für die Rückkehrer, sagte Sheinbaum.
In Tijuana ist davon wenig zu sehen. Eine alte Arena wird derzeit als Auffanglager vorbereitet, ähnliche Maßnahmen finden in anderen Grenzstädten statt. Doch Jose Garcia, Gründer einer Migrantenherberge, sagt: "Die Frage ist, ob es sich hier um nachhaltige Hilfeleistungen handelt. Wir, die privaten Hilfsorganisationen, heißen die staatliche Hilfe willkommen. Aber es ist wichtig, dass es sich nicht nur um einen vorübergehenden Einsatz handelt."
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Vieles bei Asyl-Regeln weiterhin unklar
Für den Moment herrscht eine Stimmung der Unsicherheit. Über das weitere Vorgehen der neuen US-Regierung, über die Details der mexikanischen Antwort auf die US-Politik, und allem voran über das weitere Schicksal der vielen Migranten, die momentan in mexikanischen Grenzstädten festhängen.
Elkin will erst einmal in Tijuana bleiben, bis mehr Klarheit besteht. "Das Wichtigste ist, jetzt ruhig zu bleiben, abzuwarten und die Hoffnung nicht zu verlieren", sagt er. Damit spricht er für so viele, die momentan einer sehr unsicheren Zukunft entgegen blicken.
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Quelle: dpa
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