Kämpfe im Ostkongo :Experte: "Situation sehr besorgniserregend"
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Im Kongo kämpft die Rebellenmiliz M23 gegen Regierungstruppen. Was Ruanda mit dem Konflikt zu tun hat und warum der Konflikt gerade jetzt eskaliert, erklärt Experte Jakob Kerstan.
Im Ostkongo rücken Rebellen weiter auf die Millionenstadt Goma vor. Die Regierung könne keine Sicherheit mehr gewährleisten, so Jakob Kerstan von der Konrad-Adenauer-Stiftung.28.01.2025 | 12:43 min
Hunderttausende Menschen sind im Kongo auf der Flucht. Sie suchen Schutz vor den Kämpfen zwischen der Rebellengruppe M23 und Regierungstruppen. Die Rebellen werfen der kongolesischen Regierung vor, die Region um die Millionenstadt Goma zu vernachlässigen. Und sie behaupten, die im Kongo lebenden Angehörigen der Tutsi-Volksgruppe zu schützen. Diese wurden im Nachbarland Ruanda während des Völkermords 1994 zu Hunderttausenden ermordet.
Die Regierung im Kongo arbeitet nach Darstellung der Miliz mit den Hutu-Rebellen zusammen, die an dem Völkermord beteiligt waren. Wie die Lage aktuell vor Ort ist, welche Rolle Ruanda in dem Konflikt spielt und warum dieser gerade jetzt eskaliert, erklärt Jakob Kerstan, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Demokratischen Republik Kongo bei ZDFheute live.
Sehen Sie das Interview in voller Länge oben im Video und lesen Sie hier eine Zusammenfassung.
Kongos Außenministerin Kayikwamba Wagner hat vor dem UN-Sicherheitsrat internationales Handeln gefordert. Die Krise hat sich nach dem Einrücken der M23-Miliz in Goma zugespitzt.29.01.2025 | 0:19 min
M23 hat Goma unter Kontrolle, Lage ist unklar
Die Situation in der umkämpften Millionenstadt Goma im Ostkongo sei sehr besorgniserregend, berichtet Jakob Kerstan, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung im Kongo. "Die Leute wissen nicht, wie es weitergeht. Sehr viele sind vorher geflüchtet, die es sich leisten konnten". Seiner Einschätzung nach hätte die Rebellengruppe M23 die Stadt Goma komplett unter Kontrolle, dennoch bleibe die Lage noch unklar.
Klar ist nur, dass die kongolesische Armee und die Verbündeten es nicht geschafft haben, die ostkongolesische Stadt zu verteidigen.
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Nach dem Einmarsch der M23-Miliz wird in Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo offenbar weiter gekämpft. Im Osten des Kongo kämpfen Rebellen und Armee seit Jahren um Macht und die Kontrolle über Rohstoffvorkommen.28.01.2025 | 2:26 min
Ruanda unterstützt Rebellengruppe
Nach dem Völkermord in Ruanda 1994 seien nicht nur viele der Opfer, sondern auch viele Täter in den Ostkongo geflohen, so der Experte. Diese geflüchteten Täter würden auch heute in Form von Rebellengruppen im Ostkongo eine große Rolle spielen. Der kongolesische Staat sei aber nicht in der Lage für Sicherheit in weiten Teilen Ostkongos zu sorgen.
Ruanda sehe in den "ehemaligen Völkermördern" eine Bedrohung für sich selbst, daher würden sie "die Aufgabe selbst übernehmen", diese Gruppen "in Schach zu halten". Dies würde seit 2021 wieder zu einer militärischen Unterstützung der Tutsi-Rebellengruppe M23 durch Ruanda führen.
Man muss festhalten, dass die M23 nicht die Priorität und nicht die Größe und nicht die Schlagkraft hätte, wenn Ruanda nicht dahinterstehen würde.
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Warum eskaliert die Lage gerade jetzt?
Die Stadt Goma sei bereits 2012 und 2013 von der Rebellengruppe M23 eingenommen worden. Damals hätte es sehr viel internationalen Druck aus den USA und Deutschland gegeben. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hätte selbst den ruandischen Präsidenten Paul Kagame angerufen. Momentan seien viele westliche Staaten jedoch mit anderen Konflikten beschäftigt, die Weltgemeinschaft scheint schwach, so der Experte.
Demzufolge ist es dieses Mal, glaube ich, sehr unwahrscheinlich, dass Donald Trump jetzt zum Hörer greifen wird und sich bei Kagame melden wird, um dafür zu sorgen, dass der seinen Einfluss auf die M23 wie damals wieder ausübt.
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M23 habe darin ein "Momentum" gesehen. Erstaunlich sei, wie schnell die Rebellen diesmal auf die Millionenstadt Goma zugeschritten seien.
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Jessica Zahedi. Zusammengefasst hat es ZDF-Redakteurin Caroline Kleine-Besten.
Quelle: dpa
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