Ukraine-Krieg: "Nutzen der Offensive in Kursk ist gering"
Militärstrategische Einschätzung:"Nutzen der Offensive in Kursk ist gering"
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Ist Putin die ukrainische Offensive in Kurs egal? Warum tatsächlich nur wenige Kräfte zur Abwehr in die russische Region verlegt werden, erklärt Militäranalyst Hendrik Remmel.
Das ganze Gespräch mit Militärexperte Hendrik Remmel im Video. 22.08.2024 | 22:58 min
Rund drei Wochen dauert die Kursk-Offensive der Ukraine bisher an. Laut eigenen Angaben rücken die ukrainischen Soldaten immer weiter in die russische Grenzregion vor. Mehr als 130.000 Menschen sollen dort ihre Häuser verlassen haben - das berichtete Gouverneur Alexej Smirnow in Richtung Wladimir Putin.
Bei ihrer Offensive forcieren die ukrainischen Streitkräfte weiterhin raumorientierte Angriffe auf vier Angriffsachsen, erklärt Militäranalyst Hendrik Remmel im ZDF. Taktisch greife man im Vergleich zum kräfteorientierten Ansatz - wie ihn die Russen etwa im ukrainischen Donbass praktizieren - nicht primär die gegnerischen Kräfte an.
In der russischen Grenzregion Kursk rückt das ukrainische Militär nach eigenen Angaben weiter vor. Russland beschuldigt die Ukraine, Moskau mit Drohnen angegriffen zu haben. 21.08.2024 | 1:44 min
Ukrainische Aktivitäten in Region Kursk nach wie vor "hoch"
Vielmehr versuche man, möglichst schnell mit hohem Tempo geografische Schlüsselgelände zu gewinnen und den Angegriffenen zum Ausweichen zu zwingen. Das scheint aus der Sicht Remmels prinzipiell zu gelingen. Zwar sei das Operationstempo Kiews in den letzten Tagen leicht zurückgegangen, dennoch sei es nach wie vor "hoch".
Und dadurch sind die Ukrainer taktisch in der Initiative.
Militäranalyst: Russischer Schwerpunkt bleibt im Donbass
Den Ukrainern gelinge es weiterhin, den russischen Streitkräften den Zugriff auf die Region Kursk in weiten Teilen zu verwehren. Im Moment sehe es noch so aus, "als könnten sich die Ukrainer noch relativ frei in diesem Raum bewegen". Allerdings seien die Angriffe Kiews "räumlich begrenzt", auch vor dem Hintergrund der Mittel, die die Ukrainer in dem Raum einsetzen.
Nach eigenen Angaben hat Russland mehrere Drohnen kurz vor Moskau abgeschossen. In der Region Kursk fällt es dem Land weiterhin schwer auf die Offensive der Ukraine zu reagieren.21.08.2024 | 0:26 min
"Dadurch ist es der russischen Armee möglich, ihren operativen Schwerpunkt im Donbass und vor allem im Raum östlich von Prokowsk zu belassen", so Remmel. Die Zahl russischer Kräfte in der Region Kursk sei "ohnehin schwach", nur wenige russische Soldaten im Zuge Kiews Offensive dorthin verlegt worden.
Eine "militärische Lageänderung" Putins aufgrund der ukrainischen Angriffe im eigenen Land sieht der Militäranalyst nicht.
Was bringt der ukrainische Geländegewinn?
Bei der Frage, inwiefern der ukrainische Angriff Einfluss auf den Kriegsverlauf habe, ist Remmel sehr skeptisch. Der politische Nutze dieser Offensive sei "nahezu kulminiert". Zwar habe Präsident Wolodymyr Selenskyj drei Signale senden können:
In Richtung Russland: Eure Grenzen sind nicht sicher.
In Richtung der ukrainischen Streikräfte: Ihr werdet nicht nur an die Front gebracht und dort "verheizt", sondern ihr seid Teil eines militärischen Erfolgs.
In Richtung Westen: Schaut her, liefert uns genug Munition, genug Material und wir sind militärisch erfolgreich.
Militärstrategisch werde dieser Angriff jedoch keinen "nachhaltigen Nutzen haben", da der "erhoffte Entlastungsausgleich" ausgeblieben sei. "Die Russen haben keinerlei substanziellen Kampfverbände aus ihrem operativen Schwerpunkt abgezogen. Sie machen immer noch extrem viel Druck im Donbass", so der Experte.
Und deswegen ist militärstrategisch der Nutzen dieser Offensive gering bis nicht vorhanden.
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Hendrik Remmel, Militäranalyst
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Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kiew hat eine Gegenoffensive gestartet, die Kämpfe dauern an. News und Hintergründe im Ticker.
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