Niederlande: Mit Bargeldreserve zu Hause gegen Cyberangriffe
Panikmache oder Prävention?:Niederlande empfehlen Cash-Reserve
von Susanne Pohlmann
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In Zeiten von geopolitischen Krisen, Cyberangriffen und der russischen Bedrohung raten die Niederlande, immer Bargeld im Haus zu haben. Um auch ohne Strom zahlungsfähig zu sein.
Wegen "geopolitischer Spannungen" wird den Bürgern empfohlen, Bargeld parat zu halten.
Quelle: imago
"Ich stecke morgens Geld in meine Brieftasche und überlege, wieviel ich ausgeben werde. Und abends schaue ich, was ich übrig habe." Mit diesem Verhalten gehört die Niederländerin Hilda Hoogendoorn sicher zu einer Minderheit unter ihren Landsleuten.
Nicht wegen der besonnenen Planung ihres Budgets, sondern weil sie noch Scheine und Münzen im Haus hat. Ginge es nach einigen Experten, würden sich ihre Mitbürger ein Beispiel an ihr nehmen.
Überraschende Empfehlung des Bankenverbandes
Üblicherweise zahlen die meisten Niederländer fast alles mit Karte oder per Handy. Selbst Kinder bekommen ihr Taschengeld von den Eltern auf ihr Konto überwiesen und zahlen selber auch bargeldlos.
Ich habe eigentlich nie Bargeld in der Tasche. Ich glaube, das ist ein bisschen ausgestorben.
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Fieke Duin, Niederländerin in Utrecht
Umso überraschender für manche kommt nun die Empfehlung des niederländischen Bankenverbands, NVB, die Bürger sollen doch wieder zumindest etwas Bargeld im Haus haben. Die Begründung: Geopolitische Spannungen, sprich, die Bedrohung seitens Russland und die immer wieder auftretenden Fälle von Cyberangriffen. Ein flächendeckender Stromausfall würde unmittelbar zu Problemen führen: Das Bezahlen per Pin oder auch kontaktlos per Handy würde nicht mehr funktionieren. Ebenso wenig wie Geldautomaten.
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Nachdruck erhielt die Empfehlung des NVB durch die Aussage des niederländischen Verteidigungsministers, Ruben Brekelmans. In der Talkshow op Zondag Anfang Dezember. Er wies auf die Möglichkeit hin, dass bei einem Cyberangriff Internet, Strom und Wasser ausfallen könnten. Zudem müssten sich die Niederländer darauf einstellen, dass der Zahlungsverkehr zeitweise nicht funktionieren könne.
Wenn der Zahlungsverkehr eine Zeit lang stillliegt, die staatlichen Organisationen keine Leistungen wie Rente oder Sozialhilfe überweisen können, dann haben viele Menschen plötzlich ein Problem.
Karin Radstaak arbeitet beim Nibud, dem Nationalen Institut für Budgetinformationen, das in den Niederlanden regelmäßig Kennzahlen für die Kreditwirtschaft liefert, und auch Unternehmen und Privathaushalte in Geldangelegenheiten berät.
Sie empfiehlt Haushalten zu überschlagen, wieviel Geld normalerweise in drei bis vier Tagen benötigt wird und diese Summe bar vorzuhalten: "Mit wie vielen Menschen lebst du zusammen? Für wie viele musst du einkaufen? Das ist der Betrag, über den du nachdenken musst."
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Es geht also nicht um das Horten von Bargeld, sondern eher ein Abwägen, wieviel man benötigt, um gegebenenfalls die Ausgaben einiger Tage zu decken, sollte der digitale bargeldlose Zahlungsverkehr eingeschränkt sein oder gar ausfallen.
Auch Deutschland rät zu Bargeldreserve
Auch in einigen skandinavischen Ländern wird wieder mehr über Bargeld als Vorbereitung auf Krisenfälle nachgedacht. Bereits im Frühjahr hatte die norwegische Regierung erklärt, sich ausschließlich auf digitale Zahlungslösungen zu verlassen, erhöhe die Verwundbarkeit der Gesellschaft und könne in bestimmten Situationen zur Störung wichtiger gesellschaftlicher Funktionen beitragen.
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In einer im November in Schweden an die Haushalte verteilten Broschüre riet man auch hier, "genügend Bargeld für mindestens eine Woche, vorzugsweise in verschiedenen Stückelungen" parat zu haben.
In Deutschland findet sich im "Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen", das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) herausgegeben wird, auch ein Hinweis auf "ausreichende Bargeldreserve im Haus" für den Fall, dass bei Stromausfall Geldautomaten nicht mehr funktionieren.
Seit dem Aufruf wurde in den Niederlanden eine Zunahme an Barabhebungen festgestellt, ungefähr um zehn Prozent. Die Utrechterin Virginia Toliwe hat kein gutes Gefühl beim Thema Bargeld. Mehr als einen Stromausfall oder Cyberangriff befürchtet sie Diebe: "Es ist gefährlich, Geld im Haus zu haben, das ist meine Meinung.".
Skeptisch sieht das auch der niederländischen Versicherungsverband. Er rät, die Bedingungen der Hausratversicherung genau zu lesen. Bargeld ist meist nur bis zu einer bestimmten Summe versichert, die je nach Vertrag variieren kann.
Quelle: dpa
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