Ukraine: Wie Kinder Ferien abseits vom Krieg machen
Ferienlager im Ukraine-Krieg:"Du kannst dich nie völlig entspannen"
von Anne Brühl, Karpaten
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Täglicher Luftalarm, russischer Bombenterror: Das ist für viele ukrainische Kinder Alltag. In einem Ferienlager in den Karpaten können sie für sie zehn Tage entspannen.
Ein ehemaliger Bauernhof in den Karpaten wird zum Ferienlager. Sport, kreative Aktivitäten aber auch therapeutische Unterstützung sollen den Kindern helfen.22.07.2024 | 2:08 min
Schon die Anreise ist ein einziges Abenteuer: Über eine Schotterpiste geht es in steilen Serpentinen den Berg hinauf. Das Paradies für ukrainische Kinder liegt auf 1.500 Meter Höhe in der Nähe der Ortschaft Verkhovyna und war früher mal ein Bauernhof. Hier, im Westen der Ukraine, sollen sie dem Krieg wenigstens für eine kurze Zeit entkommen können.
Nastia, 9 Jahre, und Ivan, 10 Jahre, sind beste Freunde. Am liebsten spielen die beiden mit Alla, dem Hofhund. Nastia kommt aus Irpin, das Haus ihrer Familie wurde gleich in den ersten Kriegstagen zerstört. Jetzt lebt sie in Kiew und erzählt vom ständigen Luftalarm. Dem Heulen der Sirenen, auf das sie manchmal gar nicht mehr reagieren.
Die Spielerinnen der ukrainischen Nationalmannschaft widmen jedes Spiel auch den Soldaten im Krieg, die die Ukraine gegen Russland verteidigen.11.07.2023 | 14:50 min
Wenn es Alarm gibt, dann bleiben wir manchmal dort, wo wir gerade sind.
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Nastia, 9 Jahre alt
"Und wenn es knallt oder irgendeine Art von Gefahr besteht, dann gehen wir in den Korridor", erklärt Nastia weiter. Ivan lebt in Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, auf die die Russen gerade wieder vorrücken. Fast täglich schlagen dort Raketen ein, strömen Flüchtlinge in die Stadt.
Es gibt oft Luftalarm, zerbrochene Fenster, viele leere Häuser.
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Ivan, 10 Jahre alt
Am besten gefällt ihm, dass im Ferienlager so viele andere Kinder sind. Denn das Leben der Kinder im Krieg ist oft einsam: Schule findet online statt, viele Freunde sind mit ihren Familien geflohen. Hier sind alle den ganzen Tag zusammen, schlafen auf Isomatten in einem großen Schlafsaal.
Ukraine-Krieg traumatisiert die Kinder
31 Kinder sind im Sommerlager. Sie alle sind zwischen acht und 14 Jahre alt. Viele sind Binnenflüchtlinge, Vater oder Mutter verteidigen als Soldaten ihr Land. Sie alle bringen ihre eigene Geschichte mit, ihre eigenen Traumata. Die zehn Betreuer versuchen auf jedes einzelne Kind einzugehen.
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Marusia Oliynyk koordiniert die Betreuung. Das Schlimmste, sagt sie, sei es, diese Traurigkeit zu spüren: Kinder, die nicht dort leben können, wo ihre Heimat, ihre Familie, Freunde sind. Einen sicheren Raum möchten sie und ihre Kollegen hier den Kindern bieten. In einem Krieg, in dem immer wieder auch Kinder das Ziel russischer Angriffe sind. "Es ist zwar eine banale Redewendung", sagt Oliynyk, "aber Kinder sind die Zukunft unseres Landes. In dem Moment, wo es Angriffe gibt, ist man sich dessen sehr bewusst und arbeitet mit noch mehr Inspiration."
Du willst diesen Kindern wenigstens hier, an diesem Ort, ein Maximum an Liebe, Fürsorge und Positivem geben.
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Marusia Oliynyk, Betreuerin im Ferienlager
Finanziert durch Spenden - auch aus Deutschland
Die Kinder malen, singen, spielen. Können einfach mal die Seele baumeln lassen - zehn Tage ohne Handy oder Computer. Nach ein paar Tagen, sagt Oliynyk, sehe man richtig, wie die Kinder auftauten. Das Projekt wird mit Spendengeldern finanziert, die auch aus Deutschland kommen.
Der Ukraine-Krieg hinterlässt auch bei den Kindern tiefe Spuren. Viele leiden deswegen unter Traumata und vermissen ihr altes Zuhause.
Quelle: ZDF
Sofia ist 14, Warja ist 12 Jahre alt: Bei den Spielen sind sie dabei, sie genießen es hier, sagen sie. Aber man spürt auch ihre Traurigkeit, die Sorgen, die auf ihnen lasten. Sofia erklärt das so: "Die Nachrichten sind immer beängstigend. Wahrscheinlich kann man das an Orten, an denen kein Krieg herrscht, schwer nachvollziehen."
Aber du kannst dich nie völlig entspannen, egal wo du bist.
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Sofia, 14 Jahre alt
Hightech verändert den Krieg in der Ukraine. auslandsjournal frontlines begleitet ukrainische IT-Experten, die der Armee Technologie liefern.25.07.2024 | 29:00 min
In ihren Gedanken ist sie in Dnipro, ihrer Heimatstadt. Dort möchte sie unbedingt zurück, wenn der Krieg vorbei ist. Warja kommt aus Kiew. "Du machst dir immer Sorgen um dein Leben", sagt sie. Auch sie denkt an die Zeit, an der dieser Krieg vorbei sein wird: "Ich träume vom Frieden in der Ukraine, vom Frieden in Kiew und der ganzen Welt." Und fügt dann hinzu: "Und dass Russland nicht existiert."
Für viele Kinder hier ist es das erste Mal seit zweieinhalb Jahren, seit Beginn des Kriegs, dass sie Ferien machen können. Kinder sein, unbeschwert. Möglich ist das nur in der abgeschiedenen Bergwelt der ukrainischen Karpaten.
ZDF-Reporterin Anne Brühl berichtet regelmäßig aus der Ukraine.
Quelle: dpa
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