Mathilda Huss: Kruder Rassenwahn der Schlossherrin?

    Geheimtreffen in Potsdam:Kruder Rassenwahn der Schlossherrin?

    Ulrich Stoll, Redakteur Frontal 21
    von Ulrich Stoll
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    Die Hausherrin des Gästehauses Adlon soll in rechten Medien krude Rassentheorien verbreitet haben. Mathilda Huss, die am Geheimtreffen in Potsdam teilnahm, bestreitet das.

    AfD-Politiker haben sich mit bei einem Treffen im November mit Rechtsextremen ausgetauscht. Dabei ging es darum, Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland zu vertreiben. 10.01.2024 | 1:44 min
    Mathilda Huss hat 2011 mit ihrem damaligen Partner die Villa Adlon in Neu Fahrland gekauft und ist Alleingesellschafterin und Geschäftsführerin der "Gästehaus am Lehnitzsee GmbH". Deren Geschäftszweck ist der Betrieb "eines Gästehauses und Veranstaltungszentrums". Das Recherchezentrum Correctiv hatte enthüllt, dass sich AfD-Politiker und Mitglieder der Werteunion dort im November 2023 mit Rechtsextremisten trafen und über Pläne zu millionenfachen Abschiebungen aus Deutschland sprachen. Hausherrin Huss ist auf einem Video zu erkennen, wie sie einen Correctiv-Journalisten von dem Treffen verweist.

    Tritt Huss unter Pseudonym "Augusta Presteid" auf?

    Anwohner schildern Huss als wortgewandte Frau, die sich mit Intelligenzforschung und Genetik beschäftige. Angeblich soll sie unter dem Pseudonym "Augusta Presteid" krude Rassentheorien verbreiten. Im rechtsextremen Magazin "Compact" erschienen mehrere Artikel von "Augusta Presteid" über die angebliche Vererbbarkeit von Intelligenz und den Vorsprung Chinas in der Genforschung. "Presteid" wird in "Compact" als 1982 geborene Verhaltensgenetikerin vorgestellt, die an der Universität von Minnesota forsche.
    Bereits 2018 hatte eine AfD-Delegation dem syrischen Diktator Bashar al-Assad vorgeschlagen, nach Deutschland geflohene Syrer in das Bürgerkriegsland "zurückzuführen".23.01.2024 | 6:50 min
    Im Januar 2022 behauptet eine Frau unter dem Pseudonym "Augusta Presteid" im rechten Podcast "Indubio", "Männer sind im oberen IQ-Bereich stärker vertreten als Frauen". Weiter heißt es dort, "dass es eben Populationsunterschiede gibt, systematische Unterschiede zwischen Intelligenz in den verschiedenen Populationen." Der Podcast stellt "Augusta Presteid" als promovierte Biologin vor, die in Cambridge geforscht habe. Das Besondere: Die Stimme von "Augusta Presteid" klingt wie die der Schlossherrin Huss. Zu hören ist das in einem Bericht des RBB aus dem Jahr 2014, in dem sich Huss zu Renovierung der Villa Adlon geäußert hat.

    Huss: "Rassenideologie ist mir fremd"

    Schon im November 2021 hatte eine Frau im rechten Youtube-Kanal "Schattenmacher" erklärt, was mit "Populationen" gemeint ist. "Im Moment findet natürlich eine Selektion gegen Intelligenz statt, ganz eindeutig", sagt die Frau, die nur als Schattenriss erkennbar ist. Sie sitzt vor einem Kamin, über dem ein Hirschgeweih angebracht ist.

    Durch die Migration findet eine Veränderung unseres Genpools statt, der nachträglich ist, wenn es um Demokratien geht oder Demokratiefähigkeiten von Völkern.

    Aussage im rechten Youtube-Kanal "Schattenmacher"

    Youtube-Kanal "Der Schattenmacher": rassistische Thesen zur Vererbbarkeit von Intelligenz
    Youtube-Kanal "Der Schattenmacher": rassistische Thesen zur Vererbbarkeit von Intelligenz
    Quelle: Screenshot Youtube Kanal "Der Schattenmacher"

    Die Frau, die das sagt, wird als promovierte Biologin vorgestellt. Auch ihre Stimme klingt wie die von Mathilda Huss.
    Ähnliche Stimmen sind kein endgültiger Beleg, dass hinter den kruden Rassenthesen Mathilda Huss steckt. Mehrere schriftliche ZDF-Anfragen ließ Huss unbeantwortet. Gegenüber dem RBB äußerte Huss' Anwalt, mehrere Personen würden das Pseudonym "Augusta Presteid" nutzen. Die Adlon-Hausherrin hatte gegenüber dem "Tagesspiegel" die Vorwürfe bestritten: "Schon allein der Begriff Rassenideologie ist mir fremd. Ich weise solche Unterstellungen auf das Schärfste zurück."
    Das Recherchenetzwerk Correctiv hatte aufgedeckt, dass auch AfD-Funktionäre teilgenommen haben. Die Diskussion um ein Parteiverbotsverfahren nimmt neue Fahrt auf. 11.01.2024 | 1:45 min

    Enger Kontakt zu AfD-Spitzenfunktionär Maximilian Krah

    Huss hat offenbar engen Kontakt zum AfD-Spitzenkandidaten für die Europawahl, Maximilian Krah. Anwohner wollen sie und Krah im Herbst 2023 vor dem Landhaus Adlon gesehen haben. Huss begleitete Krah und den AfD-Spendenbeschaffer David Bendels Ende 2022 zum Treffen der jungen Republikaner in New York und nahm im Juni 2023 an Krahs Seite an einer Wahlkampfveranstaltung der bayerischen AfD in Peißenberg teil. Die Sitzung wurde von der AfD-Bundestagsabgeordneten Gerrit Huy geleitet, die auch am Geheimtreffen in Potsdam im November 2023 teilnahm.
    Inhaltlich gibt es ebenfalls Parallelen zwischen Krah und "Augusta Presteid": In Krahs Buch "Politik von rechts" tauchen ebenfalls rassistische Thesen zur "Intelligenzforschung" auf, wie sie auch "Presteid" formuliert:

    Da viele Eigenschaften, Intelligenz eingeschlossen, überwiegend vererbt werden, ist der Plan, durch Masseneinwanderung die nicht mehr geborenen autochthonen Fachkräfte zu ersetzen, zum Scheitern verurteilt.

    aus "Politik von rechts. Ein Manifest" von Maximilian Krah

    Die AfD hat ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl bestimmt: es ist der EU-Abgeordnete Maximilian Krah, ein Rechtsaußen der Partei.29.07.2023 | 1:34 min

    Rechtes Schulungszentrum in Sachsen?

    Ähnlich harmlos wie im RBB-Film erschien Huss, als sie 2021 im sächsischen Reinsberg auftauchte. Die dortige Burg hatten zuvor Rechtsextremisten der "Identitären Bewegung" kaufen und zum Schulungszentrum umbauen wollen. Um das zu verhindern, erwarb die Gemeinde Reinsberg die Immobilie und war froh, als sich eine Investorin fand: Mathilda Huss und ihre Potsdamer GmbH gründeten 2021 die "Burg Reinsberg GmbH und Co KG", die vorhat, die Schlossruine in Sachsen zu renovieren und als Tagungszentrum zu betreiben.
    Nach Auskunft des örtlichen Bürgermeisters ist das Schloss bislang nicht bewohnbar; Rechtsextremisten hätten sich dort bislang nicht versammelt. Huss erklärte auf einer Bürgerversammlung, sie wolle die Burg zu einem Hotel für Wanderer und zu einer internationalen wissenschaftlichen Begegnungsstätte, ähnlich wie in Potsdam, ausbauen. Politische Veranstaltungen seien in Reinsberg nicht geplant, erklärte Huss.
    Sie erwarb die mittelalterliche Anlage zu einem Preis von mehr als einer halben Million Euro. Das zuständige Landratsamt bestätigte, es läge ein Bauantrag seitens einer Gesellschaft für die Sanierung des Schlosses samt Beherbergungsbetrieb und Gastronomie vor.
    Das Recherchenetzwerk Correctiv hatte aufgedeckt, dass auch AfD-Funktionäre bei dem Treffen in Potsdam teilgenommen haben. Die Diskussion um ein Parteiverbotsverfahren nimmt neue Fahrt auf. 11.01.2024 | 1:45 min

    Keine Hinweise beim Verfassungsschutz

    Den Verfassungsschutzbehörden ist Huss bislang nicht als mögliche Unterstützerin von Rechtsextremen aufgefallen. Sichtbar war sie bisher nur 2017 als Unterstützerin eines von der AfD mitgetragenen Protests gegen einen Moscheebau in Potsdam.
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