Keine typische Tätergruppe :Wer ist der Täter von Magdeburg?
von Jenifer Girke und Jörn Ratering
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Verschwörungstheorien, anti-islamische Äußerungen, mutmaßliche AfD-Nähe: Wer ist dieser 50-jähriger Mann aus Saudi-Arabien, der in Magdeburg einen grausamen Anschlag verübt hat?
Verschwörungstheorien, anti-islamische Äußerungen, mutmaßliche AfD-Nähe - Wer ist dieser 50-jähriger Mann aus Saudi-Arabien, der in Magdeburg einen grausamen Anschlag verübt hat? 21.12.2024 | 2:11 min
Drei Tage vor Weihnachten weicht die Vorfreude auf das Fest schlagartig einer Welle an Fassungslosigkeit, Wut und Trauer. Ein Tag nach dem Anschlag in Magdeburg stellen sich viele Fragen. Eine davon: Wer ist der Mann, der diese Tat offenbar verübte?
50-jähriger Mediziner und Islamkritiker
Taleb A. - 50 Jahre, ursprünglich aus Saudi-Arabien, lebte und arbeitete als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Bernburg, etwa 50 Kilometer von Magdeburg entfernt.
2006 während seiner Facharztausbildung ist er nach Deutschland gekommen. Erst zehn Jahre später beantragte er politisches Asyl. Er begründete seinen Antrag in einem Artikel der "FAZ" von 2019 mit der Sorge, wegen seiner öffentlichen Islamkritik in seinem Heimatland getötet zu werden, sollte er zurück müssen.
Nach dem Anschlag von Magdeburg gibt es eine neue Debatte über die Sicherheitsbehörden in Deutschland und ihre Zusammenarbeit. ZDF-Reporterin Ferber berichtet aus Berlin.22.12.2024 | 1:23 min
Gründer des Forums "We are Saudis"
Taleb A. gründete das Forum "We are Saudis" und gab sich in der saudischen Exil-Community als Ansprechpartner für Asylsuchende. Seine Motivation: Männern und vor allem Frauen in Saudi-Arabien helfen, aus dem Land zu fliehen.
In Deutschland Asyl zu beantragen - davon riet er ab. Auf seinem X-Account behauptete er mehrfach, selbst von deutschen Behörden verfolgt zu werden. Der 50-Jährige zeigte sich im Netz politisch sehr aktiv mit zahlreichen islamkritischen Posts. Er verbreitete immer wieder Verschwörungstheorien und fürchtete offenbar eine Islamisierung Deutschlands. Dafür teilte er auch Posts der AfD, machte sich eins mit deren Islam-Kritik. Ein Sprecher von Parteichefin Alice Weidel sagte am Samstag der "Rheinischen Post", dass Taleb A. nie Mitglied der AfD war. Auch ein Mitgliedsantrag habe nie vorgelegen.
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Taleb A. passe in keine typische Tätergruppe
Am Tag des Anschlags veröffentlichte er mehrere Videos auf X, darin weitere skurrile Thesen und Beschuldigungen. Auf Englisch sagt er: "Ein anderer Grund, warum ich die deutschen Bürger für die Verfolgung verantwortlich mache, die ich in Deutschland erfahre, ist die Geschichte eines gestohlenen USB-Sticks aus meinem Briefkasten."
Der Extremismusforscher Matthias Quent erklärt das so: "Man spricht von einem sogenannten 'Salatbar-Extremismus oder -Terrorismus', also von einem Zusammenstellen eines individuellen Menüs." Hier kämen laut Quent verschiedene Dinge zusammen: "Persönliche Motive, persönliche Kränkungen, diese USB-Stick-Geschichte." So könne es auch zu einem individuell geformten extremistischen Bild kommen, in diesem Fall mit einem sehr dominanten, antimuslimischen, anti-Islam-orientierten Beigeschmack.
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Taleb A. passe laut Experten in keine typische Tätergruppe, zeigte aber in seinen Äußerungen extreme Ansichten und war offenbar zu extremen, gewaltsamen Taten bereit. Jetzt laufen die Ermittlungen, Ergebnisse müssen abgewartet werden.
Quent: "Zusammenhalt kann helfen"
Zusammenhalt, das habe sich in anderen Fällen von Terrorismus, von Anschlägen extremer Gewalt weltweit gezeigt, so Matthias Quent, könne einer Gesellschaft helfen mit einem solchen Ereignis fertig zu werden.
Das Ziel von politisch oder religiös motivierten Terroristen ist immer, die Gesellschaft zu spalten.
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Matthias Quent, Extremismusforscher
Es gehe ihnen darum, die Gesellschaft zu spalten, Angst zu verbreiten und das beste Rezept dagegen ist, wenn die Gesellschaft zusammenhält. "Da hat Kanzler Scholz heute in Magdeburg die richtigen Worte gefunden."
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