Nach Rückzug der Linken-Spitze:Bartsch: "Müssen unsere Rolle neu bestimmen"
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Der ehemalige Fraktionschef Dietmar Bartsch hat mit Gregor Gysi die Personaldebatte in der Linken angestoßen. Im Interview erklärt er, wie er zum Rückzug der Parteichefs steht.
Wie geht es für die Linkspartei weiter nach dem Rückzug der Parteispitze? Das sagt Dietmar Bartsch.
Quelle: dpa
ZDFheute: Sie haben Anfang Juli zusammen mit Gregor Gysi öffentlich eine "personelle Erneuerung" an der Parteispitze gefordert. War das notwendig, um die Parteivorsitzenden Janine Wissler und Martin Schirdewan zum Rückzug zu bewegen?
Dietmar Bartsch: Nein, es war ihre Entscheidung. Wir haben unsere Position klar gemacht und die war wahrhaftig nicht gegen die beiden gerichtet. Aber ich glaube, dass wir jetzt eine Chance haben, nicht mehr und nicht weniger, sowohl mit Blick auf die drei Landtagswahlen im Osten als auch auf den Oktober-Parteitag und natürlich mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Jahr. Bei der geht es für die Linke darum, wieder in den Bundestag einzuziehen. Es sind vor allem aber strategische und politische Fragen zu klären, wie Gregor Gysi und ich übrigens auch gefordert haben.
ZDFheute: Sie sagen, die Personaldebatte sei nicht gegen die beiden gerichtet gewesen. Aber wie ist "personelle Erneuerung" an der Parteispitze anders zu verstehen, man hat da doch sofort Frau Wissler und Herrn Schirdewan im Kopf?
Bartsch: Medial ist das so.
Aber ich bin sicher, dass es auf dem Parteitag eine grundlegende Erneuerung geben wird. Da geht es nicht ausschließlich um das Personal, sondern da geht es um viel mehr.
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Dietmar Bartsch
Wir müssen unsere Rolle - da hat Martin Schirdewan Recht - sowohl im Parteienspektrum, aber auch die Rolle einer linken Partei in diesem Jahrhundert neu bestimmen. Da reicht es nicht festzustellen, dass die Partei 8.000 neue Mitglieder bekommen hat. Das ist sehr gut, aber es geht um mehr: Wir müssen die Strukturen der Partei attraktiv machen, und die Partei wahlkampffähiger. Ich bin gerade in Sachsen im Wahlkampf unterwegs und sehe, dass das möglich ist.
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ZDFheute: Ist der Zeitpunkt für die Rückzugsankündigung jetzt - so kurz vor den wichtigen Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen - glücklich gewählt?
Bartsch: Das war die Entscheidung von Janine Wissler und Martin Schirdewan und dabei sollte man es auch belassen. Ich weiß, wovon ich rede. Wenn man eine Entscheidung trifft und sagt, es ist Schluss mit der Funktion, dann ist das eine individuelle Entscheidung und die muss respektiert werden.
ZDFheute: Eine Hoffnung war immer, dass für die Linke ohne Sahra Wagenknecht endlich alles besser wird - wurde es aber nicht. Schauen Sie manchmal mit Neid auf die Erfolge des BSW?
Bartsch: Nein.
Ich habe allerdings nie die These vertreten, dass es nach einer Trennung von Sahra Wagenknecht in irgendeiner Weise automatisch besser geht.
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Dietmar Bartsch
Ich finde den permanenten Bezug zu ihr falsch. Wir müssen und werden unseren eigenen Weg gehen. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Auf der Bundesebene heißt das, die Politik der Ampel zu kritisieren und konstruktive Vorschläge zu machen. Permanent über diese neue Formation zu reden oder sich daran zu orientieren, ist falsch.
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ZDFheute: Haben Sie Wunschkandidaten für die Nachfolge an der Parteispitze?
Bartsch: Ich könnte jetzt Wunschkandidaten nennen und sie damit beerdigen - das werde ich nicht tun.
ZDFheute: Der ehemalige linke Parteichef Bernd Riexinger hat sich nun für Jan van Aken ausgesprochen. Halten Sie das auch für eine gute Idee?
Bartsch: Ich finde es sehr unglücklich, wenn Herr Riexinger Vorschläge macht.
ZDFheute: Wie steht es um Ihre politische Zukunft: Werden Sie bei der nächsten Bundestagswahl nochmal antreten?
Bartsch: Diese Entscheidung werde ich nach dem Bundesparteitag treffen, wenn klar ist, wohin die Reise geht.
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von Dorthe Ferber
mit Video
ZDFheute: Sie haben eben gesagt, dass es da nicht reichen wird, nur das Personal auszutauschen. Was braucht es noch, damit es weitergeht?
Bartsch: Für uns ist der zentrale Maßstab die Bundestagswahl im nächsten Jahr. Wenn wir es schaffen, wieder in den Bundestag zu kommen, dann ist eine wichtige Tür aufgegangen, und wir haben Zeit, die Partei als Oppositionskraft und als in besonderer Weise in Ostdeutschland verankerte Partei wieder fit zu machen. Darum geht es: Schaffen wir es, die Tür zu öffnen. Die Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg werden da eine wichtige Zwischenetappe sein. Die Existenzfrage als relevante politische Kraft klärt sich dann im nächsten Jahr.
Das Interview führte ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer.
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