Landtagswahl in Sachsen 2024: Aggressivität prägt Wahlkampf
Wahlkampf in Sachsen:Die Parteien versuchen es mit Sachthemen
von Stefan Kelch, Dresden
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Wahlkampfveranstaltungen werden gestört; Wahlkämpfer angegriffen: Vor der Landtagswahl in Sachsen sehen sich die Parteien mit einer nie dagewesenen Aggressivität konfrontiert.
Zu den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen werben die Parteien längst nicht mehr nur über Wahlplakate. Auf den Sozialen Medien kommt dabei KI zum Einsatz - und nicht nur dort.
Quelle: dpa
Der Wahlkampf vor der Landtagswahl in Sachsen am 1. September nimmt Fahrt auf: Wahlhelfer schieben im Schutze der Dunkelheit Plakate ihrer Parteien an Hunderten von Laternenmasten hoch; die Landeszentrale für politische Bildung startet die ersten von über 60 Wahlforen; Spitzenkandidaten touren wöchentlich mit wechselnder Bundesprominenz durch die Lande.
Parteien haben nicht immer dieselben Themen wie die Bürger
Geprägt wird er durch große Unzufriedenheit des Volkes, vor allem mit der Bundespolitik. Ein belastendes Element in einer Wahl, die zu einem neuen sächsischen Landtag führen soll. Aber auch die Zufriedenheit mit der hierzulande seit fünf Jahren werkelnden Koalition aus CDU, Grünen und SPD ist alles andere als berauschend. Nur wenig mehr als 40 Prozent sind mit deren Arbeit zufrieden.
2024 wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Die AfD liegt in Umfragen knapp vor der CDU. Ministerpräsident Kretschmer setzt auf Ampel-Kritik, schließt eine Zusammenarbeit mit dem BSW nicht aus.27.07.2024 | 4:07 min
Die Parteien versuchen, ihre Themen wie soziale Gerechtigkeit (SPD), Recht und Ordnung (CDU) Klimawandel (Grüne), Machtwechsel (AfD), Frieden (BSW) an den Start zu bringen. Bei den Wählern stehen Themen wie Bildung, Corona-Aufarbeitung, Migration, Sicherheit und Pflege ganz oben.
Wahlkämpfer erleben enorme Aggressivität
Aber nicht deshalb wird das ein Wahlkampf, wie es ihn noch nicht gegeben hat in Sachsen. Sondern, weil sich die Wahlkämpfer mit einer nie dagewesenen Aggressivität konfrontiert sehen. Sie werden beim Plakateaufhängen attackiert; Kandidaten werden in Mails unter Druck gesetzt. Extremisten versuchen, Menschen davon abzuhalten, ihre Energie in Demokratie zu investieren.
Die stellvertretende Bundestagspräsidentin Yvonne Magwas (CDU) aus dem Vogtland wird aus diesem Grund die Politik verlassen. Sie erklärt: "Es wird gelogen, diskreditiert, gehetzt."
Die Demokratie und ihre Institutionen werden von AfD, Freien Sachsen, Drittem Weg, NPD und wie sie alle heißen, Tag für Tag und systematisch in Frage gestellt mit dem Ziel sie abzuschaffen.
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Yvonne Magwas, CDU, Bundestagsvizepräsidentin
Der Landrat von Mittelsachsen, Dirk Neubauer (parteilos), wirft seinen Job vorzeitig hin, nachdem ihn die rechtsextremen Freien Sachsen von seinem Wohnort vertrieben haben, er keinen Rückhalt für seine Themen bekam und er sich finanziell von der Landesregierung allein gelassen fühlte.
Die AfD will im September die Landtagswahl gewinnen. CDU-Ministerpräsident Kretschmer will das verhindern, doch die Koalitionspartner SPD und Grüne bangen um den Einzug in den Landtag.15.06.2024 | 4:12 min
Kretschmer bekommt Unterstützung von Söder
Mit Sachthemen in dieser aufgeheizten Atmosphäre zu Wählern durchzudringen ist schwer. Dagegen stemmt sich der unermüdlich Kontakt zum Wähler suchende Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Meist ist er allein. In letzter Zeit aber hat er die Unterstützung des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Beide sind vorzugsweise unterwegs im ländlichen Raum.
So in Dorfchemnitz. Einer Gemeinde im Erzgebirge mit dem deutschlandweit höchsten Prozentsatz an AfD-Wählern bei der letzten Landtagswahl: 47,4 Prozent. Die beiden wurde freundlich empfangen, keine Pöbeleien, aber auch Schulterzucken ob der Versprechungen von der Bühne herab. Hier glaubt man nur, was man sehen kann. Breitbandausbau - Fehlanzeige; Anbindung an den ÖPNV - Fehlanzeige; die seit 30 Jahren verfallene Hauptstraße - hat man gerade noch rechtzeitig vor der Wahl begonnen zu reparieren … immerhin.
Sie genießen die Sticheleien gegen die Bundesregierung und dass Kretschmer ihnen eine Grenzpolizei à la Bayern verspricht. Auch, dass Kretschmer auf keinen Fall mehr mit den Grünen regieren will, kommt gut an.
In ihren Dörfern und Städten sorgen junge Ostdeutsche ganz unterschiedlich dafür, dass es lebendig bleibt. Was sie am Westen nervt: Die ihnen aufgedrückten Stempel.14.07.2024 | 30:12 min
Grüne und SPD bangen um Einzug in den Landtag
Muss er vielleicht auch nicht. Die Grünen bangen um einen Einzug ins Parlament, wenn sie Umfragen glauben. Der SPD geht es nicht besser, was die Umfragen angeht. Spitzenkandidatin Petra Köpping präsentiert sich dennoch als Partnerin für die Union.
Seit der Corona-Pandemie finden in Zittau montags Demonstrationen von Menschen, die mit der Regierungspolitik unzufrieden sind, statt. Thomas Pischel ist einer von ihnen. 12.07.2024 | 27:44 min
Umfragewerte von AfD und BSW auch ohne Wahlkampf gut
Dem Bündnis von Sahra Wagenknecht (BSW) und der AfD geht das nicht so. Die machen bislang kaum Wahlkampf. Brauchen sie auch nicht. Denn das BSW fischt im Pool der Unentschlossenen und wird weiterhin als Alternative zu verschiedenen Parteien wahrgenommen.
Die AfD verlässt sich auf ihre Stammwählerschaft, hofft auf 40 Prozent und könnte die Sachsen-CDU auf Platz zwei verweisen. Eine Regierung könnte sie nicht stellen. Aber die anderen Parteien wären zu Kompromissen gezwungen, die sie in Identitätskrisen stürzen könnten.
Stefan Kelch ist Korrespondent im ZDF-Landesstudio in Sachsen.
Vor allem mit Blick aufs Abschneiden der AfD wird auf die Wahl in Sachsen geschaut. Der Wahl-O-Mat vergleicht, wie die Positionen der Parteien mit Ihren Interessen übereinstimmen.
von Katrin Meyer
mit Video
Quelle: dpa
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