Spahn will härtere Sanktionen bei Bürgergeld

    Angestrebte Verfassungsänderung:Spahn will härtere Sanktionen bei Bürgergeld

    |

    Um Jobverweigerern Gelder zu streichen, fordert Jens Spahn, die Verfassung zu ändern. Pläne von Arbeitsminister Heil gehen in diese Richtung. Spahn gehen sie nicht weit genug.

    Jens Spahn
    Spahn ist der Ansicht, wem ein Jobangebot gemacht werde, der habe die Pflicht, dieses auch zu nutzen.
    Quelle: Imago Images

    Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, für eine Streichung des Bürgergelds für Jobverweigerer das Grundgesetz zu ändern. "Menschen, die arbeiten können und ein Jobangebot erhalten, dies aber nicht annehmen, sollten im Grunde kein Bürgergeld mehr bekommen", sagte Spahn den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

    Wenn hier eine generelle Streichung durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht gedeckt ist, sollten wir eben die Verfassung ändern.

    Unionsfraktionsvize Jens Spahn (CDU)

    Wem ein Angebot gemacht oder wer gefördert werde, der habe laut Spahn die Pflicht, dies auch zu nutzen. "Wer sich dann immer noch verweigert, kann sich nicht darauf verlassen, durch andere finanziert zu werden. Das lässt sich so auch in die Verfassung aufnehmen."

    Heil kündigt Sanktionsmöglichkeiten an

    Die jüngst von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplanten Sanktionsverschärfungen im Bürgergeld seien ein erster Schritt in die richtige Richtung, "aber sie reichen noch lange nicht aus", sagte Spahn.
    Heil hatte angekündigt, "Sanktionsmöglichkeiten gegen Totalverweigerer" verschärfen zu wollen. Lediglich die Wohnkosten soll der Staat dann noch übernehmen, damit die Betroffenen nicht obdachlos werden.
    Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD, im Berlin-direkt-Studio
    Arbeitsminister Heil (SPD) kündigt an, mit härteren Sanktionen gegen "Totalverweigerer" vorzugehen. Das Bürgergeld sei "kein bedingungsloses Grundeinkommen", sagt er im ZDF.07.01.2024 | 5:18 min
    Das Bundeskabinett hatte am Montag grünes Licht für die geplanten Verschärfungen gegeben. So sollen Jobcenter künftig Arbeitslosen das Bürgergeld für maximal zwei Monate komplett streichen können, wenn die Betroffenen eine Arbeitsaufnahme nachhaltig verweigern.






    "Die Möglichkeit der Arbeitsaufnahme muss tatsächlich und unmittelbar bestehen und willentlich verweigert werden", heißt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im entsprechenden Entwurf eines Haushaltsfinanzierungsgesetzes.

    Kritik an Heils Plänen

    Die Grünen halten die geplante Streichung aber für voraussichtlich verfassungswidrig. "Das Bundesverfassungsgericht hat 2019 geurteilt, dass Sanktionen im Regelfall nur bis zu einer Höhe von 30 Prozent gerechtfertigt werden können", sagte Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch kürzlich der Düsseldorfer "Rheinischen Post".
    Hubertus Heil
    Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Bürgergeldempfängern bei Arbeitsverweigerung die Leistungen weitgehend kürzen. Kritik kommt von den Sozialverbänden.29.12.2023 | 1:25 min
    Kritik an Heils Plänen kommt auch von den Gewerkschaften. IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte die Pläne als "reine Symbolpolitik". "Wir haben eine äußerst geringe Zahl radikaler Jobverweigerer", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

    IG-Metall-Chefin: "Lasst doch mal die Kirche im Dorf"

    Benner attackierte die Union, die eine unschöne Polarisierung betrieben habe. "Herr Merz und Herr Söder spielen Mindestlohnempfänger gegen Bürgergeldempfänger aus. Das ist unverantwortlich", sagte sie.

    Lasst doch mal die Kirche im Dorf. Es geht hier um Menschen, denen es ökonomisch beschissen geht.

    Christiane Benner, IG-Metall-Chefin

    ARCHIV - 09.11.2022, Bayern, Kaufbeuren: ILLUSTRATION - «Bürgergeld» ist auf der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durch eine Brille zu lesen. Nach der Einigung im Vermittlungsausschuss sollen Bundestag und Länderkammer in ihren Sitzungen am Freitag, 24. November, abschließend über die Sozialreform abstimmen.
    Als Ausgleich für die Inflation ist der Regelsatz beim Bügergeld ab Januar deutlich gestiegen.05.01.2024 | 1:40 min
    Die IG-Metall-Chefin sagte, hier werde "nach unten getreten, obwohl es schwarze Schafe häufig auf der Kapitalseite gibt - Steuerflucht, Betrug, Täuschung. Und die verursachen größeren Schaden, auch gesellschaftlich, als die wenigen Bürgergeldempfänger, auf die sich die Diskussion gerade einschießt."
    Quelle: dpa, AFP

    Mehr zum Bürgergeld