Tesla in Grünheide: Hohe Polizei-Auflagen für Protestcamp

    Bei Tesla-Werk in Grünheide:Hohe Polizei-Auflagen für Protestcamp

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    Seit Wochen protestieren Umweltaktivisten gegen eine geplante Erweiterung des Tesla-Werks in Grünheide. Vorerst darf das Camp bleiben - unter hohen Auflagen der Polizei.

    Eine Aktivistin seilt sich in einem Camp der Initiative "Tesla stoppen" in einem Kiefernwald nahe der Tesla-Gigafactory Berlin-Brandenburg von einem Hochsitz ab am 15.03.2024.
    Die Protestcamper bei Tesla in Grünheide bekommen bis Montag Zeit zum Rückbau.
    Quelle: dpa

    Das Protestcamp gegen die Tesla-Erweiterung in Grünheide bei Berlin muss in der jetzigen Form abgebaut werden - aber nicht sofort.
    Zwar bestätige die Versammlungsbehörde eine Verlängerung bis zum kommenden Donnerstag, allerdings müssten erhebliche Auflagen erfüllt werden, die unter anderem den Abbau der Baumhäuser vorsehen, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Freitag in Potsdam. Bis zum kommenden Montag hätten die Aktivisten Zeit für den Rückbau, sonst drohe eine Räumung.

    Polizeipräsenz soll "deutlich" gesteigert werden

    Der Minister kündigte an, die Polizeipräsenz in der Umgebung des Werks "deutlich zu steigern". Es gehe darum, mögliche Übergriffe auf Tesla zu verhindern und "bisher uninteressierte, gewaltbereite" Menschen abzuschrecken, die sich nun motiviert fühlten, nach Brandenburg zu kommen. Stübgen sagte:

    Lassen Sie es bleiben, es lohnt sich nicht.

    Michael Stübgen (CDU), Innenminister von Brandenburg

    Die Polizei werde konsequent gegen Verstöße vorgehen.
    Protestplakat gegen Tesla
    Im brandenburgischen Grünheide haben mehrere Hundert Menschen protestiert. Die einen gegen den Ausbau der Tesla-Gigafactory, die anderen dafür, weil sie darin eine wirtschaftliche Chance für die Region sehen.11.03.2024 | 1:58 min

    Aktivisten wollen sich gegen Auflagen wehren

    Ziel der Aktivisten ist es, eine Rodung des Waldstücks im Zuge einer geplanten Erweiterung des Tesla-Geländes mit Güterbahnhof zu verhindern. Eine Mehrheit der Bürger von Grünheide hatte gegen eine Erweiterung gestimmt. Die Gemeinde Grünheide will den Konflikt entzerren und schlägt vor, dass nur etwa die Hälfte des Waldes gerodet wird.
    Die Aktivisten machten am Freitag klar, dass sie den Auflagen nicht entsprechen wollten. Ein Sprecher der Initiative "Tesla stoppen" sagte am Freitagabend:

    Wir werden die Baumhäuser nicht zurückbauen.

    Sprecher der Initiative "Tesla stoppen"

    Für sie ist nach eigener Aussage der Rückbau der Baumhäuser als elementarer Teil des Protestes undenkbar. Die Form ihres Protestes bestehe im Bauen der Baumhäuser und darin, sich den Plänen Teslas in den Weg zu stellen. Ein Eilantrag gegen die Auflagen und den sofortigen Vollzug sei auf dem Weg, sagte der Sprecher.

    Stübgen: Aktivisten träumen von "Lützerath des Ostens"

    Der Innenminister sieht nach eigenen Worten eine zunehmende Radikalisierung bei einigen Teilnehmern. Viele Beteiligte träumten von einem "Lützerath des Ostens", sagte der Innenminister. Sie wünschten sich ein "europäisches Zentrum gegen den Ökofaschismus". Und weiter: "Unser Ziel ist das nicht."
    Klimaaktivisten hatten Lützerath im Rheinischen Braunkohlerevier in Nordrhein-Westfalen besetzt, die Polizei räumte den Protest bei einem tagelangen Großeinsatz.
    SGS Slomka von Notz
    Spätestens der Anschlag auf das Tesla-Werk in Grünheide zeigt: Kritische Infrastruktur braucht besseren Schutz. An einem entsprechenden Gesetz arbeitet die Ampel schon länger.11.03.2024 | 3:07 min

    Protestcamps können mit Auflagen versehen werden

    Die Aktivisten hatten das Camp wie eine Demonstration als politische Versammlung angemeldet. Solche Veranstaltungen unterliegen dem Versammlungsrecht und müssen von der Polizei nicht extra genehmigt werden. Sie können aber unter bestimmten Umständen untersagt oder mit Auflagen versehen werden.
    Im Fall einer langfristigen Besetzung des Waldes sind auch Natur- und Artenschutzbelange zu prüfen, erklärte Stübgen.

    Protestcamper: Haben mit Anschlag nichts zu tun

    Die Initiative des Protestcamps betont, sie habe mit einem Anschlag nichts zu tun. Bisher unbekannte Täter hatten in der vergangenen Woche auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der Teil der Stromversorgung der Autofabrik ist. Die Produktion kam über mehrere Tage zum Erliegen.
    Die linksextreme Vulkangruppe erklärte, sie sei für den Anschlag verantwortlich, die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.
    dietmar-woidke
    Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) verurteilt den Anschlag auf die Stromversorgung nahe der Tesla-Fabrik bei Berlin scharf. "Das ist ein Anschlag auf den Wirtschaftsstandort insgesamt", so Woidke.11.03.2024 | 4:28 min
    Quelle: dpa

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