Fußball-Bundesliga: Hertha zwischen Aufbruch und Abgrund

    Mit neuem Investor:Hertha zwischen Aufbruch und Abgrund

    von Florian Vonholdt
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    Ein neuer Geldgeber war bei Hertha BSC dringend nötig und ist mit 777 Partners gefunden. Nun herrscht große Unsicherheit: Auf wen hat sich der Klub da diesmal eingelassen?

    Berlin: Fußball: Bundesliga, Hertha BSC Fans
    Hertha BSC Fans skeptisch gegenüber 777 Partners
    Quelle: dpa

    Viele Fans von Hertha BSC stellen sich dieser Tage die Frage, auf welcher Ebene der Absturz ihres Klubs dramatischer ausfällt: auf der sportlichen mit dem Abrutschen des Klubs in die Zweitklassigkeit oder der finanziellen mit dem neuen Investor 777 Partners, einer US-Investmentfirma.
    Wie bedenklich die Finanzlage nach dreieinhalb Jahren mit Investor Lars Windhorst und dessen Tennor Holding ist, wurde dagegen schon jetzt deutlich – beim Abschluss der Kooperation mit dem neuen Geldgeber. Was sich dabei auch zeigte: In welch schlechte Verhandlungsposition sich Hertha durch jahrelange Misswirtschaft und trotz der 375 erhaltenen Windhorst-Millionen manövriert hat.
    Hertha BSC bekommt einen neuen Geldgeber. Die US-amerikanische Investmentfirma "Triple Seven" will 100 Millionen in den Hauptstadtklub investieren.14.03.2023 | 1:12 min

    Geld von 777 sichert Hertha die Lizenz

    Mit Beginn des Engagements steckte 777 (ausgesprochen "Triple seven") direkt 100 Millionen Euro in den finanziell angeschlagenen Hauptstadtklub – und sicherte ihm damit die Lizenz für die kommende Saison. Die wäre aufgrund von 90 Millionen Euro Verbindlichkeiten und einem negativen Eigenkapital von -15,1 Millionen Euro gefährdet gewesen. Der Deal war also alternativlos für den Bundesligisten von der Spree.

    Fußballexpertise holte sich das Unternehmen auch aus Deutschland. Sportdirektor der Football Group bei 777 ist der Heidelberger Johannes Spors, einst Videoanalyst in Hoffenheim und Chefscout bei RB Leipzig und dem HSV. Chef der Football Group ist der Engländer Don Dransfield. Der half zuvor, das Vereinsnetzwerk der City Football Group um Topklub Manchester City aufzubauen.

    Im Gegenzug musste Hertha mehr Zugeständnisse machen als jemals zuvor. Zunächst erhält 777 Partners deutlich mehr Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KG als Windhorst: 78,8 Prozent statt zuvor 64,7. Der eingetragene Verein besitzt nur noch eine Sperrminorität von 25,1 Prozent, was möglich ist, da nicht alle verkauften Anteile Stimmrechte beinhalteten.

    Herthas Gewinnbeteiligung minimal

    Dazu, so legt ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Montag offen, wurde den US-Amerikanern durch einen Sitz im Beirat, der Spielertransfers zustimmen muss, ein Mitspracherecht bei allen Zu- und Abgängen eingeräumt. Damit nicht genug: Sollte Hertha irgendwann wieder schwarze Zahlen schreiben, so gehen satte 95 Prozent des Gewinns an 777 und nur fünf Prozent an den Klub.

    Die US-Investmentfirma 777 Partners wurde 2015 gegründet und investiert ihr Geld seit 2021 verstärkt in Profi-Fußballklubs auf der ganzen Welt. Beim FC Sevilla, dem CFC Genua, Vasco da Gama, Standard Lüttich, Red Star Paris und Melbourne Victory hält man unterschiedlich hohe Anteile. Hertha ist Klub Nummer sieben und soll nicht der letzte bleiben. Man möchte künftig auch in der wirtschaftlich starken Premier League vertreten sein. Der FC Everton gilt als Kandidat.

    Schon bevor diese erstaunlichen Zahlen und Zugeständnisse publik wurden, war die Skepsis unter den Hertha-Fans bezüglich des neuen Geldgebers groß. "Investoren unerwünscht" stand auf einem Berliner Fan-Plakat bei der blutleeren 1:3-Niederlage bei der TSG Hoffenheim. Schaut man sich in den Sozialen Medien um, ist das unter den Anhängern der "Alten Dame" alles andere als eine Einzelmeinung.

    Präsident besteht auf Berliner Weg

    Dass 777 nun selbst nach weiteren Geldquellen für seine Fußball-Projekte sucht und dabei nach Saudi-Arabien schielt, macht es den Fans nicht leichter zu glauben, dass Herthas Klubführung um Präsident Kay Bernstein ein gutes Geschäft gemacht hat.

    Weber und Neuendorf
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    Benjamin Weber
    Dabei war der Vereinschef krampfhaft darum bemüht, nach dem abgeschlossenen Deal Aufbruchstimmung zu verbreiten. Bernstein wolle wieder "mehr Demut, mehr Identifikation, mehr Emotionalität für die Sache haben", sagte er im Interview mit Pay-TV-Sender Sky. Er kündigte zudem an:

    Wir haben jetzt mit dem Berliner Weg angefangen und werden ihn konsequent weitergehen.

    Kay Bernstein, Hertha-Präsident

    Hertha-Fehler der Vergangenheit schüren Zweifel

    Wohin dieser Weg führen wird, ist jedoch ungewisser denn je. Fakt ist nur, dass man für ihn weiterhin auf fremdes Geld angewiesen ist und beim Blick auf die bekannt gewordenen Vertragsbedingungen stellt sich die Frage, wie selbstbestimmt dieser Weg überhaupt noch ist.
    Bernstein bringt die neue Kooperation auf eine einfache Formel, sagt: "Letztendlich geht es darum: wenn wir erfolgreich sind, sind sie (777, Anm.d.Red.) auch erfolgreich, also müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen." Doch genau daran haben viele, die es mit Hertha BSC halten, ihre Zweifel. Weil sie wissen: richtige Entscheidungen wurden in den letzten Jahren in ihrem Verein nicht allzu viele getroffen.

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