DFB wird Infantino bei Wiederwahl nicht unterstützen

    FIFA-Boss vor nächster Amtszeit :DFB wird Infantino nicht unterstützen

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    Lange ringt der DFB um den richtigen Umgang mit Gianni Infantino. Die Wiederwahl soll nun nicht unterstützt werden. Gleichwohl steht der FIFA-Boss vor der nächsten Feierstunde.

    Gianni Infantino
    Gianni Infantino braucht sich beim anstehenden FIFA-Wahl-Kongress keine Sorgen um seine Wiederwahl zu machen. Die überwiegende Mehrheit der Delegierten steht hinter ihm.
    Quelle: IMAGO / Shutterstock

    Auf den Fluren der edlen FIFA-Hotels in Ruanda herrschte rege Betriebsamkeit. In den vielen Gesprächen über den heiklen Umgang mit dem schier unantastbaren Gianni Infantino fand der Deutsche Fußball-Bund nach langem Ringen eine erstmals deutliche Antwort.

    Der DFB wird die Wiederwahl von FIFA-Präsident Gianni Infantino in Kigali nicht unterstützen.

    DFB-Präsident Bernd Neuendorf

    Die FIFA müsse im Umgang mit den nationalen Verbänden deutlich offener und transparenter werden, forderte Neuendorf. "Sie sollte im eigenen Interesse erklären, wie und warum bestimmte Entscheidungen zustande kommen und wer an ihnen mitgewirkt hat. Das ist zuletzt nicht immer der Fall gewesen."
    Die ablehnende Reaktion teilte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Mittwochmittag mit - im Wissen, dass die Wiederwahl des Schweizers beim Wahlkongress des Fußball-Weltverbands am Donnerstag (8 Uhr MEZ) dennoch nur Formsache bleibt. Infantino wird aller Kontroversen zum Trotz im Amt bestätigt, ohne Gegenkandidaten und wahrscheinlich mit großem Applaus.

    Infantino weiß Mehrheit hinter sich

    Neuendorf hatte die Unterstützung des mitgliederstärksten Verbands vor der Abreise nach Afrika zuletzt noch offengelassen, mit wohlüberlegten Formulierungen die direkte Konfrontation vermieden - anders als etwa die Schweden oder FIFA-Kritikerin Lise Klaveness an der Spitze des norwegischen Verbands.
    Neuendorf, der gemeinsam mit anderen Europäern im "One Love"-Streit bei der WM in Katar von Infantino brüskiert worden war, weiß um die Abhängigkeiten. Im kommenden Jahr wird die Frauen-WM 2027 vergeben, um die sich auch der DFB bewerben wird. Die europäische Kritik an Infantino, gegen den in der Schweiz zwei Sonderstaatsanwälte in einer undurchsichtigen Justiz-Affäre ermitteln, wird in großen Teilen der Fußballwelt nicht geteilt. Im Gegenteil, Infantino weiß um die begeisterte Unterstützung der Mehrheit der 211 FIFA-Mitglieder.
    FIFA-Präsident Gianni Infantino.
    Gianni Infantino hat den Fußball-Weltverband FIFA fest im Griff. Sportjournalist Manu Thiele über das System Infantino und was das für den europäischen Fußball zu bedeuten hat.09.03.2023 | 15:57 min

    FIFA-Boss mit besten Beziehungen zu Saudi Arabien

    Infantino hat seine Macht seit 2016 und der Ablösung des da schon gesperrten Joseph Blatter kontinuierlich ausgebaut. Die vor seiner Amtszeit vergebene WM nach Katar meisterte Infantino mit großer Anbiederung an das Gastgeberland. Nach Saudi-Arabien, das auch gerne eine Endrunde ausrichten will, pflegt der umtriebige Schweizer beste Beziehungen. Dass das in der FIFA-Welt beklatscht statt wie von Menschenrechtsorganisationen kritisch beäugt wird, liegt insbesondere am großen Geld.
    Von 2019 bis 2022 schüttete die FIFA gut eine Milliarde US-Dollar an ihre Mitgliedsverbände aus. Von 2023 bis 2026 soll die Summe für jeden einzelnen der 211 Verbände auf acht Millionen US-Dollar steigen. Nicht eingerechnet in die erwarteten Einnahmen von elf Milliarden für den nächsten WM-Zyklus sind die erst am Dienstag beschlossenen Expansionspläne.

    Mehr Spiele und mehr Erlöse bei WM 2026

    Die Anzahl der Spiele bei der WM-Endrunde 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wurde von 80 auf 104 erhöht. Ab 2025 wird mit der Club-WM mit 32 Mannschaften das nächste Highlight-Turnier mit großem Erlösversprechen organisiert.
    So bleibt es eine Illusion, dass sich in der riesigen FIFA, in der die Stimme aus Macau so viel zählt wie die aus Deutschland, tatsächlich eine schlagkräftige Opposition bildet. Zumal auch in sportlichen Fragen in den kleinen Nationalverbänden die Bedenken der historisch erfolgreichen Nationen nicht geteilt werden. Eine in der Qualität verwässerte WM mit mehr Teilnehmern ist den schlechter platzierten Fußballländern lieber als eine mit ausschließlich den Messis und Musialas dieser Welt - aber ohne sie selbst.

    Infantino noch bis 2031 im Amt?

    "Wir müssen ihn auch an seinen Taten messen", hatte Neuendorf zuletzt über Infantino gesagt, erst im April wird der DFB-Präsident vom Kongress der Europäischen Fußball-Union ins FIFA-Council gewählt. Zuletzt ließ sich Infantino vom Council bescheinigen, dass die ersten gut drei Jahre seiner Zeit als FIFA-Präsident nicht gegen die Amtszeitbegrenzung zählen. So könnte er auch in vier Jahren noch einmal wiedergewählt werden und seinen Posten bis 2031 behalten. 
    Dass Infantino während seiner bislang sieben Jahre längst nicht alle seiner teils abenteuerlichen Pläne umsetzen konnte, lag am geschlossenen Widerstand aus Europa. Dabei ging es aber nicht um Menschenrechte und Statuten, sondern wieder ums Geld. Eine WM alle zwei Jahre oder eine globale Nations League hätten die Milliarden-Einnahmen der UEFA und deren eigene Wettbewerbe gefährdet.

    Markus N. Beeko im Sportstudio
    :Amnesty: "Es braucht Druck auf die FIFA"

    Der Generalsekretär von Amnesty International fordert, Katars Arbeiter zu entschädigen. Der Auftritt von FIFA-Chef Infantino zeige, dass es beim Thema Menschenrechte Druck brauche.
    von Laura Marie Mertes
    Markus N. Beeko
    Quelle: dpa
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