COP28 und Klimafinanzierung: Investoren gesucht

    COP28 in Dubai:Investoren gesucht für den Schutz des Klimas

    von Nadja Kaltwasser
    |

    In Dubai gibt es erste finanzielle Hilfen für Entwicklungsländer, die unter Klimafolgen leiden. Doch dafür braucht es richtig viel Geld - wie auch für das Erreichen der Klimaziele.

    Verbrannte Bäume nach einem Waldbrand im Pantanal, einem der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Welt, am 12.11.2023.
    Im Jahr 2023 sind weltweit ungewöhnlich viele Wälder abgebrannt.
    Quelle: dpa

    Für Maßnahmen der Schadensbegrenzung (Mitigation) und der Anpassung an den Klimawandel (Adaptation) werden schon lange nicht mehr Milliarden, sondern eher Billionen US-Dollar gebraucht. Die Internationale Energie Agentur (IEA) rechnet damit, dass weltweit das Dreifache der aktuellen jährlichen Investitionen allein für eine globale Energiewende benötigt werden: 2,2 bis 2,8 Billionen US-Dollar.
    Es ist offensichtlich, dass besonders Entwicklungs- und Schwellenländer Schwierigkeiten haben, die entsprechenden Summen aufzubringen oder zu mobilisieren.



    Woher sollen die Mittel fürs Klima kommen?

    Neben den Staaten und den Entwicklungsbanken rücken immer mehr private oder sogenannte "institutionelle Investoren" - wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen oder Vermögensverwalter - in den Fokus. Gerade letztere verfügen über große Summen.
    Die Allianz zum Beispiel betreut für ihre Versicherungskunden ein Anlageportfolio von circa 706 Milliarden Euro; Asset Manager Pimco und Allianz Global Investors verwalten zusätzlich 1,7 Billionen Euro für Dritte. Der weltgrößte Vermögensverwalter, Blackrock, managte im Juli 2023 9,4 Billionen US-Dollar. 2022 lag allein die Summe des verwalteten Vermögens global bei knapp 100 Billionen US-Dollar.
    Prof. Hermann Lotze-Campen | Nachhaltigkeitsforscher Potsdam-Institut für Klimafolgen
    Der Fonds für Klimaschäden ist "ein richtiger Schritt", so Nachhaltigkeitsforscher Prof. Hermann Lotze-Campen.01.12.2023 | 5:51 min
    Bisher finden diese Gelder noch nicht so richtig ihren Weg in Klimaprojekte des globalen Südens. Die Gründe sind: Höhere finanzielle Risiken und Unsicherheiten, beispielsweise was die Verhältnisse und Bedingungen vor Ort anbetreffen oder welche Projekte geeignet und tatsächlich auch im Sinne des Klimaschutzes sind.

    Möglichkeit zur Finanzierung: Blended Finance

    Eine Idee, diese Vorbehalte zu überwinden, ist die Bildung von Partnerschaften zwischen privaten bzw. institutionellen Investoren und öffentlichen Institutionen, z.B. den Multilateralen Entwicklungsbanken. "Blended Finance" heißt eine dieser Möglichkeiten.
    Die großen Entwicklungsbanken haben im Laufe ihrer jahrzehntelangen Arbeit Erfahrungen in und mit Entwicklungs- und Schwellenländern gesammelt. Und sie können selbst auch Geld zu dieser Partnerschaft beisteuern.

    ... sind Entwicklungsbanken, die global von Geber- und Empfängerländern gemeinsam getragen werden. Hauptziel ist, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Schwellen- und Entwicklungsländer zu unterstützen und - neuerdings verstärkt - den Schutz der "globalen öffentlichen Güter" wie saubere Umwelt, stabiles Klima, Frieden und globale Gesundheit zu fördern.
    Die Entwicklungsbanken finanzieren Projekte - auch durch Vergabe von Krediten -, mobilisieren Kapital und beraten. Damit sind sie zentrale Akteure der internationalen Entwicklungsfinanzierung.

    Ein Beispiel: Die Allianz Gruppe ist im Rahmen des "MCPP One Planet Programms" eine Partnerschaft mit der IFC, Tochter der Weltbank eingegangen. Die Allianz stellt eine Milliarde bereit, 112 Millionen kommen von der Entwicklungsbank. Diese übernimmt auch einen Teil des anfänglichen Risikos.
    Mit der Expertise der IFC werden so Darlehen in Entwicklungs- und Schwellenländern vergeben, die mit den Zielen des Pariser Abkommens in Einklang stehen. Für die Auswahl der Projekte und die Überprüfung sorgt die Weltbank.

    Grüne Anleihen für das Klima: Green Bonds

    Eine Möglichkeit der Klimafinanzierung für private Geldanleger sind die sogenannten Green Bonds. Staaten, Banken und Unternehmen können Grüne Anleihen ausgeben, sozusagen Jeder und Jede kann sie kaufen. Auch Deutschland bietet grüne Bundeswertpapiere an, um damit Klimaprojekte im eigenen Land zu finanzieren.
    Waldbrand
    Auf der Klimakonferenz COP28 beraten fast 190 Staaten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Unsere Korrespondenten in Brasilien, China und den USA berichten dazu aus ihren Ländern.01.12.2023 | 3:26 min
    Brasilien hat im November erstmals grüne Anleihen ausgegeben und damit zwei Milliarden US-Dollar eingesammelt. Laut Bloomberg wurden in den ersten drei Quartalen 2023 fast 423 Milliarden US-Dollar über Green Bonds aufgebracht.
    Für Schwellen- und Entwicklungsländer sind Grüne Anleihen eigentlich eine gute Möglichkeit, Geld für Schadensbegrenzungs- oder Anpassungsmaßnahmen zu leihen. Oft fehlen aber gerade dort die "finanztechnischen" Voraussetzungen.

    Wie grün sind Green Bonds?

    Auch bei dieser Option sind Unsicherheiten ein bedeutendes Hindernis. Dabei spielt unter anderem die Frage eine große Rolle, wie "grün" im jeweiligen Fall definiert ist.
    Frans Timmermans
    Zum Klimaschutz müssen wir auch am Standort Deutschland "in neue Technologien investieren", so der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermans.02.05.2023 | 5:18 min
    Die EU hat dafür kürzlich einen der ersten Standards für Green Bonds aufgestellt: die EU-Taxonomie. Damit Grüne Anleihen auch in Ländern funktionieren, in denen das Geld besonders gebraucht wird, unterstützt und berät auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor Ort.
    Nadja Kaltwasser ist Redakteurin in der Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Service, Soziales, Umwelt.

    Mehr über Klimaschutz