Trotz Umsatzplus: Warum Preise im Einzelhandel steigen
Trotz Umsatzplus:Warum Preise im Einzelhandel weiter steigen
von Anne Sophie Feil
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Der deutsche Einzelhandel hat 2024 mehr Umsatz gemacht. Trotzdem beklagen viele Händler fehlende Kunden und sehen sich gezwungen, Preise zu erhöhen. Wie passt das zusammen?
Der deutsche Einzelhandel verzeichnet nach zwei Minus-Jahren wieder Wachstum. Die Umsätze stiegen 2023 um 2,5 Prozent. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller berichtet aus Frankfurt.31.01.2025 | 0:51 min
Es klingt eigentlich vielversprechend: Der deutsche Einzelhandel hat im vergangenen Jahr 2,5 Prozent mehr Umsatz erzielt als noch 2023. Bereinigt um Preiserhöhungen bleibt ein reales Wachstum von 1,1 Prozent, so das Statistische Bundesamt am Freitag.
Gleichzeitig haben viele Handelsbetriebe vor, ihre Waren teurer anzubieten. Laut Ifo-Konjunkturumfrage sollen vor allem die Preise für Spielwaren, Bekleidung, Blumen und Schreibwaren steigen. Bei Nahrungsmitteln und Getränken, elektrischen Geräten, in Baumärkten und im Kfz-Handel lässt der Preisdruck hingegen nach. Im Fahrradhandel planen die befragten Unternehmen im Schnitt sogar mit sinkenden Preisen.
Inflation und Wettbewerbsdruck belasten die Branche
Zwar ist der Umsatz im vergangenen Jahr gestiegen. Gleichzeitig allerdings auch die Kosten. Für viele Händlerinnen und Händler bleibt daher kaum Gewinn übrig. Energie ist nach wie vor teuer und durch höhere Tariflöhne steigen die Personalausgaben. Zudem kämpfe der Einzelhandel seit Jahren mit einer überbordenden Bürokratie, ergänzt Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbands HDE, gegenüber dem ZDF.
Auch Billigkonkurrenz aus Asien verdränge deutsche Händlerinnen und Händler aus dem Markt. "Wenn unfaire Wettbewerbsbedingungen, zum Beispiel aus China von Temu oder Shein, an der Tagesordnung sind, werden Preise angeboten, die europäische und deutsche Industrie und Handel nicht darstellen können", so von Preen.
Der Einzelhandel ist ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft und die drittgrößte Wirtschaftskraft des Landes. Er erwirtschaftet 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Mit rund 3,2 Millionen Beschäftigten ist er einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Und auch lebendige Innenstädte hängen davon ab, dass es den Händlern gut geht und die Läden geöffnet haben.
Quelle: Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE)
Kunden halten sich beim Konsum zurück
Ein weiteres Problem: Wegen der Preissteigerungen in den vergangenen Jahren haben die Menschen weniger Geld ausgegeben. Was nun durch Lohnerhöhungen rein kommt, sparen sie lieber. 11,6 Prozent des verfügbaren Einkommens wurde 2024 durchschnittlich gespart. Das ist laut Statistischem Bundesamt so viel wie seit Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr.
Besserung scheint zunächst nicht in Sicht. Für das laufende Jahr erwartet der HDE ein geringeres Umsatzwachstum von zwei Prozent. Preisbereinigt bedeute das voraussichtlich ein Plus von 0,5 Prozent für die Branche. Laut HDE-Unternehmensumfrage geht knapp die Hälfte der 700 Befragten Händlerinnen und Händler davon aus, dass die Geschäfte 2025 schlechter laufen werden als im vergangenen Jahr.
Kurz vor Heiligabend hoffen die Händler im Weihnachtsgeschäft auf einen letzten Schub. Doch die Geschäfte laufen nur mäßig, da viele Menschen auf ihre Ausgaben achten.22.12.2024 | 1:25 min
Hoffnung liegt auf neuer Bundesregierung
"Der Konsum und der Einzelhandel in Deutschland kommen auch 2025 nicht richtig in Schwung", sagt Hauptgeschäftsführer Stefan Genth vom Branchenverband HDE. Das stelle die Branche weiter vor Herausforderungen.
Es ist schlicht zu viel Unsicherheit im System. Unkalkulierbare Kriege und Konflikte, hohe Energiekosten und eine gesamtwirtschaftliche Stagnation sind ein toxischer Cocktail für den Konsum.
„
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer vom Branchenverband HDE
Deshalb müsse es jetzt für die kommende Bundesregierung darum gehen, bessere Rahmenbedingungen für die Handelsunternehmen zu schaffen.
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