Elbbrücke Bad Schandau: Firmen fürchten um Transporte
Bad Schandau:Brückenärger an der Elbe: Firmen in Sorge
von Stefan Kelch
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Vor zehn Wochen wurde die Elbbrücke in Bad Schandau gesperrt wegen schwerer Schäden im Spannbeton. Die Menschen müssen eine Stunde Umweg fahren, mit Folgen auch für die Wirtschaft.
Die Sperrung der maroden Elbbrücke hat deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region. 65 Prozent der Unternehmen haben aufgrund der Sperrung deutlich weniger Aufträge.17.01.2025 | 1:59 min
Die Umleitungen führen durchs Gebirge, kurvenreich und eng. Was schon mit Pkw unangenehm und nervig ist - für Schwerlasttransporte ist es kaum zu bewältigen.
Das ist ein Problem für die ehemalige Schiffswerft in Bad Schandau. Hier bauen sie heute riesige Förderanlagen für Kies und Sand. Bis zu fünf Tonnen wiegen einzelne Teile. Doch immer mehr Unternehmen für Schwerlasttransporte weigern sich durchs Gebirge nach Bad Schandau zu fahren.
Der Prokurist der Firma, Matthias Straßberger, sagt: "Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Transportunternehmen von der gesperrten Brücke wissen und es für uns schwierig ist, überhaupt Transporte zu ordern, da auf diesem Gebiet sowieso ein Mangel an Fahrzeugkapazitäten besteht."
Insofern ist durch diese Umwege keiner bereit, hier freiwillig herzufahren.
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Matthias Straßberger, SWO Fördertechnik Bad Schandau
Bad Schandau: Umsatzrückgänge seit der Brückensperrung
Zukunftsängste haben derzeit viele Unternehmen in der Region. Zu der Erkenntnis kommt die Industrie- und Handelskammer in Dresden. Sie hat 400 Betriebe in der Region befragt. Über 60 Prozent spüren deutlich Umsatzrückgänge seit der Brückensperrung.
NANO vom 02.10.: Der Einsturz der Carolabrücke in Dresden wurde jüngst zum Sinnbild für den Zustand der gesamten Infrastruktur. Wie schnell lässt sich Versäumtes aufholen?02.10.2024 | 28:25 min
Lukas Rohleder von der IHK Sachsen erklärt: "Es ist wirklich besorgniserregend. Es gibt ja nicht nur größere Hotels und mittelständische Arbeitgeber. Die kleineren Betriebe, die wenige Mitarbeiter haben oder ganz selbstständig sind, da fehlt die Kapitaldecke, solche längeren Zeiträume zu überbrücken." Das müsse vermieden werden, "deswegen die Behelfsquerung in 2025 zu eröffnen, ist ganz wichtig."
Hotelier: "Verbindlicher Plan muss her"
Sorgen macht sich auch Ralf Thiele. Er hat drei Hotels in der Region. Das Parkhotel in Bad Schandau ist beliebt bei den Urlaubern, die jetzt besorgt nachfragen, ob sie überhaupt noch Bad Schandau erreichen.
Leider, so Thiele, ist es wie bei den Bränden und Hochwassern: Schnell verbreitet sich die Annahme bei den Touristen, dass ihre Urlaubsregion nicht mehr erreichbar sei.
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"Ein verbindlicher Plan muss her und das muss klar sein. Der Region muss vermittelt werden, wie es weitergeht", sagt Thiele.
Man stehe mit den Gästen, Touristen, Dienstleistern und Lieferanten in Deutschland im Kontakt - als Mitwettbewerber am touristischen Markt in der Allermittelgebirgsregion.
Und ich will nicht, dass wir uns ein bisschen zur Lachnummer machen, wenn wir hier mit der Brücke keine Lösung präsentieren.
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Ralf Thiele, Parkhotel Bad Schandau
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Ministerin: Behelfsbrücke wird geplant
Die Suche nach Lösungen für eine neue Brücke oder für eine Behelfsbrücke würden auf Hochtouren laufen, versichert die zuständige Ministerin Regina Kraushaar (CDU): "Die Lösung wird, so sieht es jedenfalls heute aus, eine Behelfsbrücke sein. Und diese Behelfsbrücke wird bereits geplant, die Vermessungsarbeiten laufen seit 6. Januar dazu."
Man sei im Gespräch mit Firmen, die solche Brückenbauteile am Markt anbieten. "Und nicht zuletzt schauen wir auch schon, wer könnte bei der Errichtung mit am Start sein. Das heißt auch, ich will mit aller Vorsicht sagen, wenn alles gut geht, dann werden wir in diesem Jahr Entlastung haben", sagt Kraushaar.
Im allerallerbesten Fall wird die Behelfsbrücke auch in diesem Jahr stehen.
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Regina Kraushaar, Ministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung (CDU)
Die Menschen in der Region sind krisenerprobt, haben Hochwasser erlebt, Corona überstanden, sich nach den verheerenden Waldbränden wieder aufgerappelt. Sie werden sich auch mit den Folgen der Brückensperrung arrangieren - aber sie brauchen einen verlässlichen Zeithorizont. In wenigen Wochen soll es den auch geben.
Stefan Kelch ist Korrespondent im ZDF-Studio in Sachsen.
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von Ina Baltes
mit Video
Quelle: dpa
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