Wirtschaftsentwicklung: Ökonomen sehen Versagen bei Politik

    Schwache Prognose für Wirtschaft:Ökonom: Politik hat vier große Fehler gemacht

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    Führende Ökonomen sehen für Deutschland eine jahrelange Phase schwachen Wachstums. Dafür sind nach Angaben der Experten aber nicht nur Pandemie oder Ukraine-Krieg verantwortlich.

    Vier Arbeiter stehen auf dem Baugerüst der Baustelle am Alten Markt in der Potsdamer Innenstadt.
    Führende Ökonomen in Deutschland prognostizieren der Wirtschaft ein schwaches Wachstum. (Symbolbild)
    Quelle: dpa

    Der deutschen Wirtschaft steht nach Einschätzung prominenter Ökonomen eine jahrelange Phase schwachen Wachstums bevor.
    Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen gehen übereinstimmend davon aus, dass die jährlichen Wachstumsraten mittelfristig unter einem Prozent liegen werden - und damit sehr viel niedriger als im Schnitt der vergangenen dreißig Jahre.

    Potenzialwachstum könnte auf unter 1,0 Prozent sinken

    "Das Wirtschaftswachstum in Deutschland dürfte in diesem Jahrzehnt deutlich schwächer ausfallen als in den vermeintlich wirtschaftlich erfolgreichen 2010er Jahren", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

    Die Abschwächung des Wirtschaftspotenzials Deutschlands geht auf eigene Versäumnisse zurück und hat wenig mit dem Krieg in der Ukraine oder der Corona-Pandemie zu tun.

    Marcel Fratzscher, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

    Das Potenzialwachstum für die deutsche Wirtschaft dürfte ihm zufolge in diesem Jahrzehnt auf unter 1,0 Prozent sinken. Das sei vor allem dem Rückgang der Beschäftigung durch Demographie und Fachkräftemangel geschuldet, sagte Fratzscher.

    DIW: Vier große Fehler bei deutscher Wirtschaftspolitik

    Deutschland habe in den vergangenen 20 Jahren vier große wirtschaftspolitische Fehler begangen. Als größtes Versagen kritisierte der DIW-Präsident die "bisher gescheiterte ökologische Transformation, die dazu geführt hat, dass Deutschland viel zu abhängig von fossilen und sehr teuren Energieimporten ist und die technologische Transformation zu nachhaltigen und innovativen Technologien verschlafen hat."
    Der zweite Fehler seien überbordende Bürokratie und Besitzstandswahrung, die private Investitionen behinderten.

    Der dritte Fehler ist das staatliche Investitionsdefizit, das dazu geführt hat, dass der deutsche Staat seit langer Zeit von seiner Substanz lebt.

    Marcel Fratzscher, DIW-Präsident

    Fratzscher nannte dabei verschlechtertes Bildungssystem und inadäquate Infrastruktur. Das Fachkräfteproblem als vierte Schwäche wird sich nach Fratzschers Einschätzung in den kommenden Jahren deutlich verschärfen und für zahlreiche Unternehmen eine existenzielle Bedrohung darstellen.

    Kieler Institut: Alterung der Gesellschaft ein Problem

    Am IfW Kiel meint Vizepräsident Stefan Kooths: "Wir hatten in den vergangenen dreißig Jahren eine jährliche Wachstumsrate von 1,4 Prozent im Mittel." Die mittelfristige Projektion des IfW weist bis 2027 einen Rückgang auf unter 0,7 Prozent aus.
    Die Alterung der Gesellschaft ist auch ein Problem, das die Ökonomen aufzeigen: Immer weniger junge Menschen müssen immer mehr Rentner finanzieren.30.05.2021 | 2:46 min
    Grund dafür sei die demografische Entwicklung. Eine alte Gesellschaft sei typischerweise weniger in der Lage, neue Technologien zu adaptieren. Deutschland laufe zudem "in erhebliche Verteilungskonflikte hinein, weil die Babyboomergeneration in Rente geht", sagte Kooths.

    2027: Leibniz-Institut sieht Wachstum von lediglich 0,6 Prozent

    Laut Mittelfristprojektion des RWI dürfte das Wachstum des Produktionspotenzials von 1 Prozent in diesem Jahr auf 0,6 Prozent im Jahr 2027 zurückgehen. "Entsprechend dürften auch die zu erwartenden Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts sinken", sagte Schmidt. "Die Hauptursache ist der Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials." Auch Schmidt nennt daneben die hohen Kosten des Abschieds von der fossilen Energie.
    Quelle: dpa, Carsten Hoefer

    Die Lage der Deutschen Wirtschaft