CCC-Kongress: Digitale Mündigkeit als Schutz vor Fake News
CCC-Kongress in Hamburg:Digitale Mündigkeit als Schutz vor Fake News
von Sven Rieken
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In Hamburg treffen sich seit Freitag mehr als 14.000 Computer-Enthusiasten und suchen auch nach Wegen, die digitale Mündigkeit zu verbessern.
Mehr als 14.000 Hacker und Experten diskutieren auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg auch über den digitalen Einfluss auf Wahlen. 28.12.2024 | 2:45 min
Schlomo kann ziemlich gut mit einem Lötkolben umgehen. Der Junge aus Berlin ist 7 und baut gerade einen Mini-Computer, der aussieht wie eine Rakete. Am Junghacker-Tag begleiten er und viele andere Kids ihre Eltern auf einen Kongress, der mal in einem Büro entstand.
Heute ist der Chaos Communication Congress das europaweit größte Treffen von Computer-Begeisterten, die wohl nur auf den zweiten Blick als Hacker durchgehen.
CCC: Mangelnde digitale Mündigkeit von Kindern
Überhaupt ist der Begriff Hacker mit denen älter geworden, die hier vier Tage im Hamburger Kongresszentrum ein kollektives Denkbad nehmen und die Gesellschaft hacken wollen.
Junge Menschen werden durch Social Media-Algorithmen dazu verleitet, das Handy möglichst nicht mehr wegzulegen. Ein Hamburger Gymnasium sucht Wege dagegen.27.12.2024 | 2:30 min
Wir haben 20 Jahre lang so getan, als würde es das Internet nicht geben.
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Linus Neumann, Sprecher Chaos Computer Club
Der Kids-Bereich, in dem Schlomo gerade seine Rakete lötet, ist deutlich sichtbares Zeichen, dass auch die einstigen Nerds inzwischen erwachsen und Eltern sind. Damit rücken andere Themen in den Fokus: digitale Mündigkeit von Kindern etwa.
Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs, fasst das im Gespräch mit ZDFheute so zusammen:
Wir haben uns leider entschieden, die Existenz des Internets vor den Kindern so lange wie möglich zu verheimlichen und wundern uns jetzt, dass ganze Generationen mit dieser Informations-, Emotions- und Lügenflut nicht adäquat umgehen können.
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Linus Neumann, Sprecher Chaos Computer Club
Immer wieder wird vor den negativen Effekten von Social Media auf junge Menschen gewarnt. Auch viele Jugendliche reagieren mit Zustimmung auf die Idee eines Verbots. 03.12.2024 | 1:32 min
Notwendigkeit Social-Media-Plattformen zu regulieren
Es gibt in dem Kongresszentrum wohl kaum jemanden, der das Prinzip von Social Media Plattformen nicht verstanden hat: den User möglichst lange online halten. Besonders gut funktioniert das mit Fake-News: je kontroverser ein Thema, desto länger bleiben User aufmerksam. Zudem lernt der Algorithmus nach und nach, auf welche Themen der Nutzer in jedem Fall reagiert.
Entscheidend sind die Reaktionen: bleiben Kommentare aus oder werden Nachrichten kaum geteilt, ignoriert der Algorithmus diese Inhalte. Kontroverse Themen, hippe Nachrichten, polarisierende Inhalte haben dagegen gute Chancen viral zu gehen. Die digitale Mündigkeit das zu erkennen, fehlt vor allem jungen Usern. Die Inhalte zu regulieren aber - auch das ein Thema auf dem Chaos Communication Congress - ist ein langwieriger Prozess.
"Man hat in der EU schon viel getan in Sachen Plattform-Regulierung", erläutert Dennis-Kenji Kipker vom cyberintelligence.institute in Frankfurt.
Jetzt wird es auch ganz erheblich darauf ankommen, wie die EU und insbesondere die Kommission in der Lage sind, diese Vorgaben vernünftig umzusetzen.
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Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheitsrecht
Mehr Bildung über Algorithmen erforderlich
Der Jura-Professor mit Schwerpunkt auf "ethischem Hacken" bemerkt zudem, dass viele Staaten schauten, wie Deutschland und die EU Plattformregulierung vorlebten.
Er befürchtet, dass manche Länder gar nicht erst Regeln beschließen würden, wenn selbst die große EU bei der Regulierung nicht weiterkommt.
Fake News erkennen und politische Inhalte einordnen können – dafür braucht es Medienbildung. Ein Mainzer Gymnasium zeigt, wie man Jugendliche über Mediennutzung aufklären kann.27.09.2024 | 2:38 min
Auch für den jungen Rechtsexperten ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg. Nur wer die Mechanismen der Social-Media-Plattformen kennt, weiß mit den angebotenen Informationen umzugehen. Da müsse jetzt viel mehr investiert werden, resümiert Kipker.
Sonst, so befürchtet Deutschlands oberste IT-Hüterin Claudia Plattner, werden falsche Informationen im Vorfeld der Bundestagswahl auf fruchtbaren Boden fallen.
Die Präsidentin des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik rechnet damit, dass auf nahezu allen Online-Kanälen Unsicherheit geschürt werden wird, Desinformation, die nicht hinterfragt als echte Aussage übernommen wird.
Dagegen hilft - so sehen es auch die Teilnehmer auf dem vom Chaos Computer Club organisierten Kongress - nur digitale Mündigkeit. Also der kritische Umgang mit jeder Art von Information, egal auf welchem Weg sie einen erreicht.
"Wir gegen die" statt Werbung für eigene Inhalte? Eine Daten-Analyse zur Europawahl verrät, wie vergiftet der Wahlkampf auf Facebook und TikTok ist.
Datenanalyse
IT-Welt kritisch hinterfragen
Schlomo jedenfalls hat sein Ziel für heute erreicht: die Rakete mit dem Pixel-Display und der analogen Programmierschnittstelle ist fertig. Am Ende sucht er sich das Emoji eines Geistes aus und lädt das Bild auf seine Rakete.
Er hat verstanden, wie die Basics eines Computers funktionieren und er hat eine Ahnung davon, was nicht geht. Dinge kritisch zu hinterfragen - ein guter Einstieg in die vernetzte Welt. Manchmal hilft es eben einfach auch, eine kleine Computer-Rakete zu löten.
Sven Rieken ist Reporter im ZDF-Landesstudio Hamburg.
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