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Was tun gegen die vierte Welle?

Hintergründe zur heute-show vom 12.11.2021

Was tun gegen die vierte Welle?
Was kann den desaströsen Corona-Winter noch aufhalten?
Quelle: ZDF/Getty

Die Zahlen steigen derzeit rasant: Das RKI meldete am Freitag über 48.000 Neuinfektionen und eine deutschlandweite Inzidenz von 263,7. Damit ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erneut angestiegen und hat den fünften Tag in Folge einen Höchstwert erreicht. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) warnt angesichts der steigenden Corona-Zahlen vor einer Überlastung der Intensivstationen durch Covid-Patienten. „Wenn sich diese Dynamik fortsetzt, können wir sehr bald nur noch Notfall- und Covid-Patienten behandeln. Das müssen wir dringend verhindern“, sagte DIVI-Präsident Gernot Marx hier.

Was also tun? Die Leopoldina, die nationale Akademie der Wissenschaften, fordert die Ausweitung der 2G-Regel und Impfpflichten für bestimmte Berufsgruppen, darunter Multiplikatoren wie Pfleger oder Lehrerinnen. Die Journalistin Kristina Dunz vom Redaktionsnetzwerk Deutschland ist mit ihrer Geduld gegenüber den Impfgegnerinnen und Impfgegnern am Ende. Sie schreibt: „Die Politik hat einen Fehler gemacht, als sie die Impfpflicht ausschloss. Sie hat aber nicht damit gerechnet, dass Millionen Bürgerinnen und Bürger den wertvollen Impfstoff für Teufelszeug halten und sich unsolidarisch verhalten. Das mag naiv gewesen sein. Aber auch Politiker können Fehler korrigieren.“

Eine Ansteckung mit Corona ist bei Geimpften deutlich weniger wahrscheinlich als bei solchen, die sich nicht haben impfen lassen. Wenn die 7-Tage Inzidenz getrennt aufgewiesen wird, zeigt sich das auch in den offiziellen Zahlen: So lag etwa in Hamburg die Inzidenz bei Ungeimpften am 9. November bei 450, bei den vollständig Geimpften bei 20. Auch anderswo ergeben sich vergleichbare Bilder. Am 11. November lag die Inzidenz der Geimpften in Gesamt-Bayern bei 97,6. Der Wert bei den Ungeimpften war um ein Vielfaches höher und lag bei 953,2.

Die Not auf den Intensivstationen nimmt zu – weil viele Betten mit mehrheitlich nicht geimpften Covid19-Erkrankten besetzt sind. So müssen etwa planbare Operationen verschoben werden, um all die schweren Corona-Fälle versorgen zu können. Die Situation falle wegen der unterschiedlichen Impfquoten regional sehr verschieden aus, berichtet die SZ. Allerdings stehen in der vierten Welle insgesamt auch weniger Intensivbetten zur Verfügung als noch vor einem Jahr – auch weil es an Personal mangelt.

Der Oberarzt des Klinikum Nürnbergs berichtet beim ARD-Format Report München aus seinem Arbeitsalltag: „95 Prozent der Patienten, die hier liegen, jetzt mit Covid, müssten hier nicht liegen, wenn sie geimpft wären.“ Die Station ist am Limit, jedes Bett belegt.

In der Süddeutschen Zeitung berichten Ärztinnen und Pfleger über ihre anstrengende Arbeit auf einer Covid-Station und die Auseinandersetzung mit aggressiven, aber auch verunsicherten Ungeimpften. So berichtet eine Intensivmedizinerin: „Jetzt diskutieren die Patienten die Therapie, hinterfragen die Diagnose, haben das Gefühl, wir wollen mit ihnen die Statistik fälschen.“ Dazu kämen die Esoteriker: „Die sagen dann: Ich will eine Fußreflexzonen-Massage und eine Klangschale. Es ist ein Potpourri an charakterlich schwierigen Menschen.“

Er ist geimpft, sie weigert sich – wie sich ein Paar in der Pandemie immer weiter entfremdet, beschreibt der Spiegel hier. Bei Zeit Campus berichten junge Menschen, wie sie sich von ihren Eltern entzweien, weil diese zu Querdenkerinnen und Querdenkern geworden sind. Manche verheimlichten sogar ihre Impfung vor ihren Eltern, wie eine junge Frau berichtet: „Meine Mutter hätte alles dafür getan, dass ich mich nicht impfen lasse. Irgendwann wollte ich sie nicht mehr anlügen. Deshalb habe ich meinen Eltern einen Brief geschrieben und ihnen gebeichtet, dass ich geimpft bin“.

Immer wieder werden in Sachen Corona-Schutzimpfung nachweislich falsche Dinge behauptet. So gibt es etwa keinerlei Hinweise darauf, dass die Impfung bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führt oder die Impfung gar Krebs auslöst. Ebenfalls ist falsch, dass es bei der Corona-Impfung nach Jahren erst zu Impfschäden kommen kann. „Generell ist es bei Impfstoffen so, dass die meisten Nebenwirkungen innerhalb weniger Stunden oder Tage auftreten, in seltenen Fällen auch mal nach Wochen. Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt“, erklärt Biochemie-Professor Klaus Cichutek, Chef des Paul-Ehrlich-Instituts.

Andere Länder machen derzeit vor, wie es besser geht. So sehen etwa Italien (Inzidenz: 72,8) und Portugal (Inzidenz: 81,6) im europaweiten Vergleich sehr gut aus. Auch Spanien, mit einer Inzidenz von rund 41, könnte die Pandemie bald hinter sich lassen. Dort sind fast 90 Prozent der über Zwölfjährigen geimpft – auch ohne Impfpflicht. Was das Land besser macht, hat die Autorin von Zeit Online beschrieben: Impfgegnerinnen und Impfgegner gibt es dort beispielsweise kaum. Vielleicht auch, weil dort viele immer noch schaudernd an die dunklen Tage zurückdenken, in denen Madrids Eisstadion „Palacio de Hielo“ zur Leichenhalle umfunktioniert wurde. Dazu kommt, dass die spanische Regierung die Impfkampagne reibungslos organisiert hat und das spanische Gesundheitswesen einen hohen Grad an Digitalisierung aufweist.

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