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Sollen Kinder gegen Corona geimpft werden?

Hintergründe zur heute-show vom 28.05.2021

Sollen Kinder gegen Corona geimpft werden?

Kinder ab 12 Jahren sollen sich in Deutschland vom 7. Juni an generell gegen Corona impfen lassen können. Das beschlossen Bund und Länder auf einem Impfgipfel am Donnerstag (27.5) in Berlin. Voraussetzung war, dass die EU-Arzneimittelbehörde EMA den bisher ab 16 Jahren freigegebenen Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für diese Altersgruppe zulässt – was am Freitag passiert ist. Kanzlerin Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder betonten, dass es keine Impfpflicht geben werde. Ein sicherer Schulbetrieb sei völlig unabhängig von der Frage, ob Kinder und Jugendliche geimpft sind, betonte Merkel.

Die Kommentatorin bei tagesschau.de findet, dass sich die Gesellschaft während der Corona-Pandemie an der jungen Generation „vergangen habe“ und wünscht sich, dass Kinder und Jugendliche per Impfung ihre Freiheit zurückbekommen: „Dass erst Hochrisiko-Patienten geschützt werden mussten – die ganz Alten und Kranken – okay. Richtig so. Aber Schritt zwei hätten die Kinder und Jugendlichen sein müssen. Mit allem Forschungsaufwand für passende Impfstoffe. Mit aller Hygiene-Anstrengung für Luftfilter in Schulen und Kitas. Mit viel mehr Geld, Mühe, und vor allem Augenmerk darauf, wie denen, die ja zurecht "Schutzbefohlene" heißen, geholfen werden kann in der Pandemie.“

Über 50 Prozent der Erziehungsberechtigten in Deutschland wollen ihre Kinder gegen Corona impfen lassen, sobald das möglich ist. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. Demnach lehnen rund zwei von fünf Befragten (40,4 Prozent), bei denen Kinder im Haushalt leben, eine Schutzimpfung für ihre Kinder ab. Der Rest ist unentschieden.

Eine Antwort darauf, ob man Kinder impfen sollte, suchen die Kolleg:innen von dem WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks hier ausführlich. Es gibt zumindest bereits erste Studienergebnisse des Biontech-Impfstoffs bei Heranwachsenden zwischen 12 und 15 Jahren: Demnach schütze der Impfstoff in dieser Altersgruppe zu 100 Prozent vor einer Covid-Erkrankung mit Symptomen. In Kanada und den USA werden Kinder bereits seit Wochen geimpft. Den bisherigen Daten zufolge, so Quarks, führe der Impfstoff zu einem hohen Eigenschutz auch bei Kindern, er kann Corona-Komplikationen vermeiden und auch die Verbreitung des Virus weiter eindämmen.

Das Thema Impfen allgemein löst viele Debatten aus. Dabei kursieren neben Halbwahrheiten aber auch eindeutig widerlegbare Falschaussagen. So verbreitete sich jüngst auf Facebook und Whatsapp ein vermeintliches internes Diskussionspapier des Bundesgesundheitsministeriums. Darin sind Maßnahmen aufgeführt, mit denen Eltern dazu gezwungen werden sollen, ihre Kinder gegen Covid-19 impfen zu lassen. Das Papier ist jedoch eine Fälschung und die Maßnahmen sind frei erfunden, berichtet der Correctiv-Faktencheck hier.

Um die Corona-Impfungen ranken sich im Internet viele falsche Vorstellungen, wie etwa dass mRNA-Impfstoffe die menschliche DNA verändern oder Corona-Impfungen Frauen unfruchtbar machen könnten. Beides stimmt nicht, berichtet unter anderem die Deutsche Welle.

Sascha Lobo hat sich für den Spiegel mit der Frage beschäftigt, warum manche Menschen mitten in einer Pandemie zu Impfgegner:innen werden. Er schreibt: „Das spezifische Impfhalbwissen wird erzeugt durch pseudowissenschaftliche und halbverstandene Studien, durch Rosinenpickerei und absichtliche Fehlinterpretationen, durch Verschwörungstheorien und Aufbauschen ernsthafter Kritik.“ Einen Beitrag würden aber auch eine teils mangelhafte Kommunikation und ungünstige Aktivitäten des gesamten Gesundheitssektors zwischen Politik, Verwaltung, Verbänden, Institutionen – sowie manchmal auch das schwierige Verhalten von Einzelpersonen aus dem Gesundheitssystem leisten.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Spiegels ergab im Winter letzten Jahres, dass sich zu jener Zeit deutlich mehr Frauen als Männer gegen eine Impfung ausgesprochen haben. Während rund jeder fünfte Mann auf eine Impfung verzichten würde, waren es bei den Frauen schon etwa jede dritte.  

Impfgegnerinnen und Impfgegner gibt es schon lange in der Historie. Ärztinnen und Ärzte appellierten seit jeher an die Solidarität der Bürger:innen, sich an Impfungen zu beteiligen. Der BR fragt und notiert hier, ob in der Vergangenheit eine Impfpflicht oder doch die Freiwilligkeit zielführender gewesen sei. Zumindest bei der Kinderlähmung reichte die Freiwilligkeit. „Seit den 1950-er Jahren gibt es Impfstoffe gegen Polioviren, die diese Krankheit auslösen. Die freiwillige Impfung zeigt Erfolg: In Deutschland gilt die Kinderlähmung mittlerweile als ausgerottet.“

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