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Hintergründe zur heute-show vom 23.03.2018

Die LKW-Lawine überrollt Deutschland

Straße statt Schiene: Das LKW-Problem
Quelle: Getty

Eine LKW-Lawine rollt durch unser Land. Mit zum Teil fatalen Folgen für Mensch, Natur und Infrastruktur. Zum Verkehrsalltag gehören endlose Staus und schwere Unfälle mit LKW-Beteiligung. Ein wichtiger Grund: Immer mehr Güter werden per LKW transportiert. Die Reporter von ZDFzoom fragen: Warum hat sich der Güterverkehr auf der Straße seit 1999 fast verdoppelt, während er auf der Schiene stagniert?

Wo immer mehr LKWs unterwegs sind, werden sie auch immer häufiger in Unfälle verwickelt. Ein Fall wiederholt sich besonders häufig: LKW-Fahrer rasen ins Stauende. Zahlen aus NRW: Waren es 2013 noch 135, wurden vergangenes Jahr bereits 194 solcher Lkw-Unfälle registriert. Das ist ein Anstieg um rund 44 Prozent in nur fünf Jahren. In anderen Bundesländern sieht es ähnlich aus. In Baden-Württemberg erhöhte sich die Zahl der LKW-Unfälle auf Autobahnen von 2015 auf 2016 um 28 Prozent! Die häufigsten Ursachen: Übermüdung der Fahrer und zu geringer Sicherheitsabstand. Seit 2015 sind für neue LKWs Notbremsassistenten vorgeschrieben. Die sind aber in der Praxis kaum wirksam, lassen sich sogar abschalten. Die gesetzlichen Vorgaben sind zu lasch, berichten ntv und ZDF.

Die größte Unfallursache sieht DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell in den Arbeitsbedingungen: „Lebensgefährliche Müdigkeit und Zeitdruck prägen die Fahrer. Um ihren vollen Lohn zu erhalten, sehen viele sich gezwungen, die gesetzlichen Regelungen zu Lenk- und Ruhezeiten nicht einzuhalten.“ Logistikunternehmen setzen seit der EU-Osterweiterung 2004 verstärkt Fahrer aus Osteuropa ein, die jeweils nur den in ihrem Land gültigen Mindestlohn kassieren. Im Falle eines rumänischen Fahrers sind das z.B. 422 Euro/Monat. Das Gehalt stocken die Fahrer stattdessen mit täglichen Spesenzahlungen von ca. 65 Euro auf. Die Folge: je länger und häufiger die Fahrer unterwegs sind, umso höher das Gehalt. Entsprechend häufig werden die Lenkzeiten überschritten. Viele Fahrer wohnen zudem monatelang in ihren LKWs ohne ihre Familien zu sehen – selbst wenn das nach einer Regelung der EU-Kommission von 2009 verboten ist. Doch ein Hotelzimmer können sich bei dem Gehalt die wenigsten leisten. Wegen Personalmangels bei den Behörden wird zudem kaum kontrolliert.

Ex-Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte 2008 ein Förderprogramm angekündigt, das den Güterverkehr zunehmend von der Straße auf die Schiene verlagern soll. Dafür sah Tiefensee Vergünstigungen, z.B. die Abschaffung der Stromsteuer, vor, die die Schiene attraktiver machen sollten. Doch sein Amtsnachfolger Peter Ramsauer (CSU) sah „die Straße ideologisch verteufelt“ und sorgte stattdessen mit seinem „Aktionsplan Güterverkehr und Logistik“ für eine Stärkung des LKW-Verkehrs, während die Kosten für den Transport per Güterzug stiegen. So kletterte zwischen 2010 und 2015 die Schienenmaut um 13,5 Prozent, gleichzeitig senkte die Bundesregierung die LKW-Maut um 15,7 Prozent. Ergebnis: Die Schiene verliert im Güterverkehr immer mehr an Bedeutung. Allein 2016 schloss die Bahn 173 Güterverladestellen in Deutschland. Im gleichen Jahr wurden nur noch acht Prozent des Güterverkehrs in Deutschland über die Scheine abgewickelt, ganze 79 Prozent entfielen auf die Straße.

Das in den letzten Jahren gewachsene LKW-Aufkommen führt auch immer häufiger zu hoffnungslos überfüllten Autobahn-Rastplätzen. So fehlen allein in Baden-Württemberg jeden Tag 2000 LKW-Stellplätze, berichtet der SWR. Zum Nachmittag beginnt daher auf deutschen Autobahnen jeden Tag aufs Neue ein Kampf um die wenigen freien Plätze. Häufig sind bereits die Auffahrten der Rastplätze zugeparkt. Finden die Fahrer keinen Stellplatz, stellen sie sich kurzerhand auf die PKW-Parkplätze. Manche fahren sogar an den überfüllten Rastplätzen erst vorbei, um dann rückwärts über den Beschleunigungsstreifen auf den Rastplatz zu setzen – nicht selten ein lebensgefährliches Manöver. Das Problem ist nach Angaben der NRZ bereits seit Jahren bekannt, doch der Bau dringend benötigter neuer Rastplätze kommt nur sehr zögerlich voran.

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