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Altes Handwerk, junge Meister

Über die Leidenschaft für traditionelle Berufe

Dem Handwerk fehlt Nachwuchs. Ist es deshalb out? Eine neue Generation junger Meister versucht, das Image des Handwerks als altbackene Zunft aufzupolieren, überrascht mit neuen Ideen.

28 min
28 min
24.11.2020
24.11.2020
UT - AD - DGS
UT - AD - DGS
Video verfügbar bis 28.07.2025

Können die jungen Meister mit ihren neuen Geschäftsideen dem alten Handwerk neuen Auftrieb geben? "37°" begleitet drei junge Handwerker. Sie sind nicht nur bereit, die Ärmel hochzukrempeln und zuzupacken: Sie betreiben ihr Handwerk auch aus und mit Leidenschaft.

Frische Ideen für alte Traditionen

Hufschmied Georg Stinauer hat eine eigene Kunst des Hufbeschlags entwickelt. Sein perfektes Hufeisen besteht aus Metall und Kunststoff in der richtigen Kombination. Jahrelang hat der 33-Jährige an diesem neuen Hufbeschlag getüftelt und dabei festgestellt: Pferde laufen nicht nur leichter, sogar Rückenschmerzen können verschwinden, wenn sie ein individuell angepasstes Eisen bekommen. Hufe zu beschlagen, sagt der leidenschaftliche Schmied aus dem bayerischen Ebersberg, sei zwar eine "echte Buckelei", doch für ihn gebe es nichts Schöneres.

Johanna Röh hat sich als Frau im männerdominierten Tischlerhandwerk durchgesetzt. Mit 32 führt sie im niedersächsischen Alfhausen eine eigene Werkstatt mit einem Auszubildenden. Ihre Spezialität ist es, Möbel zu bauen, die zu den Menschen passen. Auch für ausgefallene Kundenwünsche findet sie eine Lösung, fertigt Ornamente für einen Whiskeyschrank oder fräst das Relief des Jakobsweges und passt es in eine Schrankwand nach Maß ein.

In Berlin hat der 32-jährige Metzgermeister Jörg Fostera einen der erfolgreichsten Betriebe der Stadt. Die Metzgerei "Kumpel & Keule" hat 18 Angestellte und ist einer der größten Ausbildungsbetriebe Berlins. In der Schule wurde ihm aufgrund schlechter Noten eine Hartz-IV-Karriere vorausgesagt, doch dann entdeckte er das Handwerk, legte die Meisterprüfung mit eins ab und studierte Betriebswirtschaft.

Handwerk - der "goldene Boden"

Mit den Händen zu arbeiten, berichten die jungen Meister, biete eine besondere Art der inneren Befriedigung. Zu sehen, was man schaffe, zu spüren, wie sich der Werkstoff bearbeiten lasse, etwas herzustellen, das gebraucht werde, das schaffe Zufriedenheit. Und nebenbei ist der Beruf auch noch krisenfest, wie sich jetzt in Zeiten von Corona zeigt. Weder die Schmiede noch die Tischlerei musste bisher wirtschaftliche Einbußen hinnehmen, und die Metzgerei brummte sogar. Der Umsatz steigerte sich um 30 Prozent, weil die Menschen mehr selbst kochen. Handwerk hat eben doch "goldenen Boden".

Während in den letzten 20 Jahren die Zahl der Studierenden kontinuierlich stieg, fehlt dem Handwerk der Nachwuchs. 2019 blieben 53 000 Lehrstellen unbesetzt, so die Bundesanstalt für Arbeit.

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