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Notfall Hausarzt

Praxensterben in Deutschland

Der klassische Hausarzt wird zum Auslaufmodell. Schon heute stehen in Deutschland Tausende Praxen leer. "37 Grad" begleitet verzweifelte Patienten, überlastete Ärzte und ratlose Behörden.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.08.2022

Uta Haufe findet einfach keinen Nachfolger für ihre Landarztpraxis. Michael Achenbach ist der einzige Kinderarzt in der Stadt und für über 4.000 Kinder zuständig. Und Matthias Roth kämpft als mobiler Hausarzt gegen den Ärztemangel; doch die Patienten sind skeptisch.

Mehr als 2.600 Hausarztpraxen stehen in Deutschland leer. Bis ins Jahr 2021 scheiden nochmals 10.000 Ärzte aus. Der Medizin-Nachwuchs scheut vor allem das Land und die kleinen Städte; dabei fehlen Hausärzte aufgrund des demografischen Wandels hier besonders empfindlich.

Kein Nachfolger in Sicht

Die Landärztin Uta Haufe (63) möchte ihre Praxis im sächsischen Leuben abgeben. Sie liebt ihren Beruf, ist in der Dorfgemeinschaft fest verankert, aber gesundheitliche Gründe zwingen sie zu diesem Schritt. In den umliegenden Orten wurden bereits einige Praxen ohne Nachfolger geschlossen. Uta Haufe hat die Patienten aufgefangen, zusätzlich zu ihren eigenen, die sie über Generationen hinweg betreut: "Die Angst der Patienten ist so groß, dass ich mit einem richtig schlechten Gewissen aufhöre. Ich möchte immer helfen, und da ist es ganz schwer, wenn man vor die Situation gestellt wird, wo man sagt: Ich bin jetzt selber so hilflos. Ich kann nichts tun." Ein Nachfolger wäre für sie wie ein Hauptgewinn im Lotto. "37 Grad" begleitet die Hausärztin bei ihrer Suche, und schnell wird klar: Die Chancen stehen schlecht. Uta Haufe nimmt die Kassenärztliche Vereinigung in die Pflicht, ihr Interessenten für die Dorfpraxis zu vermitteln. Noch hofft Haufe, dass das Praxensterben an ihr und vor allem ihren Patienten vorbeigeht.

In Nordhessen arbeitet Matthias Roth (47) mit dem Medibus streng nach Fahrplan fünf Haltestellen ab. Wartezimmer, Labor und Behandlungsraum - eine rollende Praxis auf 20 Quadratmetern. In der Medibus-Region fehlen inzwischen acht Hausärzte: "Die Menschen sind hier sehr herzlich und sehr bodenständig. Es tut mir dann immer so ein bisschen weh, wenn ich höre, dass kein Arzt mehr kommt. Wir finden keinen." Der Andrang müsste eigentlich riesig sein. Aber noch nehmen die meisten Patienten eher weite Wege und lange Wartezeiten in Kauf, um doch noch eine niedergelassene Praxis zu erreichen. Der Medibus kämpft um Akzeptanz. Es gibt Sprechstunden, die nur von ein oder zwei Patienten besucht werden. Wird sich das Pilotprojekt durchsetzen können?

Die Praxis von Michael Achenbach (50) ist für die hausärztliche Versorgung von mehr als 4.000 Kindern und Jugendlichen im nordrhein-westfälischen Plettenberg zuständig. Zu Beginn der Dreharbeiten ist die Patientenzahl bereits eine Herausforderung, und dann fallen in den Nachbarorten noch zwei weitere Kinderärzte weg. Was wird nun aus den chronisch kranken Kindern wie Lio, der auf zeitintensive Hausbesuche angewiesen ist? Oder mit der 15-jährigen Julia, für die Michael Achenbach eine wichtige Bezugsperson ist und nicht nur irgendein Arzt? Endlich Unterstützung zu bekommen ist seit Langem das größte Anliegen von Michael Achenbach, der die Politik für die schwierige Situation der Hausärzte in der Verantwortung sieht.

37 Grad-Autorin Frauke Siebold über den Film

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