Sie sind hier:

Wenn der Osten ruft

Von der Rückkehr in die Heimat

Weite Landstriche der neuen Bundesländer sind verlassen und viele Menschen in den Westen abgewandert. Aber es gibt Hoffnung, denn junge Menschen kehren in die alte Heimat zurück.

Beitragslänge:
28 min
Datum:
Sprachoptionen:
AD - UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.01.2023

Es sind oft erfolgreiche, junge Leute, die vor Jahren den Osten verlassen haben und in den alten Bundesländern oder im Ausland beruflich durchgestartet sind. Jetzt zieht es sie wieder zurück. Warum nur? Mittlerweile halten sich Ab- und Zuwanderung sogar die Waage.

"Eine Bewährungsprobe für uns alle"

Barbara und ihr Mann Florian sind ein Paradebeispiel für diese Sehnsucht nach der alten Heimat. Nach dem Abitur in Sachsen-Anhalt studiert er in Weimar und avanciert in Zürich zum anerkannten Architekten. Barbara studiert nach dem Ost-Abi in Lyon und Weimar, bringt es innerhalb kürzester Zeit zur Dozentin an den Unis in Freiburg/Breisgau und Tübingen. "Bei allem Erfolg war unser gemeinsamer Traum, unsere Kinder in der Heimat aufwachsen zu lassen, nie verblasst."

Vier Jahre nach der Geburt der ersten Tochter erfüllen sie sich den Traum. Sie kaufen ein 300 Jahre altes Pfarrhaus an der Havel und renovieren es ohne fremde Hilfe historisch gerecht. Das wächst sich zu einem Fulltime-Job mit viel Ärger, Frust und Überraschungen aus. Langsam arbeitende Behörden sowie fehlende und schlecht ausgebildete Handwerker bringen sie manchmal fast zur Verzweiflung. Zwischenzeitlich wollten sie mehrfach aufgeben und in ihr altes, komfortables Leben in Zürich zurück. Doch Barbara und Florian halten durch. "Heimat, das riecht man, hört man, sieht man in der Landschaft und in den Städten - auch wenn sie nicht so aufgehübscht sind wie im Westen", ringt Barbara um eine Erklärung. Außerdem ist dem Paar wichtig, dass ihre Kinder viel Kontakt mit den Großeltern haben, die ganz in der Nähe wohnen und eine echte Hilfe sind. Das Projekt ist eine Bewährungsprobe.

Verlangen nach Heimat

So ähnlich sieht es auch der Betriebswirtschaftler Martin. Als sich seine Eltern nach der Wende wegen der Arbeit in den prosperierenden Südwesten Deutschlands abmachen, bleibt er noch zwei Jahre bei Oma und Opa im Harz, bis er sein Abitur in der Tasche hat. Dann zieht er den Eltern hinterher in den Schwarzwald, ins "Schlaraffenland der Medizintechnik". Nach dem Studium avanciert Martin, der fließend Spanisch, Portugiesisch, Englisch und Französisch spricht, rasch zum Vertriebsleiter in einem führenden Unternehmen für Medizintechnik für die Märkte in Frankreich, Spanien, Portugal und Lateinamerika. Damit verbunden sind längere Aufenthalte in Brasilien und Frankreich als leitender Manager. Eine Bilderbuchkarriere.

Doch gemeinsam mit seiner Frau beschließt Martin, wieder in den heimatlichen Harz zurückzugehen. "Das Verlangen nach Heimat ist kaum zu erklären", sagt er, "das kribbelt im Bauch, das spürt man einfach." Martin bekommt problemlos eine Stelle als Vertriebsleiter in einem chemischen Industrieunternehmen, seine Frau will noch warten und für eine Übergangszeit im Westen bleiben. Dass dann doch nicht alles so glatt läuft in der neuen, alten Heimat - damit hat er nicht gerechnet.

Engagement für die Gemeinde

Mit Haut und Haaren hat sich Karla von Anfang an in das Rückkehrer-Abenteuer gestürzt. Die Juristin mit Studium in halb Europa hat sich in den Gemeinderat ihres Heimatdorfes in der Lausitz wählen lassen, leitet Kinder- und Jugendsportabteilungen, setzt sich für das Freibad ein und gründet ein Start-up für ökologische Windeln. Inzwischen hat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Haus am Dorfrand renoviert und jede Menge Zukunftsprojekte. Der Bürgermeister schwärmt: "Karla ist ein Juwel für uns."

Mehr zum Thema:

"37°: Sag mir, wo die Frauen sind - Single-Männer in Ostdeutschland": Olaf A. reitet auf seinem weiß-schwarz-gefleckten Pferd am Strand. Er trägt ein blau-weiß-kariertes Hemd und einen Cowboyhut. Hinter ihm ist das Meer bis zum Horizont zu sehen.

Doku | 37 Grad - Sag mir, wo die Frauen sind

"Das Leben ohne Frau ist ein sinnloses Leben", sagt Uwe (50) aus Leuna. "Manchmal mach' ich den Fernseher nur an, um Stimmen zu hören", erzählt Olaf (41) von der Insel …

Videolänge:
28 min
"37°: Plattgemacht - Wenn ein Stadtteil verschwindet": Christine und Hans stehen auf einem Balkon einem Plattenbau. Das Gebäude wirkt verfallen, die Farbe blättert von der Fassade.

Doku | 37 Grad - Plattgemacht

Suhl-Nord, einst modernes Plattenbauviertel in Thüringen, heute geprägt von Abwanderung und Überalterung. Der Leerstand breitet sich wie ein Virus aus. Das Wohngebiet …

Videolänge:
29 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.