"Ein körperlich harter Weg"

Christine Neubauer im Gespräch

Christine Neubauer zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten und beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands und gewann viele Preise für ihr Schaffen. Nach zahlreichen Komödien und Heimatfilmen nimmt sie sich nun wieder den leiseren und ernsteren Tönen an. Im Interview spricht sie über die Dreharbeiten von "Die Minensucherin" und wie wichtig ihr das Thema Minen und Streubomben ist.


ZDF: "Die Minensucherin" ist ein ernster Film mit einem brisanten Thema. Wie kam es dazu?


Christine Neubauer: Dieser Film will nicht nur eine dramatische Geschichte erzählen, sondern auch die deutschen Zuschauer für die Minenproblematik sensibilisieren. Obwohl der Bürgerkrieg in Angola beendet ist, ist die Gefahr durch die Minen für die Menschen ständig vorhanden. Die Nachwirkungen des Krieges sind im Alltag der Bevölkerung dramatisch sicht- und spürbar. Es wird leider noch Jahre dauern bis alle Minen geräumt sind.


ZDF: Minen beeinflussen das gesamte Leben der jeweiligen Bevölkerung. War Ihnen das bewusst oder was haben Sie bei der Arbeit an diesem Film darüber erfahren?


Neubauer: Das Ausmaß der Gefahr durch die Minen wurde mir in vollem Umfang tatsächlich erst bewusst, als ich mich während der Vorbereitung intensiv mit dem Thema befasste. Als Deutsche wird man ja nicht täglich mit den Nachwirkungen des Bürgerkriegs in Angola konfrontiert. Durch die Beschäftigung mit den verschiedenen Figuren und Geschichten meiner Drehbücher öffnet sich immer auch die persönliche Wahrnehmung. Das war hier ganz besonders der Fall und das ist übrigens auch etwas, wofür ich meinem Beruf ausgesprochen dankbar bin.


ZDF: Der Film hat eine eindeutige Botschaft. Engagieren Sie sich darüber hinaus für dieses Thema?


Neubauer: Ja, als Botschafterin des Deutschen Roten Kreuzes engagiere ich mich auch jenseits des Films für das Thema. Gerade eben habe ich an einer Anzeigenkampagne des DRK zum Thema "Minen und Streubomben" mitgewirkt. Es ist wichtig, dass wir in Deutschland eine Vorstellung davon bekommen, welche verheerenden Folgen Minen und Streubomben haben und wie sehr die Opfer leiden.


ZDF: Im Film spielen verstümmelte Menschen und Kinder mit, das ist sehr realitätsnah.


Neubauer: Das soll es auch sein, denn es ist genau das Bild, das man in ehemaligen Kriegsgebieten findet - Menschen mit schwersten Verletzungen und Verstümmelungen. Ich wusste im Vorfeld der Dreharbeiten, dass leider zahlreiche Menschen davon betroffen sind und wir damit konfrontiert werden.


ZDF: Sie drehen immer wieder in Afrika. Waren die Dreharbeiten für diesen Film anders?


Neubauer: Anders insofern, als mir die ganze Zeit sehr bewusst war, dass die Gefahr durch die Minen mit dem Film nicht endet. Die Problematik bleibt über die fiktionale Geschichte hinaus bestehen. Noch immer treten Menschen auf Minen, sterben dadurch oder werden verstümmelt. Es wird noch so lange dauern, bis alle Minen geräumt sind.


ZDF: Im Film stehen Sie in sengender Hitze vor der Kamera, spielen eine Minensucherin in ständiger Todesangst. Müssen Minensucher besondere Menschen sein?
Neubauer: Diese Arbeit erfordert höchste Konzentration und Aufmerksamkeit und ist physisch unglaublich anstrengend. Das kann nicht jeder. Nicht ohne Grund müssen Minensucher halbstündlich abgelöst werden - länger hält die menschliche Konzentrationsfähigkeit den Anforderungen nämlich nicht stand und es würde zu gefährlich werden.


ZDF: Hatten Sie Berater, die Ihnen gezeigt haben, wie eine reale Minensuche vonstatten geht?


Neubauer: Wichtige Unterstützung erhielten wir von der Stiftung "Menschen gegen Minen". Ich habe mich mit einem Minenräumer der Stiftung getroffen. Er hat mich in die Arbeit eines Minensuchers eingewiesen, angeleitet und mir wichtige handwerkliche Fähigkeiten beigebracht.


ZDF: Was empfindet man, wenn man so nahe an der schrecklichen Realität ist?


Neubauer: Man ist dankbar, dass die Realität sich nur im Film widerspiegelt und man im eigenen, wirklichen Leben nicht mit derart dramatischen Situationen konfrontiert ist.


ZDF: Was war die schwierigste Szene?


Neubauer: Das war eine Szene in einer ehemaligen Kupfermine in der Wüste. Ich drehte dort mit der schweren Ausrüstung der Minensucher bei unvorstellbaren Temperaturen. Schon morgens hatten wir 36 Grad. Die Mittagshitze war kaum auszuhalten. Das was eine ganz spezielle Körperlichkeit, die mir da abverlangt wurde.




ZDF: Nina macht einen krassen Wandel durch, von der engagierten Lehrerin zur Trauernden und dann zur Minensucherin. Sie wird aus der Bahn geworfen. Was braucht man, um nach Schicksalsschlägen weiterleben zu können?


Neubauer: Man muss Trauer zulassen können, was der Figur Nina irgendwann auch gelingt. Man darf fallen, sollte aber nicht aufstehen, ohne etwas für sich mitzunehmen. Das trifft für die Filmfigur ebenso zu wie für das wirkliche Leben.


ZDF: Nina fühlt sich schuldig an Mumbis Tod. Um ihre Ruhe wieder zu finden und etwas Gutes zu tun, gerät sie in die unglaublich harte Ausbildung zur Minensucherin. Könnten Sie sich vorstellen, so an Ihre Grenzen zu gehen?


Neubauer: Ja, das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich finde es nachvollziehbar, dass Menschen wie Nina für sich einen körperlich harten Weg suchen, um Schuldgefühle zu verarbeiten.


ZDF: Nach "Die Minensucherin" folgt Ende April "Lügen haben linke Hände" im ZDF-Programm. Darin ziehen Sie alle Register der Komödiantin. Werden Sie sich auch weiterhin nicht in Schubladen stecken lassen?
Neubauer: Ich arbeite nach wie vor sehr gerne an meiner Vielseitigkeit.


ZDF: Sie spielen die Heimwerker-Königin Mona Nagel, die nicht mal eine Glühbirne einschrauben kann. Können Sie heimwerken oder geht es Ihnen eher wie Mona?


Neubauer: Ich bin da Gott sei Dank nicht so ein Extrem wie Mona Nagel. Ich kann natürlich eine Birne einschrauben, aber Bohrmaschinen und Stemmeisen begeistern mich weniger als ein gut bestückter Schuhschrank.

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