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"Ich mag die oft düstere Stimmung"

Interview mit Lisa Maria Potthoff

Lisa Maria Potthoff, die selbst ein Faible für das Krimi-Genre hat, spielt in "Nachtschicht - Das tote Mädchen" das Callgirl Marcella. In Vorbereitung für diese Rolle hat sie von einem Callgirl eine Fülle von Informationen über dieses Metier bekommen, die ihr halfen, das klassische Klischee einer Prostituierten zu vermeiden.


ZDF: Beschreiben Sie bitte Ihre Figur.

Macella (Lisa Maria Potthoff, l.) und Erichsen (Armin Rohde, r.).
Macella (Lisa Maria Potthoff, l.) und Erichsen (Armin Rohde, r.).
Quelle: ZDF und Stephan Persch


Lisa Maria Potthoff: Sie hat gelernt, sich im Leben in ihrem Milieu zu behaupten und dabei immer ihre Würde zu bewahren. Sie wirkt sehr stark, nur selten weiß einer, wie es wirklich in ihr aussieht.


ZDF: Sie stellen ja immer sehr unterschiedliche Charaktere dar. Was war für Sie die besondere Herausforderung bei der Darstellung von Marcella?

Potthoff: Ich habe mich im Vorfeld mit einem Callgirl getroffen, das seit vielen Jahren in diesem Beruf arbeitet und äußerst freizügig von ihrer Situation berichtet hat. Danach hatte ich eine Fülle von Informationen und Eindrücken, mit denen ich nicht gerechnet habe. Ich wollte nicht das klassische Klischee einer Prostituierten spielen. Für mich ging es auch um die Frage, wie geht Marcella mit dieser Bedrohungssituation um? Wie verhält sie sich?


ZDF: Marcella spielt in einer Szene Russisches Roulette um ihr Leben. Sie wirkt dabei relativ cool. Würden Sie in einer ähnlich stressigen Situation auch so besonnen und ruhig reagieren?

Potthoff: Ich finde, das Besondere an der "Nachtschicht"-Reihe ist, dass dort sehr eigene Charaktere entwickelt werden, die oft anders reagieren, als man erwartet. Dadurch entsteht oft eine eigene Komik, auch in sehr dramatischen Momenten. Man würde natürlich annehmen, eine Frau - bedroht durch einen Verrückten - sitzt wimmernd und verheult am Tisch und winselt um ihr Leben. Die Figuren, die Lars Becker zeichnet, sind meist sehr skurril und eigen, nicht glatt gebügelt.

Was ich beeindruckend an der Arbeit mit Lars finde, ist, dass er so lange das Optimale einer Szene sucht, bis er es gefunden hat.
Lisa Maria Potthoff

Ob ich in solch einer Situation so reagieren würde, könnte ich wahrscheinlich nur beantworten, wenn ich genau das erlebt habe.


ZDF: Es war Ihre erste Zusammenarbeit mit Regisseur Lars Becker. Kannten Sie seine "Nachtschicht"-Kultreihe schon vorher? Was schätzen Sie an Lars Becker?

Potthoff: Was ich beeindruckend an der Arbeit mit Lars finde, ist, dass er so lange das Optimale einer Szene sucht, bis er es gefunden hat. Möge es noch so spät sein, noch so viel Zeitdruck herrschen, er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Darum werden die Filme wahrscheinlich auch so gut. Wenn er also sagt, "Danke, fertig", weiß man, dass es gut wird. Bei den Russisches-Roulette-Szenen hat er meinen Kollegen angefeuert wie ein Baseballcoach. Es war unglaublich anstrengend, und man geht danach ausgepowert und zufrieden nach Hause.


ZDF: Die "Nachtschicht" heißt ja nicht umsonst "Nachtschicht", die Drehs finden überwiegend nachts statt. Wie waren Hamburgs Nächte für Sie?

Potthoff: Ich glaube, bei unserem Dreh war das nicht so extrem. Aber jeder sollte einmal Hamburg bei Nacht erlebt haben.


ZDF: Man sieht sie häufiger in Krimis spielen. Ist dies ein Genre, zu dem Sie eine besondere Affinität haben?

Potthoff: Der Krimi ist als Genre im deutschen Fernsehen sehr beliebt, also bleibt es nicht aus, dass man sich als Schauspieler oft in der Rolle des Täters/Opfers/Verdächtigen findet. Es stimmt aber, dass ich gerne Krimis gucke und auch spiele. Ich mag die oft düstere Stimmung.

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