"Rottmanns Fall ist für mich sehr realistisch"

Interview mit Hauptdarsteller Heino Ferch

Heino Ferch spielt in der Hauptrolle Klaus Rottmann, den Leiter eines Sondereinsatzkommandos, der von einem seiner eigenen Kollegen denunziert wird. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis macht er sich auf die Suche nach dem Verräter, um sich zu rehabilitieren. Heino Ferch spricht über Rottmanns Beweggründe, sein Verhalten in dieser Extremsituation, und über das Thema Korruption.


ZDF: Herr Ferch, für wie realitätsnah halten Sie den Fall von Klaus Rottmann? Glauben Sie an Korruptionen bei der Polizei, besonders bei den dortigen Eliteeinheiten?


Heino Ferch: Ich glaube, dass es korrupte Menschen gibt. Es geht sicher nicht immer ganz legal zu, wenn Menschen mit extremen Schwächen und Stärken involviert sind. Gerade Eliteeinheiten stehen unter hoher Anspannung und befinden sich oftmals in lebensgefährlichen Situationen. Und das dann meistens auch noch für wenig Geld, wie wir während der Dreharbeiten erfahren konnten. Somit entsteht ein finanzieller Anreiz, der sich verselbständigen kann. Rottmanns Fall ist für mich somit sehr realistisch.


ZDF: Wie fühlt sich Rottmann, nachdem er weiß, dass ein vertrauter Kreis ihn zu Unrecht beschuldigt und zugleich auch seine Existenz vernichtet hat?



Ferch: Rottmann ist total zerstört. Er hat immer versucht, jedem gerecht zu werden. Das Größte, was einem an Unglück passieren kann, ist doch ein Vertrauensbruch. Wenn man nicht mehr weiß, an was man sich halten kann, wem man gerade in die Augen schaut und wer mit anderen Absichten zurückschaut. Da entsteht ein Klima von sehr großem Misstrauen, was in der Kombination mit solchen lebensgefährlichen Einsätzen, wo sich jeder auf den anderen verlassen muss, weil es um Leben und Tod geht, nicht funktioniert. Eine ganz gefährliche Mischung.


ZDF: Auch sein bester Freund und Kollege hintergeht ihn.


Ferch: Verrat unter Freunden ist etwas, was meiner Ansicht nach nie wieder zu kitten ist.
ZDF: Durch die Anschuldigungen gegen Rottmann distanziert sich auch seine Frau von ihm. Können Sie persönlich das Verhalten seiner Lebensgefährtin nachvollziehen?


Ferch: Wenn sich durch Intrigen ein manipuliertes Bild über denjenigen, der im Gefängnis sitzt, bildet, dann ist es logisch, dass alle dieses neue Bild sehen. Für den Partner ist es somit wahnsinnig schwer, standhaft zu bleiben und dagegen anzuarbeiten. Hinzukommt der Vertrauensverlust und das Nichtwissen beziehungsweise der verzweifelte Kampf, wem kann man glauben, wem nicht. Der Mann wurde verurteilt und sitzt rechtens im Gefängnis.

Der Sohn hat durch die Geschichte seines Vaters Schwierigkeiten in der Schule und wird gehänselt. Das muss für eine Mutter furchtbar sein. Für Rottmanns Frau wird es schwierig, das Vertrauen aufrechtzuerhalten und sich vorzumachen, dass man das die nächsten vier Jahre alleine schon schafft, egal was passiert ist. Das kann sich einfach keiner vorstellen, dem das nicht selber passiert ist. In die Situation möchte man nicht kommen.


ZDF: Rottmann sagt zu seiner Frau: Familie ist heilig und steht vor dem Beruf. Zählt das auch für Sie persönlich?


Ferch: Solange die Familie nicht funktioniert, funktioniert es im Beruf auch nicht. Ich würde nie etwas machen, was meiner Familie schadet, nur weil ich beruflich Erfolg haben wollte.
ZDF: Nach vier Jahren wird Rottmann frühzeitig entlassen. Er sucht nach der Wahrheit und den Schuldigen. Doch warum geht er den Weg allein und begibt sich immer wieder auf gefährliche Abgründe?


Ferch: Wenn Sie unschuldig gesessen hätten, dann würden Sie auch die Wahrheit wissen wollen. Rottmann musste am eigenen Leib erfahren, wie man hintergangen werden kann. Freunde hat er nun keine mehr, nur noch Geschäftspartner. Deshalb muss er diesen Weg allein gehen. Dadurch versucht er aber auch, sich als Mensch, nicht mal als Polizist, zu rehabilitieren. Schließlich hat Rottmann seine Familie verloren, da tut man alles, um diese Lüge aufzudecken.


ZDF: Macht ihn das nicht korrupt?



Ferch: Nein, denn Rottmann ist kein Polizist mehr, er saß ja unschuldig im Knast. Er nutzt sein Wissen und auch seine Erkenntnisse, um Geschäfte zu machen. Diese sind zwar kriminell, aber sie sind nicht korrupt. Korruption hat etwas mit Vertrauensmissbrauch zu tun. Ein Polizist der geschmiert wird, um etwas zu machen, was er eigentlich vom Gesetz her nicht darf, missbraucht das Vertrauen. Ein Politiker, der Gelder kassiert von Firmen, die dafür Aufträge bekommen, missbraucht das Vertrauen des Staates und der Gesellschaft. Rottmann hingegen ist geradeaus und spielt mit offenen Karten.

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