"Spaß an lakonischen Situationen und Dialogen"

Ein Interview mit Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt

Autor Holger Karsten Schmidt und Regisseur Markus Imboden haben aber schon in ihrem Erfolgsfilm "Mörder auf Amrum" gezeigt, dass ein Dorfkrimi nicht immer todernst sein muss. Mit dieser neuen Krimireihe um den Privatdetektiv Finn Zehender zeigen sie erneut, dass das Entsetzen und groteske Komik sehr nah zusammen liegen können.


ZDF: Ein "Crime-In-Nature"-Krimi in einem trostlosen Nest in der norddeutschen Provinz - was hat Sie an diesem "mörderischen Wespennest" besonders gereizt?



Holger Karsten Schmidt: Einen Privatdetektiv in ein Dorf kommen zu lassen, der einen Mord aufklären soll und dabei eine komplette korrupte Seilschaft aushebt.


ZDF: Worin unterscheidet sich ein Dorfkrimi von einem Großstadtkrimi?


Schmidt: Im Dorfkrimi kennt jeder jeden, man bewegt sich in einem relativ abgeschlossenen Raum. Alles befindet sich in einem Gleichgewicht aus Abhängigkeiten und Gefälligkeiten - bis ein Impuls von außen dieses Gleichgewicht stört.



ZDF: Sie haben dem Schauspieler Hinnerk Schönemann die Rolle des Privatdetektivs Finn Zehender auf den Leib geschrieben. Was ist das Besondere an diesem Schauspieler und dieser Figur?


Schmidt: Hinnerk ist ein begnadeter Darsteller, der traumwandlerisch die Zwischentöne trifft, die man bei dieser Gratwanderung unbedingt benötigt.


ZDF: Viele Szenen und Dialoge sind von einem feinen, rabenschwarzen Humor geprägt: Ist das Ihre Spezialität? Auch "Mörder auf Amrum" war ja davon geprägt.


Schmidt: Nein, meine Spezialität ist das nicht. Ich habe beim Schreiben eher Spaß an lakonischen Situationen und Dialogen.


ZDF: Was planen Sie im Team mit Markus Imboden als Nächstes? Und warum so gerne immer wieder mit diesem Regisseur?


Schmidt: Mit Markus bereite ich "Finn Zehender - Tod einer Brieftaube" vor. Außerdem planen wir einen kleinen Ausflug ins Kino mit "Der Tod des Sushimeisters", einer zarten Annäherung zwischen einer norddeutschen Kommissarin und ihrem süddänischen Kollegen, wobei ein toter Sushimeister eine Rolle spielt, der Urgroßenkel von Doc Holliday und die Frage, weshalb man sich in Gegenwart dänischer Gangster besser nicht die Schuhe auszieht. Mit Markus arbeite ich immer wieder gerne zusammen, weil er mein Interesse an ungewöhnlichen Charakteren teilt und die Figuren, die in meinem Kopf entstanden sind, mit all ihren Facetten und leisen Tönen und Gesten zum Leben erweckt.

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