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Die Sachbuch-Bestenliste für Dezember 2019

Von ZDF, Deutschlandfunk Kultur und DIE ZEIT

Stephen Holmes, Ivan Krastev: Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung. A. d. Engl. v. Karin Schuler; Ullstein; 368 S., 26,– €
Stephen Holmes, Ivan Krastev: Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung. A. d. Engl. v. Karin Schuler; 368 S., 26,– €
Quelle: Ullstein

1 (7) Ivan Krastev und Stephen Holmes analysieren die Krise der Demokratie in Osteuropa: Früher ging es um Kapitalismus gegen Kommunismus, heute stehen sich Liberale und deren enttäuschte Nachahmer gegenüber. Die Osteuropäer lehnen den Liberalismus ab und preisen sich als wahre Europäer, die der Seelenlosigkeit des Westens echte Bindung und familiäre Werte entgegensetzen. Eine verblüffende Analyse. 94 Punkte

Jens Bisky: Berlin. Biographie einer großen Stadt. Rowohlt Berlin; 976 S., 38,– €
Jens Bisky: Berlin. Biographie einer großen Stadt. 976 S., 38,– €
Quelle: Rowohlt Berlin

2 (2) Dem Journalisten Jens Bisky gelingt das Unmögliche: der meistbesprochenen Stadt in Deutschland neue Facetten abzuringen. Sein Berlin-Buch beginnt im 17. Jahrhundert, als die Stadt zu neuer Größe aufsteigt, sich mit Rom und Paris messen will. Bisky porträtiert eine Metropole der Widersprüche: Ort der Macht, der Teilung, der Repression und zugleich des Widerstands und des ewigen Experiments. 42 Punkte

Julia Ebner: Radikalisierungsmaschinen. A. d. Engl. v. Kirsten Riesselmann; Suhrkamp/Nova; 334 S., 18,– €
Julia Ebner: Radikalisierungsmaschinen. A. d. Engl. v. Kirsten Riesselmann; 334 S., 18,– €
Quelle: Suhrkamp/Nova

3 (3) Julia Ebner tut etwas, wovon andere Extremismusforscher nur träumen: Sie schleust sich in radikale Gruppierungen ein, ohne entdeckt zu werden. Sie beobachtet, wie Terroristen Anschläge, Wahlmanipulationen und Fake-News planen, vor allem mit digitalen Hilfsmitteln. Ihr Buch ist das Resultat einer gefährlichen Feldforschung und eine Analyse des digitalen Terrorismus: präzise und erschreckend. 40 Punkte

Naomi Klein: Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann. A. d. Engl. v. G. Gockel, S. Schumacher, B. Steckhan; Hoffmann & Campe; 352 S., 24,-€
Naomi Klein: Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann. A. d. Engl. v. G. Gockel, S. Schumacher, B. Steckhan; 352 S., 24,-€
Quelle: Hoffmann & Campe

4 (-) Die kanadische Journalistin und Aktivistin Naomi Klein fordert in ihrem neuen Buch stimmgewaltig eine politische Wende um 180 Grad. Nur ein „Green New Deal“, der Umwelt- und Sozialpolitik gleichzeitig anspricht, kann den Planeten noch retten. Klein ist radikal und macht daraus keinen Hehl: Eine CO2-Steuer ist ihr nicht genug. Sie plädiert für Konsumverzicht, härtere Lohnsteuern und eine radikale linke Sozialpolitik. 30 Punkte

Reinhart Koselleck, Carl Schmitt: Der Briefwechsel: 1953-1983. Suhrkamp; 500 S., 42,– €
Reinhart Koselleck, Carl Schmitt: Der Briefwechsel: 1953-1983. 500 S., 42,– €
Quelle: Suhrkamp

4 (-) Drei Jahrzehnte lang schrieben sich der Staatsrechtler Carl Schmitt und der Historiker Reinhart Koselleck Briefe. So verschieden die beiden Intellektuellen auch waren: Sie verband eine tiefe philosophische Verbundenheit. Der Briefwechsel offenbart Schmitts randständige Stellung im akademischen Feld, Kosellecks Werdegang im Hochschulbetrieb, die werkimmanenten Unterschiede sowie historische Fragen und politische Entwicklungen ihrer Zeit. 30 Punkte

Peter Trawny: Philosophie der Liebe. S. Fischer,  272 S., 22,– €
Peter Trawny: Philosophie der Liebe. 272 S., 22,– €
Quelle: S. Fischer

4 (6) Liebe macht wahnsinnig, krank und wirr, zugleich ist sie Treibstoff für Versöhnung und Frieden. Wer kann die Liebe fassen? Peter Trawny hat es versucht und zeigt die Liebe in all ihren Facetten: als Gottesliebe, Nächstenliebe, große Liebe, aber auch als Hassliebe. Außerdem stellt der Wuppertaler Philosoph fest, dass die Sehnsucht nach romantischer Liebe immer noch lebt – trotz Online-Dating und Kapitalismus. 30 Punkte

Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen: Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Suhrkamp; 305 S., 18,– €
Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen: Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. 305 S., 18,– €
Quelle: Suhrkamp

7 (-) Nach der wegweisenden Studie „Gesellschaft der Singularitäten“ legt Andreas Reckwitz nach: In seiner neuen Essaysammlung beschäftigt sich der Soziologe mit dem Strukturwandel der Gesellschaft. Er seziert die neue Klassengesellschaft, die postindustrielle Ökonomie, die Konflikte um Kultur und Identität und den Imperativ der Selbstverwirklichung, woraus Erschöpfung und Demokratiemüdigkeit entspringen. 28 Punkte

Vittorio M. Lampugnani: Bedeutsame Belanglosigkeiten - Kleine Dinge im Stadtraum. Wagenbach; 192 S., 30,– €
Vittorio M. Lampugnani: Bedeutsame Belanglosigkeiten - Kleine Dinge im Stadtraum. 192 S., 30,– €
Quelle: Verlag Klaus Wagenbach

8 (-) Der Architekturhistoriker Lampugnani widmet sich den Objekten der Straße: den Brunnen, Baumscheiben, Pollern, Stadtmöbeln, die uns umgeben – aber auch dem Trottoir, dem Asphalt oder den Kanaldeckeln. Lampugnani hat 22 repräsentative Objekte herausgesucht und erzählt ihren Werdegang: von ihrem ersten Auftreten in der Antike bis heute. Nebenbei zeigt er, was eine Stadt schön, individuell und unverwechselbar macht. 24 Punkte

Robert Macfarlane: Im Unterland. A. d. Engl. v. A. Jandl u. F. Sievers; Penguin; 560 S., 24,– €
Robert Macfarlane: Im Unterland. A. d. Engl. v. A. Jandl u. F. Sievers; 560 S., 24,– €
Quelle: Penguin

9 (-) Der britische Literaturwissenschaftler Robert Macfarlane nimmt uns mit unter die Erde. Er besucht Höhlenlandschaften in England, schwindende Gletscherwelten in Grönland und abgelegene Stollen für Atomabfälle. Sein Buch ist nicht nur eine kluge Erdbeschreibung, sondern auch das Zeugnis eines Staunenden. Wer es liest, verliert jegliches Verständnis für die Ausbeutung der Natur. 22 Punkte

Jill Lepore: Diese Wahrheiten. A. d. Engl. v. Werner Roller; C. H. Beck; 1120 S., 39,95 €
Jill Lepore: Diese Wahrheiten. A. d. Engl. v. Werner Roller; 1120 S., 39,95 €
Quelle: C. H. Beck

9 (1) In ihrem Buch erzählt die Historikerin Jill Lepore die Geschichte der USA von ihren Anfängen bis zur heutigen Krise. Ihrem Blick entgehen weder die Schatten- noch die Sonnenseiten der letzten westlichen Weltmacht: Sklaverei und Ausbeutung, aber auch große Errungenschaften wie politische Gleichheit. Ein Ritt durch die Geschichte, bei dem man das Land in allen seinen Widersprüchen kennenlernt. 22 Punkte

Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Peter Arens (ZDF), Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur), Ralph Bollmann (F.A.S.), Stefan Brauburger (ZDF), Alexander Cammann (DIE ZEIT), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Heike Faller (DIE ZEIT), Daniel Fiedler (ZDF), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Manuel J. Hartung (DIE ZEIT), Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur), Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur), Inge Kutter (DIE ZEIT), Hannah Lühmann (DIE WELT), Ijoma Mangold (DIE ZEIT), Tania Martini (taz), Susanne Mayer (DIE ZEIT), Christoph Möllers (HU Berlin), Jutta Person (freie Literaturkritikerin), Bettina von Pfeil (ZDF), Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung), Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur), Anne Reidt (ZDF), Anna Riek (ZDF), Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte), Hilal Sezgin (freie Autorin), Catrin Stövesand (Deutschlandfunk), Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT), Julia Voss (Leuphana-Uni Lüneburg)

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