Den Glauben wechseln

Konvertiten - die Religionswechsler

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"Forum am Freitag"-Moderatorin Nazan Gökdemir spricht mit Edgar Muhammad Hartmann, der vor 25 Jahren zum Islam konvertiert ist. Was hat ihn dazu gebracht, seinen katholischen Glauben abzulegen?

Beitragslänge:
14 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.08.2018, 23:55

Als Konvertiten bezeichnet man Menschen, die zu einer anderen Religion übertreten. Meistens besteht die Konversion zur islamischen Religion darin, das Glaubensbekenntnis vor muslimischen Zeugen auszusprechen und einen islamischen Personennamen anzunehmen. Im Islam sehen sich Konvertiten als einfache Gläubige, die sich häufig am eher konservativen Islam orientieren. "Forum am Freitag"-Moderatorin Nazan Gökdemir spricht mit Edgar Muhammad Hartmann, der vor 25 Jahren zum Islam konvertiert ist.

Mehr als tausend Menschen pro Jahr konvertieren in Deutschland zum Islam, fast zwei Drittel davon sind Frauen, so die Schätzungen des Islam-Archives in Soest. Die meisten Deutschen treten vor allem zum Islam über, weil sie einen muslimischen Partner heiraten, so die FAZ.

Der "Solidarisierungseffekt"

Edgar Muhammad Hartmann
Edgar Muhammad Hartmann ist vor 25 Jahren zum Islam konvertiert. Quelle: ZDF

Besonders nach dem 11. September, so Salim Abdullah, Leiter des Zentralinstituts Islam-Archiv in Soest, habe der "Solidarisierungseffekt" mit dem Islam zugenommen. "Immer, wenn der Islam unter Generalverdacht steht, solidarisieren sich viele mit dieser Religion", so Abdullah. Die meisten Neu-Muslime sind friedliche, unauffällige Gläubige.
Was die Motive der Konvertiten angeht, so spielt neben dem Wunsch einer tiefen spirituellen Erfahrung das Verlangen eine wichtige Rolle, Teil einer Gemeinschaft, der "umma" (Gemeinschaft der Muslime) zu sein. Außerdem geben viele die Tatsache an, dass der Islam ihnen ein eindeutiges Wertesystem biete und keine Unterschiede hinsichtlich Herkunft, Bildung oder sozialem Stand mache. Der Islam sei für viele Deutsche auch attraktiver als das Christentum, so die FAZ, da er eine absolute Wahrheit biete und einen "reinen Monotheismus" statt "umständlicher Trinitätslehre."

Durch die Festnahme zum Islam konvertierter Terrorverdächtiger sind Konvertiten aber auch in Verdacht geraten, radikale und gewaltbereite Verfechter des Islam zu sein. Zwar belegen Studien des Islamarchivs in Soest, dass viele Neu-Muslime ihre Religion mit besonderem Eifer verfolgen, aber dieses "Konvertiten-Syndrom" sei weltweit auch in anderen Religionen festzustellen. Dennoch ist es interessant, die Motive zu untersuchen, die Konvertiten zu Extremisten und Terroristen werden lassen.

Terrorgefährdete Konvertiten

Die in Oberschledorn verhafteten Terrorverdächtigen Quelle: dpa,ZDF

Ein wichtiges Motiv vieler radikaler Konvertiten ist ein Gefühl der Entfremdung - Entfremdung von der Familie, von Freunden, der Mehrheitsgesellschaft und schließlich ihrem Wertesystem. Für Terrornetzwerke und extremistische Organisationen sind Konvertiten vor allem interessant, da sie im Westen aufgewachsen sind, sich mit den kulturellen Begebenheiten gut auskennen und unauffällig in der Mitte der Gesellschaft lebend für die Sicherheitsbehörden nur schwer zu fassen sind. Welche Gründe letztendlich hinter der Entscheidung stehen, zum "politischen" Islam überzutreten, ist oft spekulativ: Die FAZ sieht als Motiv auch eine Alternative zu rechts- oder linksextremen Gegenmodellen zur westlich geprägten Gesellschaftsordnung.

"Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen erhöhter Gewaltbereitschaft und dem Übertritt zum Islam", so Salim Abdullah, Kenner der Konvertiten-Problematik. Zwar sei nicht auszuschließen, dass Konvertiten in fundamentalistische Kreise abdrifteten, aber dass Konvertiten generell zu Gewalt und Extremismus neigten und potentielle Attentäter seien - das sei ein Vorurteil, das besonders politisch gegen Muslime missbraucht werde.

Kleine Minderheit in der Minderheit

Der niederländische Terrorforscher Edwin Bakker hat 2006 in einer Studie die Lebensläufe von 242 Dschihadisten untersucht, die speziell Anschläge in Europa geplant und durchgeführt haben. Er kam zu dem Ergebnis, dass Konvertiten eine kleine Minderheit in der Minderheit sind. Bakker führt aus, dass radikale Strömungen innerhalb des Islam bei Konvertiten deswegen häufig auf fruchtbaren Boden fallen, weil sie dort einfache Antworten auf komplexe Fragen finden. Der Niederländer Bakker glaubt, das beste Mittel im Kampf gegen radikalisierte Konvertiten sei Wissen und Bildung. Je besser solche Menschen über den Islam Bescheid wüssten, desto geringer sei die Chance, den Beteuerungen Radikaler über den "wahren Islam" Glauben zu schenken.

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