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Dialog-Ratgeber geplant

Islam-Verbände und Kirchenvertreter trafen sich in Berlin

Treffen zwischen EKD und KRM 2013

Erst seit einem Jahr gibt es wieder Treffen von zwischen EKD und KRM. Forum am Freitag-Moderator Abdul-Ahmad Rashid hat muslimische und evangelische Vertreter zu den Ergebnissen des Treffens befragt.

Datum:
28.06.2013
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Jahrelang hat der Dialog zwischen evangelischer Kirche und den muslimischen Verbänden gestockt. Seit einem Jahr treffen sich Vertreter von Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) und Koordinationsrat der Muslime (KRM) wieder. "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid hat nach dem Treffen den Ratsvorsitzenden der EKD Nikolaus Schneider und den Sprecher des KRM Aiman Mazyek zu den Ergebnissen des Treffens befragt.

Die evangelische Kirche und Vertreter der Muslime in Deutschland wollen künftig stärker für ein friedliches Miteinander eintreten. "Die Ausgrenzung und Herabsetzung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe entspricht nach unserem Verständnis dem christlichen und islamischen Menschenbild nicht", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, nach einem Gespräch zwischen Spitzenvertretern der EKD und des Koordinationsrats der Muslime am Dienstag in Berlin.

Ratschläge für den Dialog

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte, beide Seiten hätten ihre Sorge darüber ausgedrückt, dass Anschläge auf Menschen anderer Hautfarbe oder Religion, speziell auf Muslime, zunähmen. Als Religionsgemeinschaft müsse man in die Mitte der Gesellschaft wirken. Dazu gehörten auch Moschee- und Kirchengemeinden.

Bei dem Gespräch wurde vereinbart, bis 2014 einen Dialog-Ratgeber für Muslime und Christen zu erstellen. Gemeinden sollen damit Impulse für das tägliche Miteinander bekommen. Beide Seiten machten deutlich, dass sie den Dialog miteinander weiterhin intensivieren wollen, das Verstehen des Anderen und Gewinnen von Vertrauen aber Zeit brauche. Das letzte Gespräch zwischen EKD und Islamverbänden hatte vor einem Jahr in Duisburg stattgefunden, davor herrschte lange Zeit zumindest öffentlich Funkstille.

Homosexualität ist Streitthema

Ziel der Treffen ist auch, künftig gemeinsam zu gesellschaftlichen Themen Stellung zu beziehen, betonten Schneider und Mazyek. Am Dienstag wurden aber auch Unterschiede deutlich. So sagte Mazyek, der auch Vorsitzender des Zentralrats der Muslime ist, die Orientierungshilfe der EKD zum Thema Familie könnten Muslime nicht mittragen. Darin fordern die Protestanten die Unterstützung für sämtliche Formen des familiären Zusammenlebens.

"Unser Familienbild ist geprägt von der Ehe zwischen Mann und Frau. Andere Formen des Zusammenlebens können wir nicht anerkennen", sagte Mazyek. Schneider sagte, der Dissens bei diesem Thema sei deutlich geworden. Die Grenze verlaufe bei der Haltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Fortgesetzter Dialog

Im Koordinationsrat der Muslime, der der EKD bei den Gresprächen gegenübersitzt, haben sich die Türkisch-Islamische Union (DITIB), der Islamrat, der Zentralrat der Muslime und der Verband der Islamischen Kulturzentren zusammengeschlossen. Die Spitzen der Verbände betonten, dass im Dialog mit der EKD ein Neuanfang gemacht worden sei. Die vor einigen Jahren veröffentlichte EKD-Handreichung "Klarheit und gute Nachbarschaft" zum Verhältnis zwischen Christen und Muslimen hatte für Verstimmung bei den Islamverbänden gesorgt. Das "Forum am Freitag" hatte vor einem Jahr darüber berichtet.

Schneider sagte, das Papier sei vor allem eine nach innen, in den Protestantismus hineinwirkende Schrift gewesen. "Das hat auch sein relatives Recht, kann aber nicht alles sein", ergänzte er. Mazyek sagte, das aktuelle Gespräch sei von Respekt und gegenseitiger Achtung geprägt.

Weitere Themen des Gesprächs am Dienstag waren den Angaben zufolge Fragen des Staatskirchenrechts und der Religionsfreiheit. Mazyek betonte, es sei ein Anliegen beider Seiten, Religionsfreiheit zu gewährleisten und für Menschenrechte einzutreten. Schneider betonte, die teilweise schwierige Situation von Christen in islamischen Ländern dürfe den Dialog mit Muslimen hierzulande nicht beeinflussen. "Dies wäre Missbrauch", sagte der Ratsvorsitzende.

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